Wie der Euro geboren wurde...


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Wie der Euro geboren wurde...

 
06.12.01 17:19
Der Countdown für das Euro-Bargeld läuft. Doch schon bevor die ersten Euro-Scheine über die Bankschalter wandern, kann die junge Währung auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Die Meilensteine auf dem Weg zum Euro sind weit verstreut: Rom, Den Haag, Madrid, Maastricht.  
 
Im Jahr 1951 schlossen sich die Benelux-Länder, Frankreich, Italien und die Bundesrepublik Deutschland zu einem Bund mit dem sperrigen Namen Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl zusammen. Der erste Schritt zur europäischen Integration war getan. Sechs Jahre später, am 25. März 1957, unterzeichnten dann Bundeskanzler Konrad Adenauer und seine Kollegen die "Römischen Verträge", die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), entstand. Schon damals hatten die Beteiligten vor allem ein Ziel im Auge: Den gemeinsamen Markt.

Aus der EWG wird die Europäische Gemeinschaft (EG), Handelshemmnisse verschwinden. Und auf dem Gipfel der Europäischen Gemeinschaft im Jahr 1969 in Den Haag steht erstmals eine Wirtschafts- und Währungsunion auf der Tagesordnung. Gerade mal ein Jahr ist vergangen, da legt der luxemburgische Ministerpräsident Pierre Werner schon den Entwurf für eine Einheitswährung vor. Mitten in der Zeit des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs wird die Idee des Euro geboren.

Luxemburgs Premier Werner skizziert Euro bereits 1970

Der Werner-Plan sieht in drei Stufen die Einführung einer Wirtschafts- und Währungsunion bis zum Jahr 1980 vor. Ein ehrgeiziges Ziel! Zu ehrgeizig, wie sich herausstellen sollte. Schon kurz, nachdem die Idee geboren wurde, muss sie wieder begraben werden - vorläufig zumindest. Flower Power und Mondlandung: Die Welt lebt ihren Freiheitsdrang aus, und mit einem Schlag sind auch die Wechselkurse wieder frei. Das System von Bretton Woods bricht auseinander

Dieses System war 1944 von 44 Staats- und Regierungschefs im amerikanischen Skiort Bretton Woods geschaffen worden. Mit ihrem Abkommen bescherten sie der Welt einen Wechselkursverbund und Bretton Woods einen Platz in den Geschichtsbüchern. Der Dollar wurde als Leitwährung auserkoren, der Gold-Devisen-Standard geboren. Doch schon in den 60er Jahre zeigten sich zunehmend Risse im Wechselkursverbund. Er hielt mehr schlecht als recht bis zum Jahr 1973, dann stürzte die Welt in ihre erste Ölkrise und das System von Bretton Woods zerbrach endgültig.

Kurz davor, im Jahr 1972 wird der Europäische Währungsverbund geschaffen. Die Wechselkurse der beteiligten Währungen werden in einer so genannten Währungsschlange mit einer geringen Schwankungsbreite fixiert, doch der Versuch scheiterte bald. Die Zeit war noch nicht reif für die europäische Gemeinschaftswährung.

Bis zum nächsten Anlauf gehen einige Jahre ins Land. Im Jahr 1979 kommt es dann zu einem wichtigen Fortschritt: Bundeskanzler Helmut Schmidt und der französische Präsident Giscard d’Estaing ergreifen die Initiative und führen acht der inzwischen neun Mitgliedsstaaten zum Europäischen Währungssystem. Nur Großbritannien schaut lieber zu. Die gemeinsame Rechnungs- und Währungseinheit "European Currency", kurz ECU, entsteht.

Inmitten der Wendezeit erlebt die Euro-Idee ihre Renaissance

In den achtziger Jahren wächst die Gemeinschaft, doch der Integrationsprozess tritt auf der Stelle. Erst in der zweiten Hälfte der Achtziger nimmt der europäische Zug wieder Geschwindigkeit auf: Mit der Gründung des "Ausschusses zur Prüfung der Wirtschafts- und Währungsunion" wird die nächste Etappe in Angriff genommen. Binnen Jahresfrist liefert der Vorsitzende der Europäischen Kommission Jacques Delors seinen Bericht ab. Auch der zweite Anlauf zur europäischen Wirtschafts- und Währungsunion fällt in eine Zeit des Umbruchs. Ende der achtziger Jahre endet die Teilung der Welt in zwei Blöcke, die Mauer öffnet sich, der Ostblock zerfällt. Und in Madrid beschließen die EG-Länder 1989 erneut eine Wirtschafts- und Währungsunion in drei Stufen.

Mit der Unterzeichnung des Maastricher Vertrags im Februar 1992 verpflichten sich die EG-Länder endgültig auf einen Euro-Fahrplan: Die Währungsunion soll bis spätestens zum ersten Januar 1999 verwirklicht sein – der Countdown läuft. Doch schon bald gerät das europäische Währungssystem in stürmische See. Der Spekulant Georg Soros zwingt die britische Notenbank im Herbst 1992 mit seinen Devisenspekulationen in die Knie. Das britische Pfund und die italienische Lira scheiden aus dem Währungssystem aus, der Integrationsprozess erleidet einen Rückschlag.

Doch dieses Mal lässt sich der Euro nicht mehr aufhalten. Das Europäische Währungsinstitut entsteht in Frankfurt als Vorgänger-Organisation der Europäischen Zentralbank. 1995 bekommt die gemeinsame europäische Währung dann ihren Namen. Der Taufschein lautet "Euro", der französische Vorschlag Ecu wird verworfen. Die Binnengrenzen fallen und weitere Mitglieder werden aufgenommen. Die Gemeinschaft demonstriert ihren politischen Integrationswillen mit einem neuen Namen: Aus der Europäischen Gemeinschaft wird die Europäische Union. Und 1998 legt der Europäische Rat die elf Teilnehmerstaaten für den Beginn der Währungsunion fest. Großbritannien und Dänemark beschränken sich aus freien Stücken auf die Zuschauerrolle.

Ab 1999 gibt es den Euro - zumindest auf dem Papier

Silvester 1998 feierten dann die Finanzminister den Start der neuen Währung und tausende Banker arbeiteten am Jahreswechsel. Die Euro-Umstellung fand zunächst nur auf den Konten statt. Das war vor allem eine Großaufgabe für die EDV-Abteilungen. Nahezu drei Jahre gibt es inzwischen den bargeldlosen Zahlungsverkehr und ein festes Umtauschverhältnis zwischen den mittlerweile zwölf Teilnehmerwährungen. Die Europäische Zentralbank wacht über die gemeinsame Währung. Dem Außenwert des Euro hat das wenig genützt, nahezu ein Viertel sein Wertes hat er seit 1999 eingebüßt.

Vielleicht gewinnt der Euro mit der Einführung von Münzen und Bargeld ja an Akzeptanz. Die logistische Großaufgabe ist längst in Angriff genommen, die Geldtransporter rollen schon über die Straßen. Banken und Einzelhandel werden seit September mit dem neuen Bargeld versorgt und ab 17. Dezember dürfen sich auch die Bürger bei ihrer Bank ihr so genanntes Starter Kit abholen. Ausgeben dürfen sie das neue Geld dann ab dem ersten Januar 2002 – in zwölf europäischen Ländern von Griechenland bis Finnland.

Gruß
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