Zementhersteller werden interessant


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DarkKnight:

Zementhersteller werden interessant

 
29.01.01 09:58
aus der BZ:

Nachdem der Zementhersteller Lafarge im vergangenen Jahr mit dem Versuch einer feindlichen Übernahme von Blue Circle trotz eines von 420 auf 450 Pence je Aktie erhöhten Angebots am Widerstand der Briten gescheitert war, können die Franzosen nun wohl doch zum weltweit größten Zementhersteller noch vor den Wettbewerbern Holderbank und Heidelberger Zement aufsteigen. Im Rahmen einer freundlichen Übernahme will Lafarge die noch nicht gehaltenen Anteile für jeweils 495 Pence erwerben. Aufgrund der Wechselkursentwicklung in den vergangenen Monaten, so die Analysten der WGZ-Bank, ergibt sich auf Euro-Basis gegenüber dem ursprünglichen feindlichen Angebot lediglich ein Aufschlag von 3 %.
Lafarge am Ziel
Neben der Stärkung der Marktposition stimmt auch die Wiederentdeckung der günstig bewerteten Old-Economy-Werte - seit dem 13. Oktober 2000 legte der Stoxx-Branchenindex für Bautitel um 14,2 % zu - die Analystengemeinde positiv für Lafarge. Im laufenden Monat wurden elf Research-Einschätzungen zu Lafarge abgegeben; davon waren immerhin neun positiv (darunter Goldman Sachs, Deutsche Bank und Merrill Lynch). Nur die Analysten der Helaba Trust und von KBC Securities waren skeptisch und empfahlen, den Titel unterzugewichten. Bei Blue Circle gab es übrigens im Januar nur eine Neueinschätzung, die sich im Ergebnis - "neutral" - der Tendenz nach mit den Investment-Ratings aus dem Dezember deckte.

Im Stoxx-Branchenindex für Bauwerte liegt Lafarge mit einem Gewicht von 13,1 % an zweiter Stelle. Andere Zementproduzenten in dem Kursbarometer sind die irische CRH (7,9 %), die Schweizer Holderbank (7,1 %) sowie die beiden britischen Unternehmen Hanson (5,7 %) und Blue Circle (4,1 %). Als einziger deutscher Titel ist in dem Index Heidelberger Zement (1,7 %) vertreten.
In den vergangenen Monaten hat sich die Wahrnehmung der Zementindustrie durch die Analysten der Deutschen Bank völlig verändert, wie es in einer Branchenstudie heißt. Im Spätsommer 2000 sei die Aufmerksamkeit noch auf das schwache Niveau der Straßenbauaktivitäten in den USA gerichtet gewesen. Auch der neuerliche Kollaps in der deutschen Bauwirtschaft und die negativen Auswirkungen auf die Gewinnmargen durch die höheren Energiekosten hätten die Branche belastet, so das Research.
Doch Ende Oktober hätten die Marktteilnehmer damit begonnen, die Lockerung der Geldpolitik durch die US-Notenbank zu antizipieren. Diese veränderte Haltung habe zum Einstieg in Zykliker und andere Industrieunternehmen - insbesondere aus der Zementbranche - geführt.
Von Underperform auf Buy
Nun scheine sich der Markt für den Sektor der Bauzulieferer regelrecht zu begeistern, heißt es. Die Aufmerksamkeit richte sich auf die niedrige Zyklizität der großen Zementhersteller. Darüber hinaus werden die zahlreichen Vorteile, die sich aus der Globalisierung für die großen Unternehmen der Baubranche ergeben, stärker berücksichtigt. Nach Ansicht der Deutschen Bank ist der Zement-Sektor nach wie vor beträchtlich unterbewertet. Daher wird die Empfehlung für die Branche von "Underperform" auf "Buy" hochgenommen. Die Outperformance des Sektors könnte - unterstützt durch beruhigende Geschäftszahlen für das Jahr 2000 - noch über mehrere Monate andauern. Allerdings stellen die Analysten klar, dass das Risiko von Gewinnwarnungen zunächst noch hoch bleibt.
Global Player bevorzugen
Das Research der Deutschen Bank rät dazu, unter den Einzelwerten die wenig diversifizierten und noch verhältnismäßig stark zyklischen Titel zu meiden. Dazu zählen nach Angaben der Bank auch Dyckerhoff. Die Analysten gehen davon aus, dass die Zementindustrie in eine neue Konsolidierungsphase eintritt. Daher seien kurzfristige spekulative Ausschläge bei einigen Titeln nicht auszuschließen. Global Player wie Lafarge und Holderbank seien 2000 ungerechtfertigt unter die Räder gekommen und sollten nun von ihrer Ergebnisqualität profitieren können, heißt es. Bei Heidelberger Zement verbiete sich jede Neueinschätzung, bis es zu einer Erholung der Nachfrage in Deutschland komme.
Auch die meisten anderen Research-Teams sind vorsichtig und raten nur zum "Halten". Unter den Empfehlungen der jüngsten Zeit weicht lediglich die Helaba-Trust mit "Übergewichten" ab. Auch bei Dyckerhoff sind die Analysten zurückhaltend. Trotz der geradezu aufreizend niedrigen Bewertung sieht eine Mehrheit der Banken den Titel nur als "Market Performer".

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