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Was meint ihr dazu ?
Meine Meinung: Stark übertrieben
Konjunktur-Verlauf: Der Streit um L, V oder U
Der Herausgeber des sehr pessimistischen High-Tech-Strategist-Newsletter, Fred Hickey, nennt seine Kursziele: Dow Jones bei 5.000, NASDAQ bei 1.000, S&P-500 bei 600 Punkten, also noch rundgerechnet jeweils eine Halbierung.
Der NASDAQ bei 1.000 ergäbe ein KGV von ungefähr 50, bezogen auf die letzten 12 Monate. Bei einem Dow-Stand von 5.000 läge das KGV bei ungefähr 10. Das sei aber möglicherweise immer noch nicht alles. Denn diese Gewinn-Vielfachen lägen noch über dem Niveau einiger früherer Bärenmärkte.
Hickey hatte bereits einige Male Treffsicherheit mit seinen düsteren Prognosen bewiesen. So hatte er vor einiger Zeit auf Lagerprobleme aufmerksam gemacht und im Spätjahr für die Computerindustrie die Devise ausgegeben „Nichts wird sie retten“.
Niemand könne heute sagen, ob wir eine Rezession bekommen. „Ich glaube aber sicher, dass wir uns in diese Richtung bewegen. Am Ende wird alles davon abhängen, wo wir auf der Skala zwischen Rezession und Depression herauskommen. Wir werden uns aber in jedem Falle eine sehr lange Zeit in einem solchen Rahmen aufhalten.“
Micron Technology sei noch rund mit dem Faktor vier des Umsatzes bewertet. Im Abschwung von 1995 hätte das Vielfache bei eins gelegen. Auch der Wert des Anbieters von Chip-Equipment Applied Materials notiere noch beim etwa vierfachen des Umsatzes. Damit hier die Relationen auf die Verhältnisse von 1995 zurecht gerückt würden, müsste sich der Aktienkurs dritteln. General Electric sei ebenfalls weit weg von den Bezugsgrößen: In der Depression von 1995 wurde das Unternehmen mit dem Umsatz-Vielfachen von 2 bewertet, in der letzten Rezession von 1990/1991 war die Börsenbewertung Faktor eins des Umsatzes. Heute beträgt die Marktkapitalisierung etwa das sechsfache des Umsatzes. Boeing sähe hingegen mit einem Vielfachen von knapp eins schon recht gut aus. 1995 hatte es bei 0,8 gelegen, 1990/1991 bei 0,5.
Hickey verneint die Möglichkeit einer V-Kontur des weiteren Konjunktur-Verlaufs. „Ein V gäbe es nur bei einer reinen Lagerbereinigung.“ Davon könne keine Rede sein. Heute platzten Investmentblasen, die stets zur Vernichtung von Wohlstand führten. „Je länger sich die Kapitulation vor allem der kleineren Investoren hinzieht, je schwieriger wird eine Erholung.“ Für Hickey gibt es nur eine Antwort auf die Formations-Frage: Das „L“ für einen weiter steil nach unten zeigenden Trend mit anschließender Seitwärtsbewegung.
UBS Asset Management Stratege Jeffrey Diermeier weist auf die Entwicklung an der volkswirtschaftlichen Basis hin: „In einer Situation mit zurückgehenden Investitionen dauert eine Erholung länger als wenn die Leute nur mal eben für einige Monate keine Coke kaufen.“ Auch die Zinssenkungen werden den Sinkflug der Unternehmensgewinne nicht vor Ablauf des dritten Quartals stoppen können. Seine Studien führen zu dem Ergebnis, dass Unternehmen und TK-Serviceprovider über mehr Ausrüstung verfügten als sie gegenwärtig benötigten. Die Angst, beim Internet- und eCommerce-Boom zu spät zu kommen, habe Überkapazitäten geschaffen. Dieses Argument wird auch von anderen Beobachtern angeführt .
Diermeier erