Gold & Gesellschaft: Zukunft eines staatlich begründeten Steuerstaates
Was man doch im Feuilleton-Teil der Frankfurter Allgemeinen so interessantes findet: Beispielsweise einen Aufsatz von Peter Sloterdijk unter dem Titel Die Revolution der gebenden Hand. Oder Enteignung qua Einkommensteuer.
Den modernen Steuerstaat zu kritisieren, fällt leicht. Ihn aber an seiner Wurzel in Frage zu stellen, ist revolutionär. Denn damit werden im gleichen Atemzug dem heutigen Sozial-Staat seine Fundamente entzogen. Wer von Enteignung per Einkommensteuer spricht, dabei die progressive Einkommensteuer als ein funktionales Äquivalent sozialistischer Enteignung charakterisiert, ruft zu nichts weniger auf, als zum Aufstand der heutigen Steuerdultsamen.
Queen Victoria soll sich schon bei der erstmaligen Erhebung der Einkommensteuer in England in Höhe von fünf Prozent Gedanken darüber gemacht haben, ob man die Grenze des Zumutbaren hiermit nicht überschritten habe. Aber heutzutage habe man sich längst an Zustände gewöhnt, in denen eine Handvoll Leistungsträger gelassen mehr als die Hälfte des nationalen Einkommensteuer-Budget bestreitet. Ein Blick in die Zahlen des Statistischen Bundesamtes verrät uns, um wie viele Leistungsträger es sich dabei handelt: Es sind zehn Prozent, die ein Einkommen von mindestens EUR 67.779 pro Jahr versteuern müssen.
Diese voll ausgebauten Steuerstaaten reklamieren laut Peter Sloterdijk jedes Jahr die Hälfte aller Wirtschaftserfolge ihrer produktiven Schichten. Ohne dass die Betroffenen im antifiskalischen Bürgerkrieg ihre Zuflucht suchen.
Die Erklärung dafür kann ich nachliefern: Unser Steuerstaat ist nicht nur eine Kleptokratie, sondern fußt auf einer fein dosierten Abhängigkeit der Zahlenden. Machen uns nicht Kredit-Schulden, im Grundbuch eingetragene Immobilien und vom Staat jederzeit einsehbare Konten zum einfachen Opfer staatlicher Sanktionen. Wie will man mit solchen Gelähmten einen antifiskalischen Bürgerkrieg entfesseln.
Unser System ist keineswegs ein kapitalistisches, sondern ein massenmedial animierter, steuerstaatlich zugreifender Semi-Sozialismus. Die eigentumswirtschaftliche Grundlage ist eher Fassade als Fundament.
Unglücklich empfand ich Peter Sloterdijks Charakterisierung des Finanzministers als ein moderner Robin Hood. Zumal im folgenden Kapitel Umgekehrte Ausbeutung kritisiert wird, dass die Unproduktiven auf Kosten der Produktiven leben.
Robbing Hood, ein außer Kontrolle geratener Frankenstein, der mit dem Gewehr des sozialen Friedens seine Leistungsträger demokratisch legitimiert überfällt und ausraubt, wäre wohl eine bessere Bezeichnung für den Finanzminister gewesen.
Schließlich sieht auch Peter Sloterdijks das Ende des Sozial-Staates nahen. Denn wenn gut die Hälfte jeder Population moderner Nationen aus Beziehern von Null-Einkommen und abgabebefreiten Einkommen besteht, dann wird es zu Desolidarisierungen im großen Stil kommen. Wenn sich diese Wahrnehmung bekräftigte, dann zöge das postdemokratische Konsequenzen nach sich. Reden wir doch einmal Klartext: Wenn die Demokratie dazu missbraucht wird, den Sozial-Staat auf Teufel komm raus am Leben zu erhalten, dann wird sich die Reaktion der so Ausgebeuteten nicht primär gegen den Sozial-Staat, sondern gegen die Demokratie selbst richten. Das gilt in gleichem Umfang für die Nutznießer des Sozial-Staates: Fiele die Staats-Knete nur für wenige Wochen aus, dann würde auch von dieser Seite die Demokratie in Frage gestellt werden.
Interessant ist seine Abrechnung mit den Schulden-Politikern, die ihr Handeln auf die Theorien von Keynes basieren. Keynes hatte einst Gold ein barbarisches Relikt verteufelt. Nicht ohne Grund: Denn damit sollten nur Einblicke in das staatliche Falschgeld-System vermieden werden. Keynesianisch vergiftete Staaten sind im Prinzip Schuldner, die ihre Gläubiger wieder einmal enteignen wollen. Egal ob durch Währungsreform oder Inflation.
Die Anhängerschaft, die den demokratisch begründeten Steuerstaat beseitigen wollen, gewinnt nun auch auf intellektueller Ebene Zulauf. Eine Fraktion wartet händeringend auf die Selbstauflösung des Systems im Rahmen eines Staatsbankrotts. Andere entsolidarisieren sich heimlich. Und die dritte Fraktion stellt das derzeitige System in Gänze in Frage. Dass es so nicht weitergehen kann, sollte jedem bewusst sein.
