Eine strategische Bedrohung für den europäischen Energiemarkt besteht in der Entstehung von verschiedenen Räumen mit unterschiedlicher Energieversorgungssicherheit. Diejenigen Länder, die mit Moskau zusammenarbeiten und langfristige Lieferverträge mit Gazprom haben, werden die Krise mit geringeren Verlusten überstehen als diejenigen, die sich hauptsächlich über den Spotmarkt versorgen. Ganz zu schweigen von der mittelfristigen Wettbewerbsfähigkeit von Industrie und Landwirtschaft, die natürlich bei den Abnehmern mit langfristigen Verträgen stärker ausgeprägt sein wird. Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Länder versuchen werden, ihre Sonder-Lieferabsprachen für die Zukunft zu sichern, um sich so vor den politisierten Entscheidungen der EU-Organe zu schützen. Dadurch würden sich die Gegensätze innerhalb der EU weiter verschärfen, und Russland würde wiederum zum Sündenbock gemacht werden. Der Teufelskreis der gegenseitigen Schuldzuweisungen erhielte einen neuen Impuls.
Aus der so entstandenen Lage ergeben sich einige Schlussfolgerungen:
Es besteht die Möglichkeit, dass die Krise immer wieder aufflammt, und zwar nicht nur durch Manipulationen, sondern als echte Krise. Die künstlichen Barrieren, die die EU für russisches Erdgas errichtet hat, könnten dazu führen, dass diesen Winter verstärkt Gas aus den Speichern entnommen wird. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass es bereits zum Jahreswechsel 2020-2021 zu einem neuen Krisenhöhepunkt kommen könnte. Die Füllmenge der Erdgasspeicher gilt als kritisch und kann sich binnen kurzer Zeit zu einer Krise auswachsen. Wenn man den offiziellen Daten Glauben schenken kann, fehlen in den Speichern im Vergleich zum Vorjahr 20,5 Milliarden Kubikmeter. 28 Prozent der Kapazitäten sind bislang ungenutzt, das entspricht 18,6 Milliarden der 66,2 Milliarden Kubikmeter, die den europäischen Speichern letzten Winter entnommen wurden. Für sich allein genommen ist dies keine direkte Bedrohung, da die Entnahme des Erdgases dadurch verlangsamt werden kann, dass nicht mehr rentable Unternehmen keinen Bedarf mehr anmelden. Hier ergibt sich jedoch ein riesiges Spielfeld für kurzfristige Preismanipulationen. Russland kann unter den jetzigen Regulierungsbedingungen die Liefermengen für Europa unmöglich schnell erhöhen, gerade auch weil der kommende Winter in Russland selbst voraussichtlich sehr kalt werden wird. Zur Destabilisierung führ vor allem der Schlüsselfaktor, dass die Gaslieferungen nach Europa aufgrund der politisch motivierten und chaotischen Vorgehensweise der europäischen Institutionen noch nicht einmal mittelfristig geplant werden können.
Die „Krise des Ungleichgewichts“ könnte noch lange anhalten.....
energy-europe.eu/oil-and-gas-de/...ssteigerungen-beim-erdgas/