Wieso muss man Zinseinkünfte versteuern?


Thema
abonnieren
Beiträge: 16
Zugriffe: 797 / Heute: 1
kalle4712:

Wieso muss man Zinseinkünfte versteuern?

 
30.09.02 14:06
Klar ist, dass Einkommen versteuert werden müssen, daher prinzipiell auch Zinseinkünfte.

Aber: Eine der Aufgaben des Staates ist doch die Sicherung des Vermögens der Bevölkerung. Also müssten doch Zinseinkünfte bis zur Höhe der Inflationsrate steuerfrei bleiben, oder?
Denn die Inflationsrate ist die Messlatte für das Versagen des Staates bei dieser Aufgabe. Da sich die Zinsen auch stark an der Inflationsrate orientieren, wären steuerfreie Zinseinkünfte (bis zur Höhe der Inflationsrate) nur ein Ausgleich für dieses Versagen. An seinem Versagen sollte der Staat nicht noch durch Steuern partizipieren.

Das fände ich jedenfalls fair. Falls die Vermögensteuer wirklich wieder eingeführt wird, wäre dieser Gedanke sicherlich eine gute Basis für eine Klage.
Antworten
wetty:

Eine real existierende Inflation muss sein,

 
30.09.02 14:12

da der Staat viele Schulden hat.

Mit jedem Prozent Inflation wird der Schuldenberg ein Prozent kleiner.

D.w.: Wuerde der Staat durch entsprechende Vorgaben und Sparpolitik die Inflation auf 0% Senken, dann wuerden sinnigerweise auch die Marktzinsen fallen.
Und zwar in ungefaehr dem Maase, in dem die Inflation fallen muesste um auf 0% zu kommen.
Summa sumarum haette der Vermoegende Buerger nichts davon.


Die Aufgabe des Staates besteht also nicht vornehmlich darin die Inflation zu senken, sondern diesselbe stabil zu halten.



mfg
Antworten
1st_baseman:

@kalle

 
30.09.02 14:14
weil in naher zukunft alles versteuert wird.

dank rot/grün
Antworten
Schnorrer:

Kennt jemand was, was nicht versteuert wird? o.T.

 
30.09.02 14:14
Antworten
mod:

Das wichtigste Argument haste vergessen

 
30.09.02 14:14
- Man schafft Einkommen und unterliegt der
  ESt (Lohnsteuer= Unterart der ESt).
- Aus dem Nettoeinkommen sparen einige, andere
  verjubeln alles.
- Diejenigen, die so dumm sind, z.B. fürs Alter oder
  für ihre Kinder zu sparen, werden dann noch einmal
  bestraft, wenn sie Zinseinkünfte haben.
Also: Versteuerung von bereits versteuertem Einkommen
= Doppelbesteuerung.
Alternative: Immobilienanlage.
Antworten
Thomastrada.:

Wo sind denn Zinsen bereits versteuert worden?

 
30.09.02 14:26
Die, die sparen haben (trotz Steuer) im Alter...die anderen eben nichts!

Gruß,
T.
Antworten
wetty:

Stoppmal, Stoppmal, Mod

 
30.09.02 14:27


Bessere Anlage Immobilie: Ja.

Aber wer Zinseinkuenfte versteuern muss wird dadurch nicht bestraft.
Das waere erst dann der Fall wenn die Inflation groesser waere als der Marktzins. Das gabs bei uns noch nie. Was ja letztendlich der Grund dafuer ist, das die DM, bzw. der Euro als eine "harte Waehrung" bekannt ist.

D.w. muss sich (in Deutschland, Europa) die Inflation am "internationalen Niveau" orientieren. Wenn sie deutlich darunter laege, dann wuerde der Euro als Waehrung im Wert steigen, und damit die exportwirschaft ihrer Maerkte beraubt.
Ergebniss waere weitere Flaute allenortes.




mfg
Antworten
Schnorrer:

@mod: Immobilienanlage hört sich gut an, aber

 
30.09.02 14:27
eine Frage an den Experten:

Ist das kriminell?

