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Warum Kerry-Aktien das größte Potenzial haben
Von Volkmar Michler
Eigentlich gibt es keinen Grund, Bush noch einmal zu wählen. Der Irak-Krieg ist ein Desaster, das Haushaltsdefizit macht ein historisches Hoch nach dem anderen, die Arbeitsmarktdaten sind enttäuschend. Warum also Bush wählen? Doch das ist leider die europäische Sicht.
Der Durchschnittsamerikaner sieht das anders, es gibt immer noch genug, die den Amtsinhaber einfach prima finden. Und deshalb steuern Bush und Kerry auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zu. Nach einer Umfrage von ABC News würden 50 % Bush wählen, 46 % Kerry. Anders das Ergebnis einer Umfrage von USA Today, CNN und Gallup. Demnach liegt Kerry mit 49 % vorn, Bush folgt einen Prozentpunkt dahinter. In einer Umfrage von Reuters konnte Kerry seinen Vorsprung gegenüber Bush mit 47 % zu 44 % sogar ausbauen. Nach ABC News haben sich 15 % der Wähler noch nicht entschieden. Es bleibt also spannend bis zum letzten Tag.Doch was bedeutet das für Sie als Anleger?
Längst hat die Wall Street damit begonnen, potenzielle Gewinner und Verlierer zu sortieren. In den vergangenen Wochen haben Analysten und große Brokerhäuser etliche Reports herausgebracht, um herauszufinden, was eine Bush- oder Kerry-Administration für die Investmentstrategie bedeutet – und welche Bereiche der Wirtschaft vor den größten Veränderungen stehen, wenn es zu einem Wechsel kommt.
"Professionelle Investoren werden dafür bezahlt, dass sie 6 Monate vorausblicken", stellt Greg Valliere, Chefstratege der Washingtoner Research-Abteilung von Charles Schwab, fest. Und: "Der Ausgang der Präsidentschaftswahlen ist definitiv etwas, das Investoren in ihre Erwägung ziehen sollten", meint Michael Panzner, Börsenhändler bei Rabo Securities und Autor des Buches "The New Laws of the Stock Market Jungle" ("Die neuen Gesetze des Aktien-Dschungels").
Auch wenn viele der Reports einen Wahlsieg von Kerry als Grund sehen, die Investmentstrategie zu überdenken, glauben einige Analysten, dass sich nach einem Präsidentenwechsel für Aktien nichts ändern wird. "Wenn es eine Vermutung gibt, dann die, dass der Status Quo so bleibt", meint Bob Sitko, Portfolio-Manager von USAA Investment Management. Sein Argument: Der Kongress wird vermutlich unter republikanischer Kontrolle bleiben. "Für die meisten Branchen macht es keinen Unterschied, wer gewinnt", meint auch Andy Laperriere, Leiter der Research-Firma International Strategy & Investment (ISI). "Aber für einige wenige macht es einen großen Unterschied." Die wichtigsten Branchen, die von einem Wahlausgang betroffen sein könnten, haben wir für Sie in einer Übersicht am Ende dieses Beitrags zusammengestellt.
Es reicht natürlich nicht, sich ein paar öffentliche Auftritte und die TV-Rededuelle anzuschauen, auch wenn dies ganz unterhaltsam ist. Wichtiger ist es, die Programme der beiden Kandidaten unter die Lupe zu nehmen. So nur können Sie herausfinden, was die Kandidaten wirklich vorhaben, was sich ändert und welche Branchen und Aktien davon profitieren werden.
Erfahren Sie, welche das sind in dem Spezialreport,
den Sie hier anfordern können.
Herausgekommen ist ein Portfolio von je 4 Kerry- und 3 Bush-Aktien. Die grobe Einteilungen in den Wall-Street-Studien decken sich fast alle: Öl-, Pharma-, Tabak- und Rüstungskonzerne gelten als Bush-Aktien, Generika- und Umwelttitel als Kerry-Profiteure. Es werden auch immer wieder dieselben Namen gehandelt: als Rüstungskonzerne Lockheed und Raytheon, mit Altria und Reynolds Tobacco 2 Tabakunternehmen, Exxon als Ölunternehmen und Pfizer als Pharma-Global-Player.
