BERLIN (dpa-AFX) - Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wäre nach Einschätzung des Ökonomen Moritz Schularick unter bestimmten Bedingungen "eine Art von Vermögenssteuer durch die Hintertür" - was Schularick befürworten würde. "Das hat leider die SPD noch nicht verstanden", sagte der Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft im "Berlin Playbook"-Podcast von Politico.
Schularick beschrieb ein Szenario, bei dem Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträge im gleichen Umfang gesenkt würden wie die Mehrwertsteuer erhöht würde. Konsum würde dann belastet, Arbeit entlastet.
Dies würde vor allem ältere Menschen belasten, "denn dort sitzen die großen Vermögen", sagte Schularick. Von diesem Geld könne man bei einer höheren Mehrwertsteuer weniger kaufen. Arbeitseinkommen, auf die sich vor allem Jüngere stützten, würden hingegen entlastet. "Wir sind ein Land, das massiv von jung nach alt umverteilt. Wir belasten die Jungen, um es den Alten zu geben", erklärte der Wissenschaftler.
Will die Bundesregierung an die Mehrwertsteuer ran?
Aktuell fällt auf die meisten Waren eine Mehrwertsteuer von 19 Prozent an, für ausgewählte Lebensmittel gilt ein reduzierter Satz von 7 Prozent. Dem Vernehmen nach hat die Bundesregierung im Zuge der Reformdebatte den Effekt einer Mehrwertsteuer-Erhöhung durchrechnen lassen.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte im Bundestag nicht ausgeschlossen, dass im Zusammenhang mit angestrebten Entlastungen von Arbeitnehmern und Unternehmen die Besteuerung geändert werden könnte. Die Koalitionäre suchen nach Finanzierungsmöglichkeiten für eine gewünschte Entlastung bei Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträgen.
Im europäischen Vergleich sei die Mehrwertsteuer in Deutschland ohnehin ziemlich gering, Arbeit werde hingegen recht hoch besteuert, sagte Schularick. "Und wenn man halt will, dass Arbeiten sich lohnt, dann macht es schon Sinn, die Arbeit geringer zu besteuern."/hrz/DP/stk
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