"Die "Sea-Watch 3" hatte am 12. Juni 2019 53 Menschen vor der libyschen Küste und in der libyschen Seerettungszone gerettet. Laut Angaben der deutschen Hilfsorganisation sollen sie aus Foltergefängnissen geflohen sein, was aber nicht nachprüfbar ist. Die italienische Regierung verbietet privaten Rettungsschiffen das Einlaufen in italienische Häfen. Wegen ihres Gesundheitszustands waren 11 Flüchtlinge, darunter drei Minderjährige und zwei schwangere Frauen, drei Tage später mit Zustimmung der italienischen Regierung in Lampedusa an Land gebracht worden.
Nachdem das Schiff zwei Wochen lang vor der italienischen Küste kreuzte, rief Sea-Watch mit einem Eilantrag den EGMR an, um die italienische Regierung zur Öffnung ihrer Häfen zu zwingen. Doch der EGMR lehnte den Antrag ab. Die Richter begründeten ihre Entscheidung mit Artikel 39 der Europäischen Menschenrechtskonvention. Demnach seien "einstweilige Maßnahmen" nur dann vorgesehen, wenn es ein "unmittelbares Risiko für irreparablen Schaden" gebe. Entsprechend müsse die italienische Regierung den Menschen an Bord die notwendige Unterstützung und Betreuung zukommen lassen, sofern sie aufgrund ihres Alters oder Gesundheitszustands besonderen Schutz bräuchten. Dazu war Italien weiterhin bereit und hatte noch einen weiteren Flüchtling und seinen Bruder an Land gelassen.
Nach der Ablehnung durch den EGMR beschlossen Sea-Watch und deren Kapitänin Carola Rackete, dennoch in die verbotenen italienischen Küstengewässer einzulaufen.
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Sea-Watch war nicht bereit, die Entscheidung des EGMR zu respektieren und erst recht nicht die Hoheit der italienischen Regierung über ihre Küstengewässer. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärte Rackete sehr selbstbewußt, wenn nicht abgehoben: "Es muss eine Lösung geben. Wenn Italien nicht kooperiert, können wir die Lösung nur erzwingen. Ich habe mich vor allem von der EU und dem italienischen Staat genötigt gefühlt." Wer hat hier eigentlich wen genötigt?
Der Landgang der Flüchtlinge in Italien bedeutet für die sehr große Zahl der noch in Libyen ausharrenden Flüchtlinge ein weiteres Signal, nicht aufzugeben und nicht in ihre Heimatländer zurückzukehren, obwohl es bei der Sea-Watch 3 nur um sehr wenige Flüchtlinge ging. Andere noch nicht Flüchtende könnten motiviert werden, die Flucht zu versuchen. Die deutschen Medien berichteten schon im Februar 2017 über ein angeblich geheimes Papier der deutschen Sicherheitsbehörden, wonach bis zu ca. 6 Mio. Flüchtlinge darauf warten sollen, nach Europa zu gelangen. Allein in Libyen würden sich 1,2 Mio. Flüchtlinge aufhalten, die auf eine Überfahrt nach Europa hofften. Weitere bis zu 500.000 Flüchtlinge sollen es in Ägypten sein und in Tunesien, Algerien und Marokko noch einmal 610.000. Viele dieser Flüchtlinge stammen aus der Region Zentralafrika und kommen unter anderem über Mali und Niger nach Algerien und Libyen. Fast alle sind Wirtschaftsflüchtlinge."