DIHK: Verhältnis auf "stabile Füße stellen" / BDI: "Amoklauf durch den Porzellanladen"
ami./du. BERLIN/FRANKFURT, 23. September. In der deutschen Wirtschaft wachsen die Bedenken, daß die politischen Spannungen zwischen der rot-grünen Koalition und der amerikanischen Regierung auch die Wirtschaftsbeziehungen belasten. Spitzenvertreter der Industrie- und Handelsverbände forderten die Bundesregierung am Montag auf, das im Wahlkampf beschädigte Verhältnis zur Regierung in Washington schnellst möglich wieder in Ordnung zu bringen. "Wir müssen das Verhältnis zu Amerika wieder auf stabile Füße stellen", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, am Montag in Berlin. Industrie-Präsident Michael Rogowski warf Kanzler Gerhard Schröder und Justizministerin Herta Däubler-Gmelin vor, mit ihren Äußerungen zum Irakkrieg und dem angeblichen Vergleich von Bush mit Hitler einen "Amoklauf durch den Porzellanladen" veranstaltet zu haben. "Da werden wir noch drunter leiden", prognostizierte Rogowski. Der Handel mit Amerika ist bereits im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich hinter den Vorjahreswerten zurückgeblieben.
Auch der Beauftragte der Bundesregierung für Auslandsinvestitionen, Hilmar Kopper, stellt bereits Schaden in den Beziehungen fest. "Das Vermarkten des Standortes Deutschland ist schwerer geworden", sagte er dieser Zeitung. Dazu trage auch der Machtzuwachs der Grünen nach der Bundestagswahl bei. Gerade in Amerika seien mögliche Investoren sehr verunsichert. Allerdings warnt der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank, der von der Regierung Kohl 1998 in die Position des Auslandsbeauftragten berufen wurde und der noch bis Mitte nächsten Jahres amtiert, vor "Panikmache". "Nach Tisch liest sich vieles anders", meint er mit Blick auf den zurückliegenden Wahltag. Man dürfe die gegenwärtige Frontstellung nicht zu sehr dramatisieren. Im übrigen haben nach seinen Worten Investoren auch von einer Regierung aus CDU/CSU und FDP keine großen Reformschritte erwartet. Dazu seien die Programme zu ähnlich gewesen.
Der DIHK-Präsident räumte zwar ein, daß es bisher keine konkreten Hinweise auf ein sich verschlechterndes Klima in den Wirtschaftsbeziehungen gebe. Allerdings werde dies auch nicht abrupt geschehen. In der deutschen Außenpolitik sei eine "Rückkehr zur Berechenbarkeit" notwendig, sagte Braun. Er hatte nach einem Gespräch mit dem amerikanischen Botschafter Daniel Coats bereits in der vergangenen Woche darauf hingewiesen, daß Amerika der wichtigste überseeische Handelspartner Deutschlands sei (F.A.Z. vom 18. September.) Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Groß- und Außenhandels, Gerhard Handke, forderte Außenminister Joschka Fischer auf, "möglichst schnell mit viel Kitt nach Washington zu fliegen".
Auch die Industrie zeigt sich irritiert über die deutsch- amerikanische Kontroverse. "Die derzeitigen politischen Auseinandersetzungen sind sicherlich nicht förderlich für die wirtschaftliche Entwicklung", sagte der Vorstandsvorsitzende der Schering AG, Hubertus Erlen, dieser Zeitung. Er erwarte von der neuen Bundesregierung, daß sie die "Verstimmung zügig bereinigt". Der Pharmahersteller macht einen wichtigen Teil seiner Geschäfte in Amerika und ist an der New Yorker Börse gelistet.
ami./du. BERLIN/FRANKFURT, 23. September. In der deutschen Wirtschaft wachsen die Bedenken, daß die politischen Spannungen zwischen der rot-grünen Koalition und der amerikanischen Regierung auch die Wirtschaftsbeziehungen belasten. Spitzenvertreter der Industrie- und Handelsverbände forderten die Bundesregierung am Montag auf, das im Wahlkampf beschädigte Verhältnis zur Regierung in Washington schnellst möglich wieder in Ordnung zu bringen. "Wir müssen das Verhältnis zu Amerika wieder auf stabile Füße stellen", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, am Montag in Berlin. Industrie-Präsident Michael Rogowski warf Kanzler Gerhard Schröder und Justizministerin Herta Däubler-Gmelin vor, mit ihren Äußerungen zum Irakkrieg und dem angeblichen Vergleich von Bush mit Hitler einen "Amoklauf durch den Porzellanladen" veranstaltet zu haben. "Da werden wir noch drunter leiden", prognostizierte Rogowski. Der Handel mit Amerika ist bereits im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich hinter den Vorjahreswerten zurückgeblieben.
Auch der Beauftragte der Bundesregierung für Auslandsinvestitionen, Hilmar Kopper, stellt bereits Schaden in den Beziehungen fest. "Das Vermarkten des Standortes Deutschland ist schwerer geworden", sagte er dieser Zeitung. Dazu trage auch der Machtzuwachs der Grünen nach der Bundestagswahl bei. Gerade in Amerika seien mögliche Investoren sehr verunsichert. Allerdings warnt der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank, der von der Regierung Kohl 1998 in die Position des Auslandsbeauftragten berufen wurde und der noch bis Mitte nächsten Jahres amtiert, vor "Panikmache". "Nach Tisch liest sich vieles anders", meint er mit Blick auf den zurückliegenden Wahltag. Man dürfe die gegenwärtige Frontstellung nicht zu sehr dramatisieren. Im übrigen haben nach seinen Worten Investoren auch von einer Regierung aus CDU/CSU und FDP keine großen Reformschritte erwartet. Dazu seien die Programme zu ähnlich gewesen.
Der DIHK-Präsident räumte zwar ein, daß es bisher keine konkreten Hinweise auf ein sich verschlechterndes Klima in den Wirtschaftsbeziehungen gebe. Allerdings werde dies auch nicht abrupt geschehen. In der deutschen Außenpolitik sei eine "Rückkehr zur Berechenbarkeit" notwendig, sagte Braun. Er hatte nach einem Gespräch mit dem amerikanischen Botschafter Daniel Coats bereits in der vergangenen Woche darauf hingewiesen, daß Amerika der wichtigste überseeische Handelspartner Deutschlands sei (F.A.Z. vom 18. September.) Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Groß- und Außenhandels, Gerhard Handke, forderte Außenminister Joschka Fischer auf, "möglichst schnell mit viel Kitt nach Washington zu fliegen".
Auch die Industrie zeigt sich irritiert über die deutsch- amerikanische Kontroverse. "Die derzeitigen politischen Auseinandersetzungen sind sicherlich nicht förderlich für die wirtschaftliche Entwicklung", sagte der Vorstandsvorsitzende der Schering AG, Hubertus Erlen, dieser Zeitung. Er erwarte von der neuen Bundesregierung, daß sie die "Verstimmung zügig bereinigt". Der Pharmahersteller macht einen wichtigen Teil seiner Geschäfte in Amerika und ist an der New Yorker Börse gelistet.