Gesamtwirtschaftliches Umfeld
Ich möchte heute an meinem Bericht vom letzten Freitag anschliessen. Dort hiess es: "Der Staat muss sich sowieso einen neuen "Ankerpunkt" für seine Staatsanleihen suchen, will er nicht selbst das Opfer des fast unausweichlich erscheinenden Endes des Papiergeld-Systems werden." Um das Banken-System zu retten, wurde durch die Notenbanken weltweit die Monetäre Basis (monetary base) massivst ausgeweitet. Dieses als "high powered money" bezeichnete Geld besteht aus den umlaufenden Banknoten (Geldmenge M0) und den Rücklagen des Bankensystems bei der Zentralbank. Die Monetäre Basis wurde beispielsweise von der FED seit Herbst letzten Jahres von $800 Mrd auf heute $1.700 Mrd ausgeweitet.
Ein Investment-Haus hat auf Basis dieser Daten Überlegungen angestellt, wie Gold vor diesem Hintergrund als Alternative Monetäre Basis zu bewerten wäre. In diese Rechnung gingen die von der FED veröffentlichen Zahlen der Monetary Base als auch die offiziellen Goldreserven der USA ein. Gold müsste vor diesem Hintergrund mit $6.000 pro Unze bewertet werden. Deren Überlegungen sind nicht abwegig: Bis zum Jahr 1971 stellte Gold de facto die monetäre Basis der USA dar.
Dass die massiv ausgeweitete Monetäre Basis sich noch nicht als Teuerung bemerkbar gemacht hat, liegt daran, dass die Geldumlaufgeschwindigkeit ("velocity of money") zur Zeit sehr niedrig ist. Die Banken vergeben derzeit nur widerwillig Kredite und die Leute horten Bargeld oder zahlen ihre Schulden zurück. Eine hohe Geldumlaufgeschwindigkeit kommt mit einer relativ geringen Geldmenge aus, um Waren und Dienstleistungen zu erwerben. Wächst die Geldmenge bei zurückgehender Geldumlaufgeschwindigkeit, dann beschleunigt diese Entwicklung noch nicht die Teuerung. Zu der derzeit niedrigen Umlaufgeschwindigkeit trägt auch die Tatsache bei, dass die Banken einen Grossteil der neu erzeugten monetären Basis "behalten", d.h. sie verwenden dieses Geld nicht zur Ausweitung ihres Kredit-Geschäfts. Der "money multiplier", der das Verhältnis des Anstieges der Geldmenge M1 (Geld auf Bankkonten und Bargeld) zur Monetären Basis anzeigt, ist derzeit unter 1. D.h. das Fractional Reserve Banking System, das aus einer geringen Menge Zentralbankgeld eine grosse Menge Kreditgeld über das Bankensystem schaffen kann, funktioniert nicht. Es ist aber nur ein Frage der Zeit, bis die Kreditgewährung wieder anziehen wird. Und dann werden aus jedem neu geschaffenen Dollar im Zentralbankgeld-System viele Dollars im Bankensystem.
Mit einem Tender über beispielsweise $3.000 pro Unze Gold könnte die FED ein Grossteil des privaten Goldvermögens in den USA anziehen. Schon allein die Grösse des US-Goldschatzes (8.134 Tonnen nach offiziellen Zahlen), also $785 Mrd als neue Monetäre Basis wäre ein so massiver Machtblock, dass sich die Investoren schon zweimal überlegen müssen, dieses Angebot nicht anzunehmen. Die Aussicht auf einen solchen massiven Gewinn würde auch das private Gold aus anderen Ländern aufsaugen, es sei denn, die dortigen Notenbanken führen ähnliche Massnahmen durch. Dazu wären aber nur die grossen europäischen Notenbanken in Deutschland, Italien und Frankreich in der Lage, die offiziell zumindestens noch über massive Gold-Vorräte verfügen. So werden gerade diejenigen Staaten auf dem asiatischen Kontinent kalt enteignet, die sich durch viel Fleiss und Akkumulieren von Dollar-Reserven in den letzten Jahren hochgearbeitet haben.
