Aus der FTD vom 14.1.2003 www.ftd.de/zinspolitik
Zinssenkung der EZB verpufft
Von G. Heismann, A. Krosta, S. Rössing und C. Wanner, Frankfurt
Kunden deutscher Großbanken profitieren kaum von der Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). Damit halten sich die Geschäftsbanken zum Teil an den Ratschlag des Chefs des Bundesverbandes deutscher Banken, Rolf-E. Breuer.
Er hatte den Kreditinstituten geraten, die Zinssenkung nicht weiterzugeben." Das können wir uns gegenwärtig nicht leisten", hatte Breuer im Dezember gesagt. Das Bundeskartellamt untersucht den Fall - bisher ohne Ergebnis. Ein Sprecher der Behörde sagte, Breuer habe noch nicht zu den Vorwürfen Stellung genommen. Die EZB hatte im Dezember ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 2,75 Prozent gesenkt.
Die deutschen Banken stecken in ihrer größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Einbruch an den Weltbörsen hat sowohl im Handel als auch im Investmentbanking zu Einbußen geführt. Die Institute kämpfen mit hohen Kosten und schwindenden Margen. Scharfer Wettbewerb zwischen Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken verstärkt die Probleme.
Günstigeres Geld für die Banken
Die Ertragskrise könnte mit der Verweigerung der Zinssenkung erleichtert werden. Die Banken bekommen am Geldmarkt durch die niedrigeren Leitzinsen günstigeres Geld. Der Preis für Tagesgeld näherte sich im vergangenen Monat stetig an den Leitzins der EZB von 2,75 Prozent an. Wenn die Kreditinstitute ihre Zinsen beibehalten oder nur leicht senken, steigen die Gewinne.
Die Commerzbank reduzierte nach Angaben eines Sprechers die Zinsen im Privatkundengeschäft um 0,25 Prozentpunkte. Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller sagte, die Bank habe mit Unternehmen vereinbart, geringere Geldmarktzinsen weiterzugeben. Die Commerzbank finanziere sich aber nicht nur am Geldmarkt, weshalb sie die Senkung nicht voll ihren Kunden zugute kommen lassen müsse.
Die Zentrale der Dresdner Bank rät ihren Geschäftsstellen zu einer Zinssenkung. "Einige Regionen haben die Zinsen gesenkt, einige nicht", sagte ein Sprecher. Er verwies darauf, dass die Dresdner Bank in Regionen organisiert sei, um auf Konkurrenz wie örtliche Sparkassen reagieren zu können. Im Firmenkundengeschäft sei die Zinssenkung nicht voll weitergegeben worden.
EZB-Sprecher optimistisch
Der Chefvolkswirt von Invesco Asset Management Deutschland, Jörg Krämer, sagte, die Zeitverzögerung sei völlig normal. Sollten die Zinsen im Februar aber immer noch auf dem derzeitigem Stand liegen, wäre der geldpolitische Stimulus der EZB nicht in der Wirtschaft angekommen.
Ein Sprecher der EZB zeigte sich optimistisch, dass die Kreditkosten in nächster Zeit sinken werden. "Wir erwarten Wettbewerb unter den Banken. Deshalb glauben wir, dass die Zinssenkung ihren Zweck erfüllt." EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte die Zinssenkung mit der Hoffnung begründet, dass sie das Wirtschaftswachstum fördert. Sollten die Banken bei ihrer Politik bleiben, wäre die Wirkung aber gering.
Die deutschen Banken hatten im Oktober nach Angaben der Deutschen Bundesbank Kredite von 3583 Mrd. Euro ausstehen. Eine Zinssenkung auf viele Produkte dürfte zu enormen Einbußen führen. "Wir beobachten weiter den Markt", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. Konkurrenzdruck habe etwa dazu geführt, dass das Kreditinstitut in Einzelfällen Zinsen gesenkt habe. Die Geschäftsstelle Berlin habe die Baufinanzierung um 0,3 Prozentpunkte verbilligt. Analysten zufolge würde die Deutsche Bank ihren Zinsüberschuss jährlich um 500 bis 600 Mio. Euro erhöhen, wenn sie die Zinsen nicht senken würde.
Die Sparkassen reagierten unterschiedlich. Die Stadtsparkasse München senkte im Baufinanzierungsgeschäft die Zinsen um 0,2 Prozentpunkte. Zugleich zahlte sie auf Einlagen auf Tagesgeldkonten 0,2 Prozentpunkte weniger.
© 2003 Financial Times Deutschland
Da Fazit: Die Banken machen sich auf Kosten des Wirtschaftswachstums frisch.