Revolutionäre Stimmungen benötigen immer intellektuelle Führer, um den Willen in die Tat umsetzen zu können. Der Wille ist schon seit geraumer Zeit da und er wird täglich stärker. Nun scheinen sich auch die Ausführenden herauszukristallisieren.
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Die FED hat heute die Liquiditäts-Schleusen wieder geöffnet. In der Folge sank der Dollar, die Renditen der 10-jährigen Treasuries stiegen an und die Aktien-Märkte jubilierten. Der Druck auf Gold / Silber / Platin ließ nach und alle drei Metalle sind heute kräftig gestiegen.
Warum: Die $182 Mrd Treasuries wurden erfolgreich platziert.
Gleichzeit verkündet das Wahrheitsministerium ein Ende der Rezession. Trotzdem verlieren in den U.S.A. immer noch mehr als 500.000 Bürger pro Woche ihren Job. In Deutschland sinken die Arbeitslosen-Zahlen sogar. Der Grund: Man hat mit dem neuen Berechnungsmodell immer mehr Gruppen von Arbeitslosen aus der Statistik eliminiert. Das frisch in den Wirtschafts-Kreislauf eingeschleuste Falschgeld scheint seine Wirkung zu entfalten. Zumindest kurzfristig.
Das sind also unsere freien Märkte. Und unser wertbeständiges Geldsystem, das die Notenbanken gegen staatliche Ausgaben-Auswüchse verteidigen.
Nein, nein und nochmals nein: Hier wird uns mehr Schein als Sein präsentiert. Das letzte Aufgebot. Eine Kriegsbericht-Erstattung kurz vor dem vollendeten Endsieg.
Wer diese beispielslosen Manipulationen und Falsch-Berichterstattungen nicht erkennt, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Der kämpft eine schon lange verlorene Schlacht für ein Ideal, das längst seinen Glanz verloren hat.
Heute wollte man uns weismachen, dass die Zahlen zum Bruttoinlands-Produkt die Aktien-Märkte befeuert haben. Und Bloomberg bzw CNBC freuen sich, dass man die Bears nun endgültig besiegt hätte. Welcher Investor geht in diesem Klima schon Short. Das sind alles Nebelkanonen, die den eigentlich Grund für den Anstieg verstecken: Die Liquiditäts-Steuerung der Notenbanken im Allgemeinen und der FED im Besonderen.
Gold wurde gestern Abend im späten Access Handel noch unter die Marke von $1.030 gedrückt. Heute früh im asiatischen Markt tendierte Gold wieder oberhalb der $1.030er Marke. Der A.M. Fix im Londoner Handel kam mit $1.034,00 (EUR 700,92) noch knapp zwei Dollar niedriger als vor 24 Stunden zustande.
Die Liquiditäts-Schleusen der FED öffneten sich nach den heute erfolgreich abgeschlossenen Versteigerungen der Staatanleihen. Der P.M. Fix stand dann schon bei $1.040,50 (EUR 702,57) um knapp acht Dollar höher als gestern zum P.M. Fix. Im Anschluss ging es weiter bergauf: Der Schlusskurs an der COMEX lag mit $1.046,90 um $16 höher als am gestrigen Tag. Ganz plötzlich rückt die Marke von $1.050 wieder in greifbare Nähe.
Für die geschundenen Silber-Investoren gab es auch Entwarnung: Der monetäre Blutsverwandte zu Gold stieg um über $0,50 an.
Nächste Woche gibt es eine weitere Versteigerung von Treasuries im Umfang von $59 Mrd. Das sind jedoch nur Kurzläufer. Niemand zweifelt daran, dass diese Papiere ausreichend Nachfrager finden werden.
Ich bin gespannt, wie schnell immer mehr Investoren erkennen werden, dass sie mit Falschgeld abgespeist werden. Das System, das Madoff jahrelang betrieben hat ohne einen Dollar zu verdienen. Auch unsere Finanz-Akrobaten in den Notenbanken und Finanzministerien verdienen kein Geld und produzieren keine Wirtschaftsleistung. Das sind alles reine Luftbuchungen oder Blindleistung in der Elektrotechnik.
Wer mich fragt, wie viel Geld er denn in Gold und Silber anlegen soll, dem werde ich die Frage zurückstellen, wie viel seines Vermögens er denn durch die Inflationierung des Papiergeldes verlieren will.
www.bullionaer.de/shop/showZiemann.php/action/latest

"Die Börse reagiert nur zu 10% auf Fakten, der Rest ist Psychologie!" (Kostolany)
An der Börse wird das "meiste" Geld mit Marktbewegungen verdient, die die "wenigsten" Marktteilnehmer erwarten!