Wer ersetzt die amerikanische Konsumnachfrage?


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EinsamerSam.:

Wer ersetzt die amerikanische Konsumnachfrage?

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06.02.06 12:42
Strategie

Wer ersetzt die amerikanische Konsumnachfrage?

Wer ersetzt die amerikanische Konsumnachfrage? 2372605

06. Februar 2006 Die Börsen in Europa, Japan und den Schwellenländern haben seit Monaten einen phantastischen Lauf. Selbst die Werte der Wall Street zeigen einen deutlichen Trend nach oben, wenn man hinter die großen Indizes blickt. Denn sie werden bisher von einigen schwachen Schwergewichten unten gehalten.

Ingesamt scheinen die Voraussetzungen für weitere Kursgewinne nicht schlecht zu sein: Die Trends zeigen nach oben, die Bewertung ist optisch vielfach noch sehr vernünftig und die Stimmung ist so optimistisch wie schon lange nicht mehr. Nichts scheint sie im Moment trüben zu können.

Bewertung kann auch über die „Gewinnschiene” nach oben gehen

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Vielleicht ist Stimmung inzwischen aber auch zu gut. Denn nicht selten befinden sich die Anlageprofis schon auf der Verkäuferseite, wenn ein nicht ganz unbekanntes Boulevardblatt fragt „Lohnt jetzt der Einstieg bei Dax, Dow Jones, Gold?” oder wenn eine Börsenpostille mit beeindruckender Logik argumentiert „steigende Kurse machen einfach mehr Spaß als das Warten auf die nächste Korrektur”. Manchmal kommt genau die aber, sobald sich die normalen Privatanleger von solchen Schlagzeilen noch in den Markt ziehen lassen.

Manche Strategen und Journalisten beziehen sich bei ihren Kaufempfehlungen auch auf die Bewertung. Sie lasse zum Beispiel bei den Daxwerten noch deutliche Kursgewinne zu, da ihre Aktien im Unterschied zu jener mit kleiner oder mittlerer Marktkapitalisierung noch unterbewertet seien. Allerdings sollte man auch hier genauer hinblicken. Denn solche Aussagen beruhen nicht selten auf der Annahme anhaltend kräftiger Gewinnsteigerungen.

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Analysten gehen beispielsweise davon aus, daß die Daxunternehmen im laufenden Jahr den Gewinn im Vergleich mit dem vergangenen um etwas mehr als zwölf Prozent steigern können. Ob das so kommt, ist allerdings eine andere Frage, zumal bei einzelnen Unternehmen wie etwa VW oder Daimler-Chrysler gewaltige Gewinnsprünge unterstellt werden, obwohl die Branche unter massivem Wettbewerbsdruck aus Asien steht.

Dabei dürfte alles davon abhängen, ob sich die Weltwirtschaft weiterhin so robust entwickeln wird wie in den vergangenen Monaten. Da haben extrem tiefe Zinsen und Steuersenkungen in Amerika zu einem wahren Konsumrausch geführt. Er sorgte in Asien für einen Produktionsboom und indirekt in vielen Regionen - unter anderem in Europa - zu einem Investitionsgüter- und in den Schwellenländern zu einem Rohstoffboom. Ein positiver Wirtschaftszyklus, so zu sagen.

Positiver Wirtschafszyklus kann sich ins negative drehen

Allerdings war dieser Zyklus einseitig und führte zu ebenso einseitigen Ungleichgewichten: Enorme Schulden, steigende Preise und ein riesiges Leistungsbilanzdefizit in Amerika und große Überschüsse in Asien. Da die amerikanische Zentralbank inzwischen den Leitzins deutlich angehoben hat, relativiert das die Bewertungen einerseits über den Bewertungsmechanismus und dürfte andererseits den Konsumrausch in Amerika mit einer gewissen Verzögerung von neun bis zwölf Monaten dämpfen. Und damit die Nachfrage nach Exportgütern in Asien. Dort wiederum kann sich das Wachstum nur halten, wenn die produzierten Güter entweder anderswo oder im Inland verkauft werden können.

Sollte das nicht gelingen, droht aus dem positiven Zyklus ein negativer zu werden. Schwächeres Wachstum in Asien würde die Nachfrage nach Investitionsgütern und auch nach Rohstoffen zumindest bremsen und auf diese Weise überzogene Preis- und Gewinnerwartungen in weiten Teilen der Welt enttäuschen. Immerhin sind die Ertragsmargen vieler Unternehmen auf Allzeithoch und können praktisch nur geringer werden. Sie kehren langfristig immer zu einem Mittelwert zurück. In diesem Sinne kann die scheinbar günstige Bewertung auch abgebaut werden, indem die Gewinnerwartungen zurückgenommen werden müssen, statt daß die Kurse weiter steigen.

Die anhaltend tiefen Renditen an den Rentenmärkten deuten eine gewisse Konjunkturskepsis an. Fragt sich nur, wann die Börsen sich dieser anschließen. In der Vergangenheit taten sie das lange bevor sich die konjunkturelle Schwäche in den Daten zeigte. In diesem Sinne kann eine kritische Betrachtung der Entwicklung und eine Neigung zu einer gewissen Defensivität sicherlich auch bei Aktienanlegern nicht schaden.

Quelle: FAZ.net

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