Für Kerry werden immer wieder 2 Namen herumgereicht: der Generika-Hersteller Mylan Laboratories sowie der Ketchup-Hersteller Heinz, da der Herausforderer Kerry mit der Witwe John Heinz verheiratet ist und noch etwa 4 % am Konzern hält (Börsenwert des Ketchup-Konzerns: 12,5 Mrd. US$). Mit solchen Werten werden Sie nicht mehr viel verdienen können, denn sie sind an der Börse mittlerweile so bekannt, dass der Informationsvorsprung gegen Null geht.
Hinzu kommen Bewertungen im mehrstelligen Milliardenbereich, wie zum Beispiel Exxon oder Pfizer, die eine Marktkapitalisierung von 324 Mrd. US$ bzw. 225 Mrd. US$ haben.
Bisher haben sich die Investoren mit Kerry nicht anfreunden können. Das hat nicht nur damit zu tun, dass Kerry Demokrat ist. Regelrecht unbeliebt hat sich aber der als Vize-Präsident vorgesehene Kandidat John Edwards gemacht, der als findiger Anwalt mit Sammelklagen gegen Unternehmen reich geworden ist.
So wundert es nicht, dass Bushs Wahlkampfkasse von über 150 Mio. US$ vor allem von großen US-Konzernen gesponsort wurde, die im marktbreiten S&P500-Index gelistet sind. Und es wundert auch nicht, dass nach einer Umfrage von Merrill Lynch unter institutionellen Investoren die Mehrheit nach einem Sieg von Kerry negative Auswirkungen auf die US-Finanzmärkte erwartet. Das Problem ist, dass man von Kerry zu wenig weiß und deshalb verunsichert ist. Vor allem die Pharmaindustrie ist verunsichert, da Kerry angekündigt hat, gegen hohe Medikamentenpreise vorzugehen. Diese Unsicherheit kann sich aber auch sehr bald wieder legen, wenn sich die institutionellen Investoren stärker mit der Regierungssituation unter Kerry auseinandersetzen.
Diese Unsicherheit bietet Ihnen aber jetzt eine besondere Chance, vor allem dann, wenn Kerry Ihr Favorit ist und Sie sich entsprechend positionieren. Wenn die meisten Fondsmanager und Analysten darauf setzen, dass Bush gewinnt, werden die Kerry-Aktien umso stärker anziehen, wenn doch Kerry gewinnt. Das gilt vor allem für die Small Caps aus unserem Kerry-Depot.Der breite Markt wird aber dann mit Enttäuschung reagieren und Ihnen dafür in den Bush-Titeln tiefe Einstiegskursebescheren. So ist nun einmal die manchmal verquer anmutende Logik an der Börse. Denn klar ist auch: Auch wenn Kerry gewinnt, werden die Bush-Aktien nicht vom Kurszettel verschwinden, wie es jetzt T-Online vormacht. Wenn erst einmal die Unsicherheit über den Wahlausgang am 2. November nicht mehr auf den Börsen lastet, ist der Weg frei für eine Jahresendrally. Dann können die US-Börsen sich aus der jetzigen Zange der engen Handelsspanne befreien
Und vielleicht sollten wir an dieser Stelle gleich noch mit einem weiteren Vorurteil aufräumen: Auch wenn wir unsere Bush- und Kerry-Depots als kurzfristige 3- bis 6-Monats-Spekulation verstehen, haben die Börsen unter Demokraten überhaupt nicht schlecht abgeschnitten. Im Gegenteil. Nach Angaben der Kreditbewertungsagentur Standard & Poor's ist der S&P 500-Index seit 1945 unter demokratischen Präsidenten durchschnittlich um 10,7 % gestiegen. Unter republikanischen Präsidenten waren es nur 7,6 % (siehe Tabelle S. 2).Unter Bill Clinton hat sich der Aktienmarkt wesentlich besser entwickelt als unter Bush II. Jack Robinson, Co-Manager des Winslow Green Growth Fund: "Ich spüre bei den Demokraten eine größere Offenheit gegenüber neuen Ideen und Technologie." Wenn sich die Werte der letzten Umfragen bestätigen, dann hat Bush ein ganz anderes Problem: "Wenn wir keinen Erfolg haben laufen wir Gefahren, zu versagen."
nun hats doch funktioniert, ohne Editor