Adori nennt Großaktionär und erneuert Übernahmeangebot
Von Gerhard Hegmann, München
In die undurchsichtigen Anteilsverhältnisse des Internetdienstleisters Adori und die zuletzt blockierte Abfindung für die Kleinaktionäre kommt Bewegung. Über eine Finanzanzeige wurde der Schleier um die Aktionärsstruktur etwas gelüftet.
In einer kleinen Anzeige teilte Adori mit, dass an Stelle der SPS Vermögensverwaltungsgesellschaft in Frankfurt jetzt eine Satellite Internet Solutions S.A. (SIS) mit Sitz in Luxemburg Großaktionär ist und insgesamt 74,54 Prozent der Stimmrechte hält. SPS war bisher nur als Treuhandgesellschaft unbekannter Investoren aufgetreten, die Mitte März 53 Prozent an Adori erworben hatten und sich jetzt quasi als SIS zu erkennen geben.
Nach dem neuen Übernahmegesetz muss ein neuer Großaktionär allen freien Aktionären ein Pflichtangebot vorlegen, dass zuvor von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) geprüft wird. Für Schlagzeilen und einen Kurzsturz der Aktie sorgte Anfang Mai die Meldung, dass erstmals das Aufsichtsamt ein Pflichtangebot ablehnte. Die damalige Treuhandgesellschaft SPS konnte nämlich den Finanzierungsnachweis nicht vorlegen.
Pflichtangebot noch in dieser Woche
Wie ein Sprecher des neuen Großaktionärs SIS der Financial Times Deutschland heute auf Anfrage sagte, soll noch in dieser Woche der Aufsichtsbehörde das Pflichtangebot einschließlich der erforderlichen Finanzierungsbestätigung erneut zur Prüfung eingereicht werden. Den Aktionären soll kein Schaden entstehen, weil neben dem Betrag von 2,50 Euro auch Verzugszinsen zu bezahlen sind.
Dem Sprecher zufolge, ist die SIS eine Dach- und Beteiligungsgesellschaft für verschiedene Firmen im Bereich Technologie- und Kommunikation. Vorstandschef sei der Manager Christian Nicolai. Mehrheitsgesellschafter der SIS soll eine nicht näher genannte Schweizer Gesellschaft sein. Die SIS ist eine Gründung der Stollberger Telecom, wobei die Anteile 1999 verkauft wurden. Das Kapital der SIS werde derzeit auf 10 Mio. Euro aufgestockt.
Geschäftsbetrieb liegt brach
Ein erneutes Pflichtangebot an die freien Adori-Aktionäre käme damit unmittelbar vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung am 25. Juni. Seit Wochen gibt es Spekulationen und Verdächtigungen um die Absichten des neuen Großaktionärs, der angeblich vor allem an der Kasse des Unternehmens Interesse habe. Der operative Geschäftsbetrieb ist weitgehend eingestellt.
Zudem hat die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre einen Gegenantrag zur Überprüfung des Kaufs der Arctel AG Anfang Mai durch Adori angekündigt, wobei der Verkäufer die Treuhandgesellschaft SPS war. Die SdK befürchtet, dass durch den über 20 Mio. Euro teuren Kauf die Kleinaktionäre ausgeplündert werden, weil bislang kein Wertgutachten vorliegt. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung im Februar konnte keine Einigung gefunden werden, ob das Unternehmen liquidiert wird oder seinen Geschäftszweck ändern soll.