PS: ich möchte nämlich kein Risiko eingehen (und ich rede nicht unbedingt von heute, sondern von vorgestern oder übermorgen)

Danke für die Auskunft
Antworten
Tradingman:

Steuerfrei sind Kursgewinne bei Discount-Zerties

 
30.09.02 14:49
wenn ihr sie länger als 12 Monate haltet.

Relativ sichere Zerties sind folgende auf den DAX:

673443 : Basis 1800 , Kurs: 16,45, Rendite: 9,4%
673444 : Basis 2000 , Kurs: 17,97, Rendite: 11,3%
673445 : Basis 2200 , Kurs: 19,38, Rendite: 13,5%

Alle Zerties haben eine Laufzeit bis 19.12.03.

Die jeweilige Rendite ist mit Vorbehalt, nur wenn der DAX am Verfallstag die jeweilige Basis nicht unterschreitet.

Im Hinblick auf weiter fallende Kurse in der ersten Oktoberhälfte, sollte man dann eines dieser Zerties als längerfristige ("Zins"-) Anlage im Depot haben, vor allem wegen des z.Z. enormen Volatilitätsabschlages.

Tradinggrüsse
Antworten
kalle4712:

wetty: Du hast nicht verstanden, was ich meine.

 
01.10.02 17:09
Ob die Inflation volkswirtschaftlich sinnvoll ist oder der Staat von der Inflation profitiert ist nicht das Thema.

Thema ist (Beispiel): 5% Rendite, 50% Steuersatz, 3%Inflation.
Ergebnis: 2,5% Netto-Rendite bei 3% Inflation. Also wird das Vermögen real weniger.

Meine Meinung: Zu versteuern nur 2% (= 5% - 3% Inflation). Also 4% Rendite bei 3% Inflation. Das wäre angemessener und würde auch dem Grundgesetz entsprechen.
Antworten
kalle4712:

Zu Beispiel 1 (Nettoverlust): Unter diesem Aspekt

 
01.10.02 17:11
hat eine neue Vermögensteuer KEINE BERECHTIGUNG!
Antworten
Nobody II:

@Mod

 
01.10.02 17:17
Wieso Doppelbesteuerung ?

Ich habe 1000 € vom Lohn übrig ! 1. Besteuerung
Die lege ich zu 5% an : ich erhalte am Ende : 1050 € zurück. Die 50 € muß ich versteuern mit Kapitalertragssteuer und Soli. Wo ist die Doppelbesteuerung ? Die 1000 € 1. Versteuerung
50 € 1. Versteuerung !

Gruß
Nobody II
Antworten
wetty:

@kalle4712

 
01.10.02 17:23

Ich habe glaube ich schon verstanden was Du meinst. Glaube ich jedenfalls.
Du meinst Du wuerdest ungerechtfertigterweise zuviel Steuern bezahlen, und begruendest das mit obiger Rechnung.

Was Du jedoch ausser acht laesst: Wenn Du Dein Geld nicht anlegst, also 0% Zinsen bekommst, dann hast Du exakt die Inflation minus gemacht, also 3% Minus, nach obigen Zahlen.

Wenn Du es anlegst, dann hast Du "nur" 0,5% Minus.

D.h. Deine Argumentation waere korrekt wenn die Inflation gleich 0 waere. Dann jedoch auch ueberfluessig.

Der Umstand das du den "realen Verlust" beklagst, heisst in Zahlen Du beklagst das der Wert (Zinsen*(Steuersatz/100))-Inflation negativ ist.

Du schreibst jedoch nicht warum Du gerade obige Formel, bzw. den "realen Verlust" als die nicht akzeptable Schmerzgrenze beurteilst.

Korrekt ?




mfg



Antworten
wetty:

@Nobody II

 
01.10.02 17:35

Du "vergisst" die Inflation.