Herzlichen Dank f-h
Zinssenkung der EZB verpufft
Von G. Heismann, A. Krosta, S. Rössing und C. Wanner, Frankfurt
Kunden deutscher Großbanken profitieren kaum von der Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). Damit halten sich die Geschäftsbanken zum Teil an den Ratschlag des Chefs des Bundesverbandes deutscher Banken, Rolf-E. Breuer.
Er hatte den Kreditinstituten geraten, die Zinssenkung nicht weiterzugeben." Das können wir uns gegenwärtig nicht leisten", hatte Breuer im Dezember gesagt. Das Bundeskartellamt untersucht den Fall - bisher ohne Ergebnis. Ein Sprecher der Behörde sagte, Breuer habe noch nicht zu den Vorwürfen Stellung genommen. Die EZB hatte im Dezember ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 2,75 Prozent gesenkt.
Die deutschen Banken stecken in ihrer größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Einbruch an den Weltbörsen hat sowohl im Handel als auch im Investmentbanking zu Einbußen geführt. Die Institute kämpfen mit hohen Kosten und schwindenden Margen. Scharfer Wettbewerb zwischen Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken verstärkt die Probleme.
Günstigeres Geld für die Banken
Die Ertragskrise könnte mit der Verweigerung der Zinssenkung erleichtert werden. Die Banken bekommen am Geldmarkt durch die niedrigeren Leitzinsen günstigeres Geld. Der Preis für Tagesgeld näherte sich im vergangenen Monat stetig an den Leitzins der EZB von 2,75 Prozent an. Wenn die Kreditinstitute ihre Zinsen beibehalten oder nur leicht senken, steigen die Gewinne.
Die Commerzbank reduzierte nach Angaben eines Sprechers die Zinsen im Privatkundengeschäft um 0,25 Prozentpunkte. Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller sagte, die Bank habe mit Unternehmen vereinbart, geringere Geldmarktzinsen weiterzugeben. Die Commerzbank finanziere sich aber nicht nur am Geldmarkt, weshalb sie die Senkung nicht voll ihren Kunden zugute kommen lassen müsse.
Die Zentrale der Dresdner Bank rät ihren Geschäftsstellen zu einer Zinssenkung. "Einige Regionen haben die Zinsen gesenkt, einige nicht", sagte ein Sprecher. Er verwies darauf, dass die Dresdner Bank in Regionen organisiert sei, um auf Konkurrenz wie örtliche Sparkassen reagieren zu können. Im Firmenkundengeschäft sei die Zinssenkung nicht voll weitergegeben worden.
EZB-Sprecher optimistisch
Der Chefvolkswirt von Invesco Asset Management Deutschland, Jörg Krämer, sagte, die Zeitverzögerung sei völlig normal. Sollten die Zinsen im Februar aber immer noch auf dem derzeitigem Stand liegen, wäre der geldpolitische Stimulus der EZB nicht in der Wirtschaft angekommen.
Ein Sprecher der EZB zeigte sich optimistisch, dass die Kreditkosten in nächster Zeit sinken werden. "Wir erwarten Wettbewerb unter den Banken. Deshalb glauben wir, dass die Zinssenkung ihren Zweck erfüllt." EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte die Zinssenkung mit der Hoffnung begründet, dass sie das Wirtschaftswachstum fördert. Sollten die Banken bei ihrer Politik bleiben, wäre die Wirkung aber gering.
Die deutschen Banken hatten im Oktober nach Angaben der Deutschen Bundesbank Kredite von 3583 Mrd. Euro ausstehen. Eine Zinssenkung auf viele Produkte dürfte zu enormen Einbußen führen. "Wir beobachten weiter den Markt", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. Konkurrenzdruck habe etwa dazu geführt, dass das Kreditinstitut in Einzelfällen Zinsen gesenkt habe. Die Geschäftsstelle Berlin habe die Baufinanzierung um 0,3 Prozentpunkte verbilligt. Analysten zufolge würde die Deutsche Bank ihren Zinsüberschuss jährlich um 500 bis 600 Mio. Euro erhöhen, wenn sie die Zinsen nicht senken würde.
Die Sparkassen reagierten unterschiedlich. Die Stadtsparkasse München senkte im Baufinanzierungsgeschäft die Zinsen um 0,2 Prozentpunkte. Zugleich zahlte sie auf Einlagen auf Tagesgeldkonten 0,2 Prozentpunkte weniger.
© 2003 Financial Times Deutschland
Da Fazit: Die Banken machen sich auf Kosten des Wirtschaftswachstums frisch.
Herzlichen Dank f-h