Witze beanspruchen das Gehirn mehr als trockene Sachaussagen – das berichtet das Münchner Fachblatt „Ärztliche Praxis“ in seiner neuen Ausgabe. Anlass war eine Publikation des ärztlichen Direktors der Abteilung Psychiatrie am Ulmer Uni-Klinikum, Prof. Manfred Spitzer.
SZ: Haben Sie einen Witz für uns?
Spitzer: Ich erzähle mal den, der im Scanner untersucht wurde. Was benutzen Ingenieure zur Verhütung?
SZ: Also?
Spitzer: Ihre Persönlichkeit.
SZ: Mittelkomisch, aber kapiert. Was ist dabei im Gehirn abgelaufen?
Spitzer: Eine Verbindung von Inhalten. Das Zentrum zum Verstehen von Sprache liegt in der linken Hirnhälfte. Auf der rechten Seite wiederum gibt es ein Zentrum, in dem weit verzweigte assoziative Gedanken gespeichert werden. Wenn wir einen Witz verstehen wollen, müssen wir meist auf fern liegende, verquere Assoziationen zurückgreifen. Deshalb würden sogenannte „Split-Brain-Patienten“ diesen Witz nicht verstehen, weil bei ihnen die Verbindungsfasern zwischen den beiden Hälften durchtrennt sind, die weiten Assoziationen also nicht zur Verfügung stehen.
SZ: Wie lässt sich das nachweisen?
Spitzer: Wenn Nervenzellen in einem Bereich des Gehirns aktiv sind, ändert sich der Sauerstoffgehalt des Blutes; dies verändert die magnetischen Eigenschaften, und das kann man abbilden. Man schiebt die Versuchsperson in einen Magnetresonanz-Tomographen. Über Kopfhörer bekommt sie ähnlich klingende Sätze vorgespielt, mal mit, mal ohne Witz. Das Pendant zum Ingenieurswitz wäre zum Beispiel: „Was benutzen Ingenieure zur Verhütung? Ein Kondom.“ Die Hirnreaktionen auf beide Sätze werden gemessen und miteinander verglichen. So erkennt man, dass beim Witz in der rechten Hirnhälfte mehr los war.
SZ: Und für eine Pointe muss das Hirn mehr malochen als bei Sachaussagen?
Spitzer: Es dauert länger, weil die andere Hirnhälfte immer noch gefragt werden muss: Um welche Assoziation geht es? Von Empfängnisverhütung beispielsweise kommt man schneller auf Kondom als auf Persönlichkeit. Das macht ein paar hundert Millisekunden aus.
SZ: Kann man auch messen, ob ein Witz gut war?
Spitzer: Die Witzigkeit des Witzes steckt anderswo – im Frontalhirn, hinter der Stirn, eher seitlich. Von diesen Bereichen weiß man, dass sie etwas mit Emotionsverarbeitung zu tun haben, auch mit Bewertung und positiven Erfahrungen. Wenn hier Aktivität herrscht, war der Witz offensichtlich gut.
SZ: Da können Sie jetzt ja empirisch nachweisen, dass Harald Schmidt lustiger ist als Dieter Hallervorden.
Spitzer: Im Prinzip ja. Man könnte der Versuchsperson in der Röhre erst Schmidt, dann Hallervorden vorspielen und die unterschiedlichen Hirnreaktionen abbilden. Der Humor bleibt übrigens Humor, auch wenn er im Scanner untersucht wird.
Quelle:SZ
SZ: Haben Sie einen Witz für uns?
Spitzer: Ich erzähle mal den, der im Scanner untersucht wurde. Was benutzen Ingenieure zur Verhütung?
SZ: Also?
Spitzer: Ihre Persönlichkeit.
SZ: Mittelkomisch, aber kapiert. Was ist dabei im Gehirn abgelaufen?
Spitzer: Eine Verbindung von Inhalten. Das Zentrum zum Verstehen von Sprache liegt in der linken Hirnhälfte. Auf der rechten Seite wiederum gibt es ein Zentrum, in dem weit verzweigte assoziative Gedanken gespeichert werden. Wenn wir einen Witz verstehen wollen, müssen wir meist auf fern liegende, verquere Assoziationen zurückgreifen. Deshalb würden sogenannte „Split-Brain-Patienten“ diesen Witz nicht verstehen, weil bei ihnen die Verbindungsfasern zwischen den beiden Hälften durchtrennt sind, die weiten Assoziationen also nicht zur Verfügung stehen.
SZ: Wie lässt sich das nachweisen?
Spitzer: Wenn Nervenzellen in einem Bereich des Gehirns aktiv sind, ändert sich der Sauerstoffgehalt des Blutes; dies verändert die magnetischen Eigenschaften, und das kann man abbilden. Man schiebt die Versuchsperson in einen Magnetresonanz-Tomographen. Über Kopfhörer bekommt sie ähnlich klingende Sätze vorgespielt, mal mit, mal ohne Witz. Das Pendant zum Ingenieurswitz wäre zum Beispiel: „Was benutzen Ingenieure zur Verhütung? Ein Kondom.“ Die Hirnreaktionen auf beide Sätze werden gemessen und miteinander verglichen. So erkennt man, dass beim Witz in der rechten Hirnhälfte mehr los war.
SZ: Und für eine Pointe muss das Hirn mehr malochen als bei Sachaussagen?
Spitzer: Es dauert länger, weil die andere Hirnhälfte immer noch gefragt werden muss: Um welche Assoziation geht es? Von Empfängnisverhütung beispielsweise kommt man schneller auf Kondom als auf Persönlichkeit. Das macht ein paar hundert Millisekunden aus.
SZ: Kann man auch messen, ob ein Witz gut war?
Spitzer: Die Witzigkeit des Witzes steckt anderswo – im Frontalhirn, hinter der Stirn, eher seitlich. Von diesen Bereichen weiß man, dass sie etwas mit Emotionsverarbeitung zu tun haben, auch mit Bewertung und positiven Erfahrungen. Wenn hier Aktivität herrscht, war der Witz offensichtlich gut.
SZ: Da können Sie jetzt ja empirisch nachweisen, dass Harald Schmidt lustiger ist als Dieter Hallervorden.
Spitzer: Im Prinzip ja. Man könnte der Versuchsperson in der Röhre erst Schmidt, dann Hallervorden vorspielen und die unterschiedlichen Hirnreaktionen abbilden. Der Humor bleibt übrigens Humor, auch wenn er im Scanner untersucht wird.
Quelle:SZ