"Aber man hat ja aus den Protesten gelernt. Heute wird vertuscht, manipuliert,
instrumentalisiert und bestochen. Das funktioniert doch bei der Ukraine sehr gut, wie man sieht."
Stimmt zwar, Schoko, aber in Russland funktioniert das ziemlich perfekt.
Der Grundtenor ist klar: Nichts Gutes darf aus Nordamerika kommen.
Es ist doch mal wieder so: Die Kirche bleibt im Dorf, aber einige wollen sie dort nicht haben, farfaraway. Blättere mal zurück, diese Diskussion hatten wir schon. Was soll der Streit um des Kaisers Bart? Die Ostermärsche hatten ihren Ursprung zwar in Großbritannien, zugegeben, aber was ändert das an meiner Aussage?
Die Antikriegsbewegung, bzw. Anti-Vietnamkriegs-Bewegung, war in den USA einen Schritt voraus, und das ist auch klar, weil junge Amerikaner zuerst betroffen waren und ihre Papiere verbrannten. Die weltweite Solidarisierung musste ja zwangsläufig folgen. Sicher gab es zeitliche Parallelen auch in Paris, je nach Bewusstseinsstand der Betroffenen.
>>4.2. Studentischer Widerstand
Wie schon oben erwähnt waren ein großer Teil der Mitglieder organisierter Antikriegs-Bewegungen Collegeabgänger. Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Protestaktionen aus studentischer Sicht:
Im März 1965 organisiert die SDS das erste Vietnamkriegs-teach in an der Universität von Michigan, bei der 500 Personen erwartet wurden, tatsächlich aber 3000 kamen.
Am 17. April 1965 findet der erste Marsch auf Washington statt, der von der SDS geführt wird. 25000 Personen protestieren für eine Beendigung des Vietnamkrieges.
Im Dezember 1966 wird ein Brief an Lyndon B. Johnson geschrieben, in dem gefordert wird, den Krieg in Indochina zu beenden, ansonsten würden sich die Jugendlichen strikt weigern ihren Militärdienst zu leisten und lieber ins Gefängnis gehen.1968 zählt die SDS bereits 100000 Mitglieder. Von Jänner bis Mai 1968 nehmen 40000 Studenten an 221 größeren Demonstrationen teil. Im April 1969 finden Streiks an der Universität Harvard statt.
Im Frühjahr 1970 geben 2500 Studenten der Universität Berkeley ihre Wehrpässe zurück.
Im April 1970 werden 4 Studenten bei einer Antikriegsdemonstration getötet und 8 verletzt.
1965 tat die SDS (Students for a Democratic Society) ihre Opposition zum Vietnamkrieg öffentlich kund. Dieses Statement wurde in der Presse veröffentlicht. Ich will an dieser Stelle die wichtigsten Aussagen zusammenfassen:
Die SDS ist der Meinung, daß der Krieg in Vietnam von seinen Wurzeln her unmoralisch ist und daß er das Ende der Hoffnung auf ein demokratisches Amerika sei. Sie glaubt, daß die amerikanischen Jugendlichen, wenn sie eine freie Wahl hätten, lieber in ihrem eigenen Land und auch in fremden Ländern eine Demokratie aufbauen würden, als die Bevölkerung in Vietnam zu quälen und zu töten und deren Häuser zu verbrennen. Deshalb bittet sie den Präsidenten, allen Amerikanern die Chance zu geben, zu helfen anstatt zu morden. Sie wollen in Krankenhäusern und Schulen helfen, anstatt in den Krieg geschickt zu werden.
Man sieht, daß diese Aussagen ein Aufruf zur Menschlichkeit sind. Aber der Krieg in Vietnam wurde nicht nur von vielen als unmoralisch gesehen, sondern auch als illegal, als ein Krieg, der gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten verstieß. In der Proclamation of the Antidraft Resistance von 1967 heißt es (gekürzt und frei übersetzt):
a) Der amerikanische Krieg in Vietnam steht im Gegensatz zur religiösen und moralischen Vorstellung vieler Amerikaner.
b) Der Krieg ist wider die Verfassung und illegal, weil der Krieg nicht vom Kongreß erklärt wurde, so wie es in der Verfassung verlangt wird.
c) Der Krieg mißachtet internationale Abkommen speziell das Genfer Abkommen von 1954, das die USA zusicherte einzuhalten, es bis jetzt jedoch nicht tat.
d) Deshalb hat jeder das legale Recht und die moralische Pflicht, alles zu tun, um diesen Krieg zu beenden und andere aufzufordern dasselbe zu tun.
e) Jede Form des Widerstandes gegen die Autorität ist gerechtfertigt.
f) Wir rufen alle auf, die Konfrontation mit der unmoralischen Autorität zu suchen. Speziell rufen wir die Universitäten auf, ihre Mission zu erfüllen. Jetzt ist die Zeit für Widerstand....<<