Ein langwieriger Krieg im Irak würde nach Einschätzung von Experten die ohnehin schwachen Hoffnungen auf eine allmähliche Erholung der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr zu Nichte machen.
Vor allem ein sprunghafter Anstieg des Ölpreises sowie die nachhaltige Verunsicherung von Konsumenten und Investoren würden Industrie und Handel massiv belasten, so die von Reuters befragten Analysten, Volkswirte und Branchenverbände. Besonders betroffen wären energieintensive und Öl-abhängige Branchen wie die Chemie, die an Exporten und Investitionsgütern orientierten Industrien wie der Maschinen- oder Autobau sowie die Luftfahrt. Die Aktienkurse der Firmen dieser Branchen würden sicherlich auch stärksten unter Druck geraten, hieß es.
US-Außenminister Colin Powell hatte am Donnerstag den jüngsten irakischen Waffenbericht als "schwerwiegenden Verstoß" gegen die geforderte Offenlegung der Militärarsenale des Landes bezeichnet und betont, dass es keine friedliche Lösung geben werde, solange die Führung in Bagdad Lügen auftische.
"PSYCHOLOGISCHER" EFFEKT BELASTET JETZT BEREITS
Die Szenarien der Wirtschaftsexperten für die ökonomischen Konsequenzen eines Irak-Krieges reichen je nach Dauer und Umfang des Konflikts von einer kurzzeitige Irritation mit raschem Erholungseffekt bis hin zu einem Absturz in eine tiefe Rezession inklusive Beschäftigungsabbau, Firmen- und Börsenzusammenbrüchen. In einem Punkt sind sich Analysten und Branchenkenner einig: Die psychologische Belastung wird in jedem Fall das Vertrauen schwächen und Verunsicherung bringen.
"Wird es nur ein kurzer Krieg, dann kommt es wahrscheinlich sehr schnell zu einem Aufholeffekt", erläutert Gerhard Grebe, Chefstratege Deutschland beim Bankhaus Julius Bär. Im Anschluss an eine nur wenige Wochen dauernde Auseinandersetzung werde das Wachstum wieder stärker ausfallen und sich in der Wirtschaft wieder Zuversicht breit machen."Wenn der Konflikt aber länger andauert, fallen wir zurück in eine Rezession", so Grebe.
Die Experten erwarten, dass im Falle eines Kriegs Verbraucher ihre Ausgaben zurückstecken und Firmen Investitionen verschieben könnten. "Im Moment halten sich die Verbraucher schon zurück wegen der schwachen Konjunktur, den strukturellen Problemen und wegen des drohenden Konfliktes", sagt Johannes Reich, Chefanalyst beim Bankhaus Metzler. Auch nach Einschätzung von Volkswirt Andreas Scheuerle von der Deka Bank könnte Deutschland im Zuge eines Irak-Krieges wieder kurz in die Rezession fallen. "Das Wachstum bewegt sich in den Wintermonaten ehe nah der Null-Linie, da ist die Rezession schnell erreicht. Im schlimmsten Fall schrumpft die Wirtschaft viel länger."
ÖLPREIS ALS ÜBERTRAGUNGSMECHANISMUS - EXPORTE LEIDEN
Neben der psychologischen Belastung gilt für die Wirtschaft vor allem der Ölpreis als Knackpunkt in einem möglichen Irak-Krieg. "Was der Ölpreis anrichten kann, haben wir ja schon in den vergangenen Jahren gesehen: Gewinne werden gestaucht, die real verfügbaren Einkommen sinken und der Konsum geht zurück", beschreibt es Scheuerle. Kenner gehen davon aus, dass bei Beginn eines Krieges der Preis für ein Barrel Rohöl von derzeit knapp 30 Dollar auf über 40 Dollar steigen könnte.
"Betroffen sind natürlich alle Branchen, die stark vom Öl abhängen wie die Luftfahrt und die Chemie", sagt Grebe von Julius Bär. "Aber auch die Autobranche gehört dazu, da man bei steigenden Benzinpreisen mit dem Kauf von Neuwagen vorsichtiger wird." Die Investitionsgüterindustrie sei ebenfalls betroffen, da Bestellungen verschoben oder gar gestrichen werden könnten.
Diether Klingelnberg, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), zeigt sich noch gelassen: "Ich glaube nicht, dass die Aufträge sofort wegbrechen werden und dass es unmittelbare Auswirkungen gibt. Es wird dämpfen, aber es wir die Investitionsgüterindustrie nicht in Mark und Bein treffen." Manfred Ritz vom Verband der Chemischen Industrie (VCI), verwies auf "psychologische Momente", die das Geschäft beeinträchtigen könnten. Die Chemie-Exporte vor allem in die USA und in den Nahen Osten wären stark betroffen. Der Pkw-Absatz in Deutschland könnte nach Expertenschätzung infolge eines Irak-Krieges unter die Marke von drei Millionen fallen, statt wie bisher angenommen auf mehr als 3,3 Millionen zu steigen.
Auch als Exportnation dürfte Deutschland im Falle eines Irak-Krieges ökonomisch hart getroffen werden. "Wenn sich der Konflikt auf die Anrainerstaaten ausweitet, sehen wir einen massiven Nachfrageeinbruch", prophezeit Außenhandels-Präsident Anton Börner. Bisher ging der der Bundesverband des Groß- und Außenhandels (BGA) für 2003 von einem vierprozentigen Exportwachstum aus. Abgesehen davon, dass diese Prognose aus konjunkturellen Gründen möglicherweise nach unten revidiert werden müsse, könne sie im Falle eines Krieges nicht mehr aufrechterhalten werden.
Vor allem ein sprunghafter Anstieg des Ölpreises sowie die nachhaltige Verunsicherung von Konsumenten und Investoren würden Industrie und Handel massiv belasten, so die von Reuters befragten Analysten, Volkswirte und Branchenverbände. Besonders betroffen wären energieintensive und Öl-abhängige Branchen wie die Chemie, die an Exporten und Investitionsgütern orientierten Industrien wie der Maschinen- oder Autobau sowie die Luftfahrt. Die Aktienkurse der Firmen dieser Branchen würden sicherlich auch stärksten unter Druck geraten, hieß es.
US-Außenminister Colin Powell hatte am Donnerstag den jüngsten irakischen Waffenbericht als "schwerwiegenden Verstoß" gegen die geforderte Offenlegung der Militärarsenale des Landes bezeichnet und betont, dass es keine friedliche Lösung geben werde, solange die Führung in Bagdad Lügen auftische.
"PSYCHOLOGISCHER" EFFEKT BELASTET JETZT BEREITS
Die Szenarien der Wirtschaftsexperten für die ökonomischen Konsequenzen eines Irak-Krieges reichen je nach Dauer und Umfang des Konflikts von einer kurzzeitige Irritation mit raschem Erholungseffekt bis hin zu einem Absturz in eine tiefe Rezession inklusive Beschäftigungsabbau, Firmen- und Börsenzusammenbrüchen. In einem Punkt sind sich Analysten und Branchenkenner einig: Die psychologische Belastung wird in jedem Fall das Vertrauen schwächen und Verunsicherung bringen.
"Wird es nur ein kurzer Krieg, dann kommt es wahrscheinlich sehr schnell zu einem Aufholeffekt", erläutert Gerhard Grebe, Chefstratege Deutschland beim Bankhaus Julius Bär. Im Anschluss an eine nur wenige Wochen dauernde Auseinandersetzung werde das Wachstum wieder stärker ausfallen und sich in der Wirtschaft wieder Zuversicht breit machen."Wenn der Konflikt aber länger andauert, fallen wir zurück in eine Rezession", so Grebe.
Die Experten erwarten, dass im Falle eines Kriegs Verbraucher ihre Ausgaben zurückstecken und Firmen Investitionen verschieben könnten. "Im Moment halten sich die Verbraucher schon zurück wegen der schwachen Konjunktur, den strukturellen Problemen und wegen des drohenden Konfliktes", sagt Johannes Reich, Chefanalyst beim Bankhaus Metzler. Auch nach Einschätzung von Volkswirt Andreas Scheuerle von der Deka Bank könnte Deutschland im Zuge eines Irak-Krieges wieder kurz in die Rezession fallen. "Das Wachstum bewegt sich in den Wintermonaten ehe nah der Null-Linie, da ist die Rezession schnell erreicht. Im schlimmsten Fall schrumpft die Wirtschaft viel länger."
ÖLPREIS ALS ÜBERTRAGUNGSMECHANISMUS - EXPORTE LEIDEN
Neben der psychologischen Belastung gilt für die Wirtschaft vor allem der Ölpreis als Knackpunkt in einem möglichen Irak-Krieg. "Was der Ölpreis anrichten kann, haben wir ja schon in den vergangenen Jahren gesehen: Gewinne werden gestaucht, die real verfügbaren Einkommen sinken und der Konsum geht zurück", beschreibt es Scheuerle. Kenner gehen davon aus, dass bei Beginn eines Krieges der Preis für ein Barrel Rohöl von derzeit knapp 30 Dollar auf über 40 Dollar steigen könnte.
"Betroffen sind natürlich alle Branchen, die stark vom Öl abhängen wie die Luftfahrt und die Chemie", sagt Grebe von Julius Bär. "Aber auch die Autobranche gehört dazu, da man bei steigenden Benzinpreisen mit dem Kauf von Neuwagen vorsichtiger wird." Die Investitionsgüterindustrie sei ebenfalls betroffen, da Bestellungen verschoben oder gar gestrichen werden könnten.
Diether Klingelnberg, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), zeigt sich noch gelassen: "Ich glaube nicht, dass die Aufträge sofort wegbrechen werden und dass es unmittelbare Auswirkungen gibt. Es wird dämpfen, aber es wir die Investitionsgüterindustrie nicht in Mark und Bein treffen." Manfred Ritz vom Verband der Chemischen Industrie (VCI), verwies auf "psychologische Momente", die das Geschäft beeinträchtigen könnten. Die Chemie-Exporte vor allem in die USA und in den Nahen Osten wären stark betroffen. Der Pkw-Absatz in Deutschland könnte nach Expertenschätzung infolge eines Irak-Krieges unter die Marke von drei Millionen fallen, statt wie bisher angenommen auf mehr als 3,3 Millionen zu steigen.
Auch als Exportnation dürfte Deutschland im Falle eines Irak-Krieges ökonomisch hart getroffen werden. "Wenn sich der Konflikt auf die Anrainerstaaten ausweitet, sehen wir einen massiven Nachfrageeinbruch", prophezeit Außenhandels-Präsident Anton Börner. Bisher ging der der Bundesverband des Groß- und Außenhandels (BGA) für 2003 von einem vierprozentigen Exportwachstum aus. Abgesehen davon, dass diese Prognose aus konjunkturellen Gründen möglicherweise nach unten revidiert werden müsse, könne sie im Falle eines Krieges nicht mehr aufrechterhalten werden.