Die Inflation kannst Du als eine "art Vermoegenssteuer" betrachten, denn Dein (Geld-)Besitz wird um die Inflationsrate weniger, mit der Zeit.

In schlechten Zeiten ist die Inflation verglichen mit dem fuer Geldanlagen zu erwartenden Zins hoch, z.B. derzeit machst Du immer Minus, siehe obige Rechnung von kalle4712.

Du kannst die Inflation nun als Gottgegeben akzeptieren, oder den Staat dafuer verantwortlich machen.
Im letzteren Falle hast Du eine Doppelbesteuerung, da Du ja nur versteuertes Geld sparen, bzw. nicht-ausgeben kannst.




mfg
Antworten
mod:

Nobody II , korrekt wäre:

 
01.10.02 17:51
Besteuerung von Erträgen aus bereits
versteuertem Einkommen.
Wenn ich die Ersparnis alternativ in eine
selbstgenutzte Immobilie stecke, unterliegt der
Mietwert (=Ertrag aus der Ersparnis wie Zinsen)
nicht der Besteuerung.
Deshalb: Quasi Doppelbesteuerung im Verhältnis
zu dieser Anlage.
Steuersystematisch ein Unding.

Viele Grüsse
m.  
Antworten
kalle4712:

@mod @wetty

 
01.10.02 19:02
wetty: Zu Deinem Posting 13. Du hast mich tatsächlich nicht ganz richtig verstanden, denn ich hatte geschrieben, warum ich den Verlust als nicht akzeptabel betrachte.

Nochmal: Der Staat hat den Schutz der Vermögen der Bevölkerung als Aufgabe, d.h. er muss die Vermögen auch vor Inflation schützen. Die Inflationsrate gibt also praktisch an, wie weit der Staat diese Aufgabe nicht erfüllt. Dies ist für sich betrachtet nicht weiter schlimm - aber: Der Staat verdient durch die Besteuerung der gesamten Zinseinkünfte noch an seinem Versagen in dieser Aufgabe, weil die allgemeinen Zinsen sich auch sehr stark an der Inflationsrate orientieren, während der Anleger durch das Versagen des Staates sogar Verluste erleidet (höhere Inflation=höhere Zinsen=mehr Steuereinnahmen des Staates bzw. Verluste des Anlegers).

Schau Dir nochmal die Beispiele in Posting 10 an: Wenn also der Staat seine Aufgabe erfüllen würde (0% Inflation), lägen die Zinseinkünfte z.B. nur bei 2%, was aber bei 50% Steuern noch einen realen Zuwachs des Vermögens von 1% bedeuten würde.

Also dürfte der Staat eigentlich nur die realen Zuwächse versteuern. Dann hätte - vielleicht sogar - eine moderate Vermögensteuer eine gewisse Berechtigung, denn der Staat würde wirklich die Vermögen schützen, was er aber in Wirklichkeit natürlich nicht tut.

mod: Ich denke, der Begriff Doppelbesteuerung ist an dieser Stelle nicht angemessen, weil nicht bereits versteuertes Einkommen nochmal direkt besteuert wird. Bei Der Zinsbesteuerung werden ja nur die Zuwächse besteuert, nicht das zugrundeliegende Sparkapital.

Dein Beispiel mit der Immobilie ist allerdings sehr interessant. NUR BITTE: Mach darauf nicht unsere Finanzpolitiker aufmerksam. Denn die Besteuerung der Zinseinkünfte werden sie sicher nicht ändern - sie könnten aber auf die Idee kommen, Besitzern von selbstgenutzten Immobilien neue Belastungen zuzumuten (z.B. eine "Mietersatzsteuer" oder eine "Grundbesitz-das-ist-gemein-gegenüber-allen-Normalmietern-ich-wer­d-blass-vor-Neid-Steuer").

Interessant - werde ich mal separat und etwas provokativer posten.

Gruß
Kalle
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--