Wie eng zwei Vermögenswerte zusammenhängen, wird durch die Korrelation gemessen. Diese reicht von minus eins bis plus eins, wobei plus eins völligen Gleichlauf bedeutet und ein Wert von null für keinerlei Zusammenhang steht. Dragosch interessiert vor allem, ob Bitcoin und Aktien über längere Zeit gemeinsam steigen und fallen. Um das zu prüfen, betrachtet er die Kurse auf einer logarithmischen Skala, die prozentuale Bewegungen vergleichbar macht. Nach dieser Methode ist die Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 laut Bitwise auf den tiefsten Stand seit 2015 gefallen: "Die trendmäßige Entkopplung zwischen dem S&P 500 und Bitcoin ist die stärkste seit elf Jahren".
Diese Entwicklung erklärt Dragosch damit, dass die beiden Märkte derzeit von unterschiedlichen Kräften bewegt werden. Der Bitwise-Experte führt die Kursentwicklung von Bitcoin rechnerisch auf vier Makrofaktoren zurück: die Erwartungen an das Wachstum der Weltwirtschaft, die erwartete Geldpolitik, den US-Dollar und das Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone. Meist geben die Wachstumserwartungen den Ausschlag, weshalb die Kryptwährung in freundlichen Marktphasen oft mit den Aktien steigt und in unsicheren mit ihnen fällt. Aktuell treibe dieser Faktor vor allem den S&P 500, aber Bitcoin werde derzeit "zumindest nach unserer Analyse" stärker vom Dollar beeinflusst.
Während sich Bitcoin von Aktien löst, bewegt es sich zunehmend im Gleichschritt mit Gold. Die Korrelation zwischen beiden hat vor kurzem ein Sechsjahreshoch erreicht. Dragosch zufolge deutet das darauf hin, dass Anleger beide Werte als Schutz vor Geldentwertung behandeln, also vor dem Kaufkraftverlust einer Währung durch wachsende Geldmengen und Schulden. Sein nüchternes Urteil: "Sie kaufen einfach beides, Bitcoin und Gold“.
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Bestätigt sieht sich Dragosch durch eine Bitwise-Umfrage unter 15 großen Institutionen, darunter Pensionskassen und Staatsfonds. Keine von ihnen hatte ihre Krypto-Bestände während des Rückgangs seit Oktober 2025 verringert, die meisten hielten ein bis zwei Prozent ihres Vermögens in Krypto-Anlagen. Die Gespräche fanden allerdings zwischen Ende März und April statt, über die letzte Verkaufswelle im Sommer sagt die Umfrage also nichts aus.
Ob die Entkopplung trägt, dürfte sich bei einem Rückschlag am Aktienmarkt zeigen, und den hält der Krypto-Experte für wahrscheinlich. Bitwise misst dafür, was die Märkte von der Geldpolitik und vom Wachstum der Weltwirtschaft erwarten. Die geldpolitischen Erwartungen sind nach Dragoschs Rechnung inzwischen so straff wie während der Zinserhöhungen 2022 und 2023, weil die Renditen so schnell gestiegen sind.
In der Grafik liegt die dunkle Linie für die Geldpolitik tief im Minus, die helle für das Wachstum ganz deutlich im Plus. Beide zeigen den Abstand zum langjährigen Durchschnitt. Weil die Geldpolitik dem Wachstum meist vorausläuft, erwartet Dragosch, dass die Wachstumserwartungen nachgeben und Aktien somit korrigieren. Das könnte die Fed zu einem Ende der Zinserhöhungen bewegen.
Bitcoin sieht er für einen solchen Rückschlag gerüstet, weil der Kurs mit dem Rückgang um mehr als die Hälfte seit Oktober 2025 viel davon vorweggenommen habe. „Wir haben bereits eine Menge schlechter Nachrichten eingepreist“, sagt Dragosch gegenüber Bitcoin Magazine. Eines der von Bitwise entwickelten Modelle zur Bepreisung von digitalen Assets, das den Kurs an die weltweite Geldmenge koppelt, sieht den fairen Wert von Bitcoin aktuell bei rund 197.000 US-Dollar. Zum Zeitpunkt des Interviews notierte der BTC-Kurs bei etwa 84.000 US-Dollar, sodass eine Verdopplung durchaus möglich wäre.
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