Lehmans Europa-Geschäft ist noch zwei Dollar wert
Samstag, 27. September 2008 03:52 - Von Tina Kaiser
Die Bilder gingen um die Welt: Verzweifelte Mitarbeiter der bankrotten Investmentbank Lehman Brothers trugen Anfang vergangener Woche ihre Habseligkeiten aus den Büros. Sie bangten um ihre Existenz, weil nicht klar war, ob sie ihren Job behalten und überhaupt noch Gehalt von Lehman bekommen würden.
- Während die New Yorker Mitarbeiter schon in der vergangenen Woche aufatmen konnten, als die britische Barclays Bank das Nordamerikageschäft kaufte, ist nun auch zumindest ein Teil der Europatochter in London gerettet. Für einen symbolischen Preis von zwei Dollar kauft Japans größtes Brokerhaus Nomura die Lehman-Töchter in Europa und im Nahen Osten.
Dafür übernimmt Nomura allerdings nur die rund 2500 Mitarbeiter der Abteilungen Firmenbeteiligungen und Investmentbanking. Die restlichen 2500 Mitarbeiter, Aktien, Anleihen und andere Anlagen der Pleitebank bleiben in der Insolvenzmasse, die von Price Waterhouse Coopers verwaltet wird.
Um die Topleute der Investmentbank in London zu halten, hat Nomura den Bankern angeboten, ihnen den gleichen Bonus für 2008 zu zahlen, den sie im Vorjahr erhalten haben. Dafür müssen sie sich verpflichten, mindestens bis Herbst kommenden Jahres bei der Bank zu bleiben. Insgesamt hat Nomura Zahlungen von mehr als einer Mrd. Dollar (685,5 Mio. Euro) versprochen. Die Ankündigung ist überraschend großzügig, weil wegen der Finanzkrise die meisten anderen Banken ihre Bonuszahlungen zusammenstreichen.
Nomura will sich durch den Kauf für den internationalen Wettbewerb rüsten. Bis 2011 sollen die Umsätze im Ausland von heute 20 auf 30 Prozent steigen. Anfang der Woche hatte Nomura bereits angekündigt, die asiatische Lehman-Tochter für 225 Mio. Dollar zu kaufen. Dort wird Nomura allerdings neben den Beschäftigten auch die Handelssysteme und andere Ausstattung übernehmen.