...wenn in Amerika die Zinsphantasie entweicht

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...wenn in Amerika die Zinsphantasie entweicht

 
30.10.05 08:28
#1
Rendite 10-jähriger Treasuries in den verg. Jahren
Was passiert, wenn in Amerika die Zinsphantasie entweicht?
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28. Oktober 2005 Die Renditen fünfjähriger amerikanischer Staatspapiere zeigten, daß die amerikanische Notenbank ihren Zinserhöhungszyklus schon fast abgeschlossen habe, sagt Bond- Guru Bill Gross von Pacific Investment Management, Pimco genannt.
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Bei anziehenden Zinsen stiegen die Renditen der fünfjährigen Papiere normalerweise rund zwei Prozentpunkte über die Renditen der ein- bis zweijährigen Anleihen, erläutert der Manager des weltgrößten Anleihefonds. Im Verlauf der vergangenen 27 Monate sind die Renditen nun allerdings schon etwa 2,3 Prozent gestiegen.

Ende der Zinserhöhungen in Amerika absehbar?

Entwicklung der Rendite 10-jähriger Bundesanleihen

„Das ist mein Lieblings-Indikator, aber er wird von den Anlegern oft ignoriert, weil es so lange dauert, bis er sich entwickelt”, schreibt Gross in seinem monatlichen Investment- Ausblick auf der Website von Pimco. Als Chief Investment Officer ist Gross bei Pimco, die zum Allianz-Konzern gehört, für die Anlagestrategie verantwortlich.

In den vergangenen Monaten hatte Gross erklärt, die Federal Reserve Bank sei mit ihren Zinserhöhungen fast durch, je nachdem, wie der Immobilienmarkt sich entwickele. Der von ihm verwaltete Total Return Fund hat in diesem Jahr 1,3 Prozent an Wert gewonnen, zeigen Bloomberg-Daten. Seit Juni 2004 hat die Fed elfmal die Leitzinsen um jeweils einen Viertelprozentpunkt auf aktuell 3,75 Prozent angehoben. Zinsfutures zeigen, daß Händler bis Ende Januar drei weitere Zinserhöhungen erwarten.

Am 20. September gab Gross bekannt, er habe fünfjährige Treasuries im Volumen von einer Milliarde Dollar verkauft, bevor die Fed an diesem Tag die Zinsen anhob. Er rechne jedoch damit, wieder bei fünfjährigen Papieren einzusteigen, weil er ein Ende der Zinserhöhungen bei vier Prozent sehe, führte er damals aus.

Der Renditeanstieg bei den fünfjährigen amerikanischen Staatsanleihen „ist, gemessen an der historischen Entwicklung, ausreichend, um das Wirtschaftswachstum zu dämpfen oder sogar eine milde Rezession hervorzurufen”, schreibt Gross in seiner jüngsten Verlautbarung. Im Jahr „2006 dürfte das Wirtschaftswachstum bei zwei Prozent oder noch weniger liegen. Ein so geringes Wachstum wird mit Sicherheit für ein Ende der Zinserhöhungen der Fed sorgen und im Laufe des Jahres für eine akkommodierende Geldpolitik.”

Flaut die Konjunktur ab, könnten Börsen und Dollar in die Defensive geraten

„Normalerweise flaut die Konjunktur 18 Monate nach dem Beginn eines Zinsanstiegs bei fünfjährigen Anleihen wieder ab, und der aktuelle Zyklus bildet da offensichtlich keine Ausnahme. Die Indikatoren zu Industrieproduktion und Dienstleistungen haben vor einem Jahr ein Hoch erreicht”, erläutert er.

Der Dienstleistungsindex des Institute of Supply Management erreichte im April 2004 ein Rekordhoch bei 66,9. Im September lag der Index bei 53,3, damit zeigt er immer noch Wachstum an. Der allgemeine Wirtschaftsindex der Fed Bank of Philadelphia stieg im Juli auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren, im Februar markierte der Empire Index der Fed Bank of New York einen Rekordstand. Seitdem sind beide Konjunkturbarometer gefallen, das deutet auf eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums hin.

Sollte Gross mit seiner Einschätzung recht behalten, - sie könnte mit der Vermutung untermalt werden, daß der neue amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke „inflationstoleranter” ist als sein Vorgänger - so dürften sich die Rentenmärkte, die in den vergangenen Wochen im Banne eines gewissen Inflationsgespenstes standen, wieder ein gewisses Fundament erhalten. Auf der anderen Seite könnte genau das den Börsen, den Rohstoffmärkten und vor allem auch dem Dollar entzogen werden. Denn bei einer gebremsten Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten besteht die Gefahr, daß die Gewinnentwicklung bei den Unternehmen überschätzt worden ist.

Mit Blick auf den Dollar stellt sich die Frage, wie er mit einer schwindenden Zinserhöhungsphantasie zurecht kommen würde. Denn was, außer den Rentenmärkten, könnte die internationalen Anleger anziehen? Dabei ist Amerika aufgrund seiner Defizite im Budget und in der Leistungsbilanz dringend auf die Zufuhr ausländischen Kapitals angewiesen.


Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Text: @cri mit Material von Bloomberg
Bildmaterial: FAZ.NET

 

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Zinsangst drückt Rentenmarkt

 
#2
on Helge Bouchain HSH Nordbank, Research

Die Zinsniveaus an den Rentenmärkten beiderseits des Atlantiks sind kräftig angestiegen. In den USA war bei anhaltender Inflationsgefahr sowie robustem Wirtschaftswachstum der bevorstehende Wechsel an der Spitze der Notenbank einer der Auslöser.

Zwar war der 31. Januar als letzter Arbeitstag von Alan Greenspan bekannt, nun hat Präsident George W. Bush aber Ben Bernanke als Nachfolger nominiert. Dieser war von der Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet worden und gilt als Experte auf den geforderten Gebieten. Dennoch schafft ein Wechsel des Inhabers dieses exponierten Postens Unsicherheit.

Ein weiterer Faktor war, daß die anhaltend hohen Energie- und Rohstoffpreise auch bei einem Großteil der Investoren für zunehmende Inflationsängste sorgen. Zum einen werden bei Anleihen längerer Laufzeiten zunehmend Prämien für den Kaufkraftverlust künftiger Rückzahlungen eingepreist. Zum anderen setzt sich die Erwartung eines länger andauernden Zinsanhebungszyklus' durch.

In Deutschland hat das erfreuliche Ergebnis der Umfrage des Ifo-Instituts unter Unternehmen den Konjunkturoptimismus gestärkt. Damit rückt eine Zinserhöhung seitens der EZB näher. Allerdings muß unseres Erachtens dieser vorlaufende Indikator noch von weiteren bestätigt werden, bevor eine Aktion der Zinsgewaltigen angebracht wäre. Zudem könnte die unterschiedliche Inflationswahrnehmung und Aktionsbereitschaft der Ratsmitglieder einen ersten Zinsschritt hinauszögern.

Kommende Woche steht neben Zinsentscheidungen sowohl der EZB als auch der Fed fast das gesamte Who's who derzeit wichtiger Konjunkturdaten auf der Agenda. Die negative Grundstimmung an den Rentenmärkten dürften diese aber eher bestärken.

Artikel erschienen am 30. Oktober 2005


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