Auf den ersten Schock folgte bei BTC ein Abverkauf auf unter 64.000 US-Dollar, anschließend stabilisierte sich der Kurs jedoch schnell wieder und stieg zuletzt gar bis auf 70.000 US-Dollar. Damit hält sich die zuletzt massiv abverkaufte Kryptowährung überraschend stark.
Dies sieht auch Martin Leinweber, Director of Digital Asset Research & Strategy bei MarketVector Indexes, so. Gegenüber BTC-ECHO warnt er jedoch gleichzeitig: “Das ist auf den ersten Blick positiv, spricht aber auch dafür, dass der Markt die schwache Position des Irans einpreist und eine schnelle Deeskalation erwartet. Sollte diese Erwartung enttäuscht werden, wäre das Korrekturpotenzial entsprechend größer.”
Auf Sicht der nächsten Wochen ist das Bild ihm zufolge differenzierter:
Entscheidend ist, ob sich der Konflikt auf die Energiemärkte auswirkt. Steigen die Ölpreise nachhaltig, erhöht das den Inflationsdruck – und das könnte die Erwartungen an Fed-Zinssenkungen dämpfen. Weniger Zinssenkungen bedeuten weniger Liquidität, was für Risk Assets belastend wäre.
Leinweber beschreibt drei zentrale Transmissionskanäle: erstens die initiale Risk-off-Reaktion, welche für abgezogene Liquidität sorgt. Zweitens Öl- und Energiepreise, die über Inflationserwartungen mittelfristig auf die Geldpolitik wirken. Und drittens die Stärke des Greenbacks: In Stressszenarien tendiert der US-Dollar normalerweise stärker, was Emerging Markets und Krypto-Assets belasten kann.
Während Bitcoin in solchen Phasen stark über makroökonomische Auswirkungen und Risikoappetit gehandelt wird, rückt im Altcoin-Sektor wieder einmal die Möglichkeit zum 24/7-Handel und damit die Perpetual-Futures-Plattform Hyperliquid ins Rampenlicht der Krypto-Narrative. Dort können dank HIP-3 auch allerlei Aktien, private Unternehmen und Rohstoffe gehandelt werden. Florian Döhnert-Breyer, Mitgründer und Geschäftsführer bei dem Berliner Krypto-Fonds F5 Crypto, sieht dies daher als “das bislang klarste Krypto-Gewinnernarrativ im Zuge der Iran-Eskalation”. Gegenüber BTC-ECHO erklärt er: “Auf Hyperliquid stiegen Öl-Perpetuals am Wochenende bereits um rund fünf Prozent auf 70,6 US-Dollar, noch bevor die traditionellen Futures-Märkte öffneten”.
Demnach werde die Volatilität auf der Perps-Plattform direkt in Cashflows übersetzt, die daraufhin für Token Buybacks verwendet werden. Das zeige ein Geschäftsmodell, das sich in solchen Phasen teilweise von der Kursentwicklung von BTC entkoppeln könne. Er erwartet zudem, dass sich diese Tendenz in Zukunft weiter verstärken wird. Sein Fazit: “Wir halten Hyperliquid fundamental für stark aufgestellt und aktuell für investierbar.”
Martin Leinweber sieht das ähnlich: “Plattformen mit 24/7-Liquidität wie Hyperliquid haben strukturell einen Vorteil gegenüber traditionellen Märkten, wenn Ereignisse außerhalb der Handelszeiten eintreten.” Daneben könnten in Regionen mit Kapitalverkehrskontrollen oder eingeschränktem Bankzugang ihm zufolge auch Privacy Coins wie Monero oder Zcash an Relevanz gewinnen. Bitcoin selbst könne mittelfristig als “Digitales Gold” profitieren. Er konstatiert jedoch auch, dass diese Korrelation “erst noch konsistent bewiesen werden müsse”.
Der Iran-Krieg ist für Bitcoin und den Krypto-Markt kurzfristig vor allem ein Risk-off-Event – mit dem Ölpreis als möglichem Brandbeschleuniger für Inflation und Zinserwartungen. Kurzfristig könnte dies zu weiteren Abflüssen aus dem Krypto-Sektor sorgen. Fundamental hat sich jedoch nichts geändert. Einige Krypto-Assets dürften sogar profitieren. Schließlich verdeutlicht die Eskalation erneut den Use-Case von Hyperliquid (sowie anderen Plattformen wie Ostium) auf denen 24/7 gehandelt werden kann. Auch Bitcoin sowie Privacy Coins könnten von zunehmenden Sorgen vor Sanktionen sowie drastischen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen profitieren.

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