Aussagen zur Marktentwicklung für Windenergieanlagen vom neuen CEO von Nordex - auch für Vestas sehr interessant.
"Dabei vergessen viele Analysten aber, dass sich die Situation regional sehr unterschiedlich darstellt. Denn es gibt keinen voll integrierten Weltmarkt für Windturbinen. Eigentlich ist unsere Industrie durch viele regionale Einzelmärkte gekennzeichnet, die in einzelnen Feldern verbunden sind, aber eben nicht umfassend.
Was bedeutet das für die Turbinenpreise?
Wegen der insbesondere in China hohen Überkapazitäten liegt das Preisniveau in der Volksrepublik international auf dem niedrigsten Niveau. Das setzt die Märkte in Amerika und Europa aber nur bedingt unter Druck. Warum schwappt der Preisdruck aber nicht quasi ungehindert von Asien über Amerika nach Europa? Dafür gibt es im Wesentlichen vier Gründe:
1. Zunächst müssen die Anlagen den technischen Anforderungen eines Landes entsprechen. Zwar gibt es erste Hersteller aus China, die den europäischen und vielleicht auch deutschen Normen entsprechen könnten. Aber ob sie auch das Vertrauen der Kunden und Banken in Europa genießen, steht auf einem anderen Blatt.
2. Windturbinen sind komplexe und schwere technische Systeme, die wegen der enormen Logistikkosten nur zulasten der Wirtschaftlichkeit über weite Strecken transportiert werden können.
3. Die Kosten eines Windparkprojekts entstehen nicht nur bei der Produktion der Turbine selbst, bis zu 30 Prozent fallen vor Ort auf der Baustelle an. Das sind etwa Fundamente, der Wegebau und - ganz wesentlich - die Integration in das regionale Stromnetz. Hier entscheidet sich oft, ob ein Projekt profitabel ist oder nicht. Und das hängt entscheidend von der Erfahrung und der Kenntnis der lokalen Bedingungen ab.
4. Im Fall der angeblichen chinesischen Bedrohung kommt hinzu, dass unsere Kunden ihre Investition nur dann als gesichert ansehen, wenn auch der anschließende Service der Anlagen garantiert ist. Dazu fehlt den Chinesen heute noch das entsprechende Servicenetz."