Gigantische Zwitter streben in die Lüfte
von Gerhard Hegmann
Amerikanische Ingenieure planen das größte Luftschiff aller Zeiten. "Walrus" soll mit dem Auftrieb eines Flugzeugs und mit dem Leichter-als-Luft-Prinzip eines Zeppelins fliegen.
<!--nop-->Größer, schneller, weiter. Das mögen amerikanische Generäle und Ingenieure gern. Besonders dann, wenn es um schweres Gerät geht. Wie bei dem nun geplanten Mischling aus einem Zeppelin und einem Flugzeug. Dieses Hybrid-Luftschiff soll bis zu 500 Tonnen Fracht über gut 22.000 Kilometer Entfernung in weniger als sieben Tage transportieren. Ermöglichen soll diese Höchstleistungen eine neue Technik. Sie kombiniert die Auftriebseigenschaften eines Flugzeugs mit dem Leichter-als-Luft-Prinzip eines Zeppelins.
Das Projekt "Walrus" der Pentagon-Entwicklungsbehörde Darpa ist das derzeit spektakulärste Luftschiffprojekt, das staatlich finanziert wird. Daneben planen die US-Militärs für 149 Mio. $ noch den Bau eines extrem hoch fliegenden unbemannten Luftschiffs. Es soll bis spätestens 2011 in 20 Kilometern Höhe als Überwachungsplattform für das Raketenabwehrsystem der USA operieren.
Die Beispiele zeigen, dass vor allem die USA das Leichter-als-Luft-Prinzip beim Flugzeugbau fördern. Seit Jahren gibt es immer wieder Visionen solcher Projekte, was häufig als Renaissance der Technologie gewertet wird. Doch viele kommerzielle Modelle wie der deutsche Cargolifter sind gescheitert oder fristen ein Nischendasein.
Zwei Teams im Wettstreit
Die Entwicklungskosten für ein Hybrid-Luftschiff dieser Leistung betragen nach einer Studie für den US-Kongress etwa 3 bis 4 Mrd. $. Dabei sei selbst dieser hohe Betrag unsicher, heißt es mit dem Verweis auf das deutsche Cargolifter-Projekt: Das 2002 bereits in der Entwicklungsphase gescheiterte deutsche Lastenluftschiff für 160 Tonnen Nutzlast kostete bis zur Pleite schon fast 400 Mio. $.
An dem Walrus-Projekt arbeiten derzeit zwei Industrieteams. Die Entwicklungsagentur Darpa wählte Ende August den größten US-Rüstungskonzern Lockheed Martin sowie das kalifornische Luftschiffunternehmen Aeros Aeronautical Systems aus einer breiten Bewerberschar aus. Wie Darpa-Sprecherin Jan Walker sagte, sollen sie "binnen zwölf Monaten im Wettbewerb das beste Konzept und Design entwerfen". Die US-Militärs wollen ein zuverlässiges und schnelles Transportmittel, um Hunderte Soldaten und schweres Gerät weltweit an jeden Ort zu befördern.
Der Sieger aus dem Konzeptwettstreit soll am Ende einen Prototyp bauen. "Noch steht nicht fest, welche Luftschifftechnologie eingesetzt wird", sagt Darpa-Sprecherin Walker. Möglich wäre beispielsweise ein Starrluftschiff mit einem Gerüst im Innenraum wie beim Zeppelin aus Friedrichshafen. Oder mit einem festen Kiel und aufgeblasener Hülle (Blimp) wie beim Cargolifter. "In etwa drei, vier Jahren könnte der Demonstrator fliegen", sagt Walker.
Zivile Einsatzmöglichkeiten
Zu den Anforderungen gehört, dass das Luftschiff ohne Gewichtsausgleich auf der Erde entladen werden kann. Dies wäre eine komplett andere Technologie als sie beim Cargolifter geplant war. Das deutsche Luftschiff sollte, von Seilen gefesselt, über dem Frachtabsetzpunkt schweben und als Ausgleich für das Frachtgewicht bis zu 160.000 Liter Wasser tanken. Walrus hingegen soll "als Hybrid-Luftschiff den Auftrieb aus einer Kombination aus Aerodynamik und Gasauftrieb gewinnen", erläutert Walrus-Programmchef Preston Carter.
Zu dem Forderungskatalog gehören auch Senkrechtstart- und -landefähigkeiten. Die US-Firma Millennium Airship plant daher spezielle schwenkbare Triebwerke. Millennium sieht auch zivile Einsatzmöglichkeiten für einen Himmelslaster (Sky-Freighter).
Auf große technische Herausforderungen beim Bau eines Hybrid-Luftschiffs verweist der deutsche Luftschiffexperte und Vorstand der Wiesbadener LTA-Technologie, Ingolf Schäfer. "Das Auftriebsverhalten zwischen einem Flugzeug und einem Luftschiff ist ganz unterschiedlich. Daher muss ein enormer Aufwand für die Auftriebsregulierung betrieben werden."
Noch stehen die genauen Ausmaße des Walrus-Luftschiffs nicht fest. 300 Meter lang, 90 Meter breit und bis zu 220 Stundenkilometer schnell, heißt es in der im September 2005 abgeschlossenen Studie für den US-Kongress. Zum Vergleich: Die USS "Akron", 1931 das größte Luftschiff der Welt und fliegender Flugzeugträger, war 239 Meter lang - bei 40 Metern Durchmesser. Der Cargolifter war mit 260 Metern Länge und 65 Metern Durchmesser geplant. Und der 1937 verunglückte Zeppelin "Hindenburg" maß 245 Meter.
Laster der Lüfte
Ausmaße US-Militärs planen einen Mischling aus Luftschiff und Flugzeug. Dieses Hybrid-Luftschiff soll über 500 Tonnen transportieren und ohne Landebahn überall absetzen können.
Kosten Die Gesamtkosten für die Entwicklung, den Bau und den 30-jährigen Betrieb von bis zu 16 Schwerlast-Luftschiffen betragen nach einer US-Studie 11,3 Mrd. $.

