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Weltfinanzgipfel - 30 Reformziele

 
16.11.08 11:44
News - 16.11.08 09:57
Weltfinanzgipfel: G20 setzen sich 30 Reformziele

Die führenden Wirtschaftsmächte der Welt haben in Washington einen Aktionsplan zur Reform des Weltfinanzsystems verabschiedet. Bush, Merkel und Sarkozy lobten das Treffen als Erfolg. Doch die Unterzeichner des Dokuments sparten auch nicht mit herber Selbstkritik.


Im Abschlusskommunique des Treffens sind insgesamt rund 30 Punkte zur besseren Regulierung, Transparenz und Risikoabfederung der Märkte aufgeführt, die bis Ende März 2009 umgesetzt werden sollen. Hinzu kommen rund 20 weitere Verbesserungs- und Änderungsvorschläge. Die Finanzminister sollen an weiteren Reformschritten arbeiten und darüber auf einer Folgekonferenz im April beraten.

"Wir müssen das Fundament für Reformen legen, um sicherzustellen, dass sich eine weltweite Krise wie diese nicht wiederholt", heißt es in der Abschlusserklärung der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) . Die in den einzelnen Ländern ergriffenen Maßnahmen gegen die Krise und zur Stabilisierung der Finanzmärkte reichten nicht aus.



Kampf gegen Steueroasen

Zu den im Aktionsplan festgelegten Zielen gehört eine Anpassung der internationalen Bilanzierungsregeln. Für Ratingagenturen sollen Transparenzregeln aufgestellt, und Banken sollen dazu verpflichtet werden, ihr eigenes Risikomanagement zu stärken. Hedge Fonds sollen strengeren Regeln unterworfen werden.

Die Regierungen wollen außerdem gemeinsam gegen "nicht kooperative" Steueroasen vorgehen. Die Weltbank wird dem Plan zufolge damit beauftragt, Programme aufzulegen, die ein anhaltendes Wachstum in den Entwicklungs- und Schwellenländern sicher stellen. Die G20 wollen auch die Arbeit des Internationalen Währungsfonds (IWF) besser vernetzen.

Der Gipfel schließe mit einem "sehr substanziellen" Dokument, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Der wesentliche Inhalt sei, dass es keine Märkte, Marktteilnehmer und auch keine Produkte mehr auf der Welt geben solle, die nicht einer bestimmten Regulierung oder Transparenz unterworfen sind. Die G20 hätten sich dabei gegen jeglichen Protektionismus und für den freien Welthandel ausgesprochen.



US-Präsident George W. Bush sagte, es würden alle nötigen Schritte unternommen, um das Weltfinanzsystem zu stabilisieren. Nun würden die führenden Wirtschaftsnationen auch "die Regeln zu Marktmanipulationen und Betrug" überprüfen. Das beste Mittel für den Weg aus der Krise sei jedoch Wachstum. "Und der sicherste Pfad zu diesem Wachstum ist der Kapitalismus des freien Marktes." Sein Nachfolger Obama sei über den Verlauf und die Beschlüsse der Tagung voll informiert, sagte Bush.

Europa habe bei diesem "historischen Gipfel" mit einer Stimme gesprochen, sagte der französische Staatspräsident und amtierende EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy. In wichtigen Punkten, wie der Regulierung von Ratingagenturen, habe sich die EU durchgesetzt.


In der Abschlusserklärung sparen die großen Schwellenländer nicht mit Rügen, und die Industriestaaten üben Selbstkritik: In der zurückliegenden Wachstumsphase habe es ein Streben nach immer höheren Renditen ohne den Blick auf die Risiken gegeben, heißt es in der Erklärung. Das Risikomanagement sei nicht angemessen gewesen. Es seien immer neue Finanzprodukte auf der Basis hoher Kreditaufnahme geschaffen worden, mit denen die Verwundbarkeit des Finanzsystems gelitten habe.

"Die Politiker, die Regulatoren und die Aufsichtsbehörden in einigen fortgeschrittenen Ländern haben auf den damit verbundenen Aufbau von Risiken für das Finanzsystem nicht angemessen hingewiesen", heißt es in dem Dokument. Zudem hätten die Länder ihre Wirtschaftspolitik nicht ausreichend abgestimmt, ungenügend Strukturreformen betrieben und letztlich die Grundlage für Marktexzesse gelegt.

Quelle: Financial Times Deutschland
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