“Im Moment sehen wir, dass das Retail-Interesse an Krypto stark zurückgegangen ist”, sagt Lin. Das erschwere vor allem die Neukundengewinnung. “In einem abkühlenden Markt ist es immer herausfordernder, neue Nutzer anzusprechen.”
An den grundlegenden Prioritäten habe sich bei BingX dennoch nichts geändert. “Unser Fokus hat sich nie verändert. Wir konzentrieren uns weiterhin auf User Experience, Produktinnovation und Sicherheit”, erklärt sie. Entscheidend sei dabei weniger das Ob als das Wie: “Es geht darum, wie wir unsere begrenzten Ressourcen zwischen Trading-Produkten, Backend und Systemverbesserungen verteilen.”
In der aktuellen Marktphase beobachtet BingX eine klare Verschiebung im Nutzerverhalten. “In einem abkühlenden Markt verlagert sich das Retail-Interesse von tradinglastigen Produkten hin zu zins- oder ertragsbringenden Angeboten.”
Entsprechend wurden Ressourcen umgeschichtet. “Wir setzen mehr Entwickler und Produktmanager auf Wealth-Management-Produkte an, inklusive Fonds, neuer Assets und RWA-Produkte.” Gerade Real World Assets seien komplex. “RWAs sind kein Produkt, das man einfach tokenisiert. Es ist ein langer Prozess, passende Strukturen zu schaffen, die für Retail-Nutzer verständlich sind und ihrem Ziel dienen, Erträge zu erzielen.”
Vivien Lin unterscheidet aktuell klar zwischen zwei Nutzergruppen. “Die einen sind krypto-nativ, erfahren in DeFi und CeFi. Die anderen kommen aus dem traditionellen Finanzmarkt, etwa aus dem Aktien- oder Forex-Handel.”
Krypto-native Nutzer hätten ihre Strategie zuletzt angepasst. “Viele wechseln von einer Trader- hin zu einer Holder-Mentalität.” Nach der Meme-Phase gehe es nun um strukturierten Aufbau. “Sie bauen Positionen auf und betreiben Bottom Fishing.” Für diese Nutzer setzt BingX verstärkt auf Automatisierung. “Wir bieten Tools wie DCA-Strategien oder automatische Akkumulationslösungen an.”
TradFi-Nutzer verfolgen dagegen andere Ziele. “Verglichen mit Aktien oder Forex ist die Volatilität im Krypto-Markt immer noch hoch.” Genau das sei der Reiz. “Trader aus dem traditionellen Finanzmarkt wollen vor allem die Volatilität ausnutzen.” Entsprechend gefragt seien strukturierte Produkte. “Wir bieten Dual Currency Notes und Grid Bots an, um Volatilität gezielt zu nutzen.”
Lin sieht darin einen strukturellen Vorteil der Krypto-Branche. “Diese Tools sind in Krypto weit verbreitet, im traditionellen Finanzmarkt dagegen kaum.”
Auch bei der Asset-Auswahl zeigt sich ein klarer Trend. “Viele Nutzer haben Meme-Token gehandelt und damit Geld verloren.” Inzwischen gehe der Fokus zurück zu etablierten Assets. “Sie wechseln zu Bitcoin, Ethereum oder Solana.”
Parallel dazu wachse das Interesse an kleineren Projekten. “Viele suchen gezielt nach qualitativ hochwertigen Assets mit geringer Marktkapitalisierung – zum Akkumulieren oder für Ertragsstrategien.” Für BingX bedeutet das mehr Selektionsarbeit. “Wir sprechen mit verschiedenen Ökosystemen und Projekten, um qualitativ hochwertige Assets auf die Plattform zu bringen.”
Langfristig erwartet Lin eine Annäherung von Krypto- und traditionellen Finanzplattformen. “Aus Systemsicht wird es in fünf Jahren kaum noch Unterschiede zwischen Krypto- und TradFi-Brokern geben.”
Die eigentlichen Differenzen lägen jedoch in der Nutzerbasis. “Unsere Nutzer sind ganz andere als etwa bei Robinhood – und deshalb ist auch unser Geschäftsmodell anders.” Während TradFi-Plattformen Krypto als zusätzliche Assetklasse betrachten, denken Krypto-Nutzer umgekehrt. “Sie fragen, wie sie Token oder Stablecoins nutzen können, um Zugang zu traditionellen Märkten wie dem NASDAQ zu bekommen.”
Auch das Trading-Verhalten unterscheide sich deutlich. “Sie wollen zum Beispiel mit Grid Bots den NASDAQ handeln – etwas, das im traditionellen Finanzmarkt kaum verbreitet ist.”
Beide Seiten haben sich in regulatorischen Fragen angenähert. “Als führende Plattform sind wir verpflichtet, die jeweils geltenden regulatorischen Anforderungen einzuhalten, die in Kraft treten, wie etwa MiCA in Europa”, kommentiert Lin.
Für die kommenden Jahre setzt BingX stark auf künstliche Intelligenz. “Wir verfolgen eine All-in-AI-Strategie.” Ziel sei es, zentrale Bereiche der Plattform AI-gestützt weiterzuentwickeln – von der User Experience bis zum Risikomanagement.
Im Zentrum steht der sogenannte AI Master. “Wir kombinieren künstliche Intelligenz mit quantitativen Strategien und sehr intensiven Backtests.” Aktuell seien sechzehn Strategietypen live, insgesamt über fünfzig Varianten. “Solche Strategien waren früher ausschließlich institutionellen Investoren vorbehalten.” Nun seien sie auch für Retail-Nutzer zugänglich – unter der Voraussetzung, dass Risiken verstanden werden.

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