Wenn Spekulanten Kurse purzeln lassen


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Wenn Spekulanten Kurse purzeln lassen

 
05.04.03 19:06
Frankfurt - Den vergangenen Freitag dürfte der Münchener-Rück-Chef Hans-Jürgen Schinzler noch lange in Erinnerung behalten. Binnen Stunden verlor die Aktie seines Konzerns mehr als zwölf Prozent. Erklärungen dafür gab es zwar genug: Der Versicherer hatte schlechte Geschäftszahlen vorgelegt, die Ratingagentur Standard & Poor's setzte die Bewertung der Rück gleich um zwei Stufen herunter. Doch viele Börsianer wurden vom Kurssturz kalt erwischt. Und sofort hieß es an den Märkten wieder, Spekulanten hätten die Aktie erst so richtig „nach unten geprügelt“.

Hedge Fonds in der Kritik

Diese risikofreudigen Investoren sind häufig Verwalter so genannter Hedge Fonds, die große Summen einsetzen und deutlich weniger Restriktionen unterliegen als andere Portfoliomanager. Um auf sinkende Aktienkurse setzen zu können, brauchen sie allerdings nicht nur Startkapital, sondern auch jemanden, der ihnen Aktien leiht. Denn der Trick dieser Finanzprofis ist, dass sie die geliehenen Aktien erst am Markt verkaufen und später, wenn der Kurs gesunken ist, billig wieder zurückkaufen und an den ursprünglichen Besitzer weitergeben. In der Regel stammen diese Aktien von Banken und Fondsgesellschaften. In der Finanzbranche redet kaum jemand offen über die Summen, um die es dabei geht. Offenbar fürchtet so manches Institut, in ein schlechtes Licht zu geraten. Denn durch die Leihe kann eine Bank indirekt dazu beitragen, eine Aktie abstürzen zu lassen. Just dieses Papier könnte sich aber auch im Depot vieler Kunden der Bank befinden. Außerdem gebe es an den Märkten immer wieder Gerüchte, wonach Institute Aktien auch ohne Zustimmung der Besitzer verleihen, sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Weil Finanzminister Hans Eichel den Hedge Fonds den Zugang zum deutschen Markt auch noch erleichtern will, fordert die DSW nun eine Ausweitung der Transparenz. „Wir brauchen einen Verhaltenskodex zur Wertpapierleihe“, sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. In den USA wird an einem solchen Katalog bereits gebastelt. Zumindest an der Computerbörse Nasdaq können Anleger schon bei jeder Aktie sehen, welcher Anteil des Aktienbestandes gerade verliehen ist.

Eine solche Anzeige wäre auch auf dem deutschen Markt sinnvoll, sagt Thomas Wania von der Commerzbank. Weitergehende Forderungen, die Aktienleihe ganz zu verbieten, hält er aber für falsch. Denn zum einen sei das Verleihen von Aktien ein wichtiges Mittel, um zu verhindern, dass einzelne Titel nicht mehr in ausreichender Zahl gehandelt werden. Und zum anderen würde ein Verbot der Leihe nur bewirken, „dass das Geschäft eben aus London heraus gemacht wird“. Sinnvoller wäre es seiner Ansicht nach, Leerverkäufe nur zu genehmigen, wenn die Papiere zuvor auch wirklich ausgeliehen wurden.

Die DSW fordert ebenfalls Einschränkungen. Sie bemängelt etwa, dass Unternehmen sich derzeit vor einer Hauptversammlung eigene Aktien leihen um sich ein höheres Stimmpolster zu sichern. Dass zu solchen Mitteln gegriffen wird, bestätigt auch Pictet-Manager Bauer. Als die Chemieriesen Sandoz und Ciba-Geigy zu Novartis fusionieren wollten, sei die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit der Stimmen auf der Generalversammlung nicht gesichert gewesen, sagt er. Daraufhin hätten sich die beiden Konzerne für diesen Tag so viele Aktien wie möglich geliehen, um auf diese Weise auch über die Stimmrechte dieser Papiere verfügen zu können.


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calexa:

Interessanter Artikel

 
05.04.03 19:12
aber nur die wenigsten können ermessen, was man mit dem Verleihen der Aktien und dem danach folgenden "Shorten" anstellen kann.

So long,
Calexa
www.investorweb.de
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