Obwohl diese Massnahme stark inflationär wäre, weil die im Tausch für das Privat-Gold geschaffenen US-Dollar von der FED lediglich gedruckt würden, hätte man das System wieder auf eine stabilere Basis gesetzt. Abhängig davon, wieviel Gold-Reserven in Wirklichkeit noch existent sind und wieviel Gold man auf diesem Weg von den Bürgern und Ausländern einsammeln könnte, würde wohl eine spätere Neubewertung des US-Dollars im Bereich von $6.000 bis $15.000 erfolgen. Man braucht für diese Massnahme kein Goldverbot wie in der 30er-Jahren, da ein Angebot der FED von $3.000 pro Unze wohl über 90 Prozent des verfügbaren Privat-Goldes zurückspülen würde. Nur die ganz harten Gold-Investoren werden auf den dann wenige Monate später folgenden Zeitpunkt warten, wo der Dollar dann noch kräftiger gegen Gold abgewertet wird. Ist Gold der "Trade of the Century" fragt sich vor diesem Hintergrund dieses Investment Haus.
Ja. Egal ob dieses Szenario eintreten wird oder ein unkontrollierbarer Kollaps des Systems mit den Eichelburg'schen $50.000 pro Feinunze. Oder vielleicht eine Hyperinflation mit einer schon nicht mehr zählbaren Zahl von Nullen. Sicher ist nur, dass alle Wege eines neuen Finanzsystems zum Gold führen werden. Gold ist einfach auf dem heutigen Preisniveau ein "no brainer".
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Gold wurde heute im frühen asiatischen Handel unter die Marke von $940 gedrückt. Gestern hat man mit einem Rückgang der wöchentlichen Jobs Lost Zahlen gerechnet – gekommen war dann aber eine Zunahme. Diese schlechten Daten vom Arbeitsmarkt haben wieder einmal zu einem Angriff auf den Gold-Preis geführt.
Der fallende Dollar hat dann aber diese Taktik des Gold-Kartells im Laufe des Vormittags zunehmens schwieriger gemacht. Zum A.M. Fix stand Gold dann bereits mit $941,50 (EUR 658,30) wieder oberhalb der Marke von $940. Auf der anderen Seite hat Gold den seit gut einem Monat stabilen Korridor von €660 bis €670 nach unten leicht durchbrochen.
Nach dem Londoner A.M. Fix hat sich Gold im frühen Nachmittags-Handel der Marke von $945 angenähert. Mit Beginn des Handels an der New Yorker COMEX ist der Gold-Preis dann plötzlich auf bis zu $958 angestiegen. Dieses Niveau konnte aber nicht gehalten werden, so dass Gold relativ schnell wieder unter die Marke von $955 zurückfiel. Im Vorfeld einer Ansprache von Ben Bernanke um 16:00 Uhr MEZ darf es im Gold-Markt nicht zu viel Euphorie geben.
Der P.M. Fix von $952,50 (EUR 663,58) war wohl der Grund für den Rückgang. Aber im 24-Stundenvergleich können wir uns nicht beschweren: Ein Plus von $12. Gold in Euros hat sich auch wieder in seinen bekannten Korridor zurückbewegen können.
Gold beendete den Handel an der COMEX mit $952,90. Im Wochenvergleich konnte Gold trotz der fortgesetzten Drückungs-Versuche des Gold-Kartells am Beginn dieser Woche (Tiefstand war am Montag $930) doch noch $6 zulegen.
Die Bullen am Aktien-Markt können sich über weitere Kurs-Gewinne made by Goldman "Government" Sachs freuen. Egal ob die Nachrichten nun gut oder schlecht sind, es findet sich immer noch eine gute Nachricht unter vielen schlechten, die als Begründung für einen weiteren Anstieg von Dow und S&P500 gefunden werden kann.
Der USDX ist wie vorher erwähnt auf 78,2 gefallen. Zwischenzeitlich sah es sogar noch schlimmer für den US-Dollar aus: Tages-Tiefstand war bei 77,7. Da der Aktien-Markt kräftig zulegte, sind auch die Renditen der 10-jährigen Treasury Notes auf 3,6 Prozent angestiegen. Der Quotient aus USDX und den Renditen gab kräftig auf 21,7 nach (Donnerstag: 22,4). Der Wert ist zwar noch fast zwei Punkte von dem Tiefpunkt entfernt. Aber warten wir die nächste Woche erst einmal ab.
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"Die Börse reagiert nur zu 10% auf Fakten, der Rest ist Psychologie!" (Kostolany)
"Selten war mehr als ein Zehntel der Bevölkerung an dem beteiligt, was man Geschichte zu nennen pflegt!" (Samhaber)