Die Europäische Union und Serbien haben ein bedeutendes Abkommen über den Abbau eines der größten Lithium-Vorkommen Europas unterzeichnet. In Anwesenheit von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić und dem Vizepräsidenten der EU-Kommission, Maros Sefcovic, fand die Unterzeichnung am Freitag in Belgrad statt. Dieses Abkommen, das auf eine umweltfreundliche Förderung des für Elektroauto-Batterien essentiellen Rohstoffs abzielt, soll beiden Seiten erhebliche Vorteile bringen.
Im Jadar-Tal in Serbien liegt eine der größten Lithium-Reserven Europas. Dieses Abkommen zielt darauf ab, eine vollständige Wertschöpfungskette für die Elektromobilität in Serbien zu schaffen – vom Rohstoffabbau bis zur Batteriefertigung. Dies würde nicht nur staatliche Einnahmen und Investitionen generieren, sondern auch Arbeitsplätze schaffen und Serbien näher an die EU bringen, während es auf eine Mitgliedschaft hinarbeitet.
EU reduziert Abhängigkeit von China
Deutschland und die EU verfolgen mit diesem Projekt das Ziel, ihre Abhängigkeit von chinesischen Rohstofflieferungen zu verringern. China ist nach Australien und Chile der drittgrößte Lithiumproduzent der Welt und beherrscht mehr als 60 Prozent der weltweiten Lithiumverarbeitung. Mit dem neuen Abkommen soll Europa unabhängiger werden und die Versorgungssicherheit für diesen zentralen Rohstoff der Energiewende erhöhen.
Rio Tinto, das Unternehmen, das die Lithiumvorkommen in Serbien erschließen wird, plant zudem den Bau einer Anlage zur Weiterverarbeitung des Erzes zu Lithiumkarbonat. Ein Sprecher des Unternehmens betonte, dass Rio Tinto die Schaffung einer lokalen Lieferkette für Elektrofahrzeuge unterstützt, die sowohl für Serbien als auch für Europa von großer Bedeutung ist.
Erfolg für Europa und Herausforderung für Umweltschützer
China hatte ebenfalls starkes Interesse an den Lithium-Vorkommen in Serbien gezeigt. Präsident Xi Jinping besuchte im Mai Belgrad, um die chinesischen Ambitionen zu unterstreichen. Dass sich letztlich die Europäer durchgesetzt haben, wird von deutscher Seite als großer Erfolg gefeiert. Reinhard Houben, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, sieht in dem Abkommen eine bedeutende Chance zur Diversifizierung der europäischen Rohstoffversorgung.
Gleichzeitig bleibt das Projekt umstritten. Umweltschützer warnen vor der Gefahr einer Grundwasserverschmutzung durch Schwermetalle und befürchten negative Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung der Anwohner. Ein Sprecher von Rio Tinto betonte jedoch, dass unabhängige Experten das Projekt als sicher und umweltverträglich gemäß den höchsten serbischen und EU-Standards bewertet haben.
Die serbische Regierung hat das Projekt kürzlich genehmigt, nachdem das Verfassungsgericht ein Urteil aus dem Jahr 2022 aufgehoben hatte, das den Abbau gestoppt hatte. Kritiker zweifeln jedoch an der Unabhängigkeit des Gerichts und warnen vor möglichen rechtsstaatlichen Problemen.
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