Du hast völlig Recht mit deiner Beschreibung für das übliche Muster der Kursbewegungen: Es geht fast immer "gaaaanz laaaaangsaaaam hoch und blitzschnell runter". Ich habe mich schon oft gefragt, warum das so ist und wie man das geschickt ausnutzen kann?
Und offensichtlich gibt es Aktien, die diesem Muster (manchmal) folgen und andere Aktien, bei denen diesem Muster eher nicht auftritt. Gibt es für diese Unterscheidung Kriterien? - Auf die letzte Frage habe ich noch überhaupt keine Antwort gefunden.
Meine "vorläufige" grundsätzliche Erklärung für das Kursbewegungsmuster ist die, dass es von den Marktirren verursacht wird. Warum und wodurch?
Die Marktirren handeln nicht rein rational, sondern lassen sich von Stimmungen leiten. Sie lassen sich vor allem vom Herdentrieb beeinflussen, im Wesentlichen "gesteuert" von Gier und Angst bzw. sogar Panik.
Nehmen wir an, eine nicht völlig unattraktive Aktie ist leicht gestiegen. (Das heißt ja nur, dass die Nachfrage ggü dem Angebot zugenommen hat.) Was können wir daraus schließen? Offensichtlich ist die "Mehrheit" der aktiven Marktteilnehmer heute bereit, etwas mehr zu zahlen als gestern. Woran kann das liegen? Offensichtlich glaubt "die Mehrheit", dass der Kurs in naher Zukunft noch weiter steigen wird (denn sonst würden sie ja heute nicht teurer kaufen, als sie es gestern gekonnt hätten.) Man kann es auch anders ausdrücken: Auch in Zukunft wird (vermutlich) die Nachfrage nach der Aktie größer sein, als ihr Angebot. Folglich steigt der Kurs. Das geht aber nur langsam, weil die meisten natürlich nicht bereit sind, heute "deutlich" mehr als den "gestrigen" Preis für die Aktie zu bieten. Wozu auch, wenn ich sie doch auch zu einem "leicht" erhöhten Preis bekommen kann?
Der Börsenspruch dazu lautet: "Die Hausse trägt sich selbst."
Auf der "anderen" Seite, d. h. wenn es runter geht, dann sieht es etwas anders aus. Alle "wissen", dass der "innere Wert" der Aktie (ich meine den Erlös, den man erhalten würde, wenn die AG aufgelöst würde), sprich: mein tatsächlicher Anteil am Unternehmenswert, i. d. R. deutlich unter dem Kurswert liegt. "Bestes" derzeitiges Beispiel aus dem Dax ist derzeit Rheinmetall: Haben Waffen überhaupt einen "Wert", wenn sie doch prinzipiell nur dazu dienen, etwas zu zerstören? Trotzdem meint "der Markt", dass dieses Unternehmen derzeit 87 Mrd. EUR "Wert" sein soll.
Die Tatsache, dass der Preis aber größer ist als der "Wert" (d. h. das fast jede Aktie "eigentlich" zu teuer ist), liegt vermutlich am Zinsniveau: Wenn ich bei "Bargeld-Anlage" (z. B. Kauf IHS) 3% Ertrag erhalte wäre es "unverhältnismäßig", dass ich bei Aktien 30% Ertrag erhalte (errechnet aus Dividendenhöhe geteilt durch (Nenn-)"Wert" der Aktie - folglich ist der Marktkurs der Aktie deutlich höher als ihr "Nennwert". Im Bewusstsein dieser Tatsache ist eigentlich jedem klar, dass er zwar z. B. heute 91 EUR für eine VW-Aktie bezahlt hat, aber von niemandem diese 91 EUR "zurückfordern" kann.
Und genau dies führt vermutlich zu den von dir angeführten schnellen und massiven Kursbewegungen nach unten: Wenn die Aktie heute an Kurswert verloren hat, dann ist da einerseits die "Angst", dass sie morgen noch mehr verliert. Also verkaufe ich. Das wiederum führt zu weiterem Kursverlust und dmait zu einem sich selbst verstärkenden Prozess. Dieser Prozess des schnellen Kursverlustes endet erst, wenn genügend potentielle Käuferdenken: "Ja seid ihr denn alle bescheuert, bei so einem 'Sonderangebots-Schnäppchen-Preis' MUSS man doch kaufen!" und dadurch der Kursreückgang abrupt endet. Zu diesem ganzen Proess passt der Spruch "Greife nicht in das fallende Messer!"
Die Hobby-Psycoholgen unter uns werden das bestimmt noch besser erklären können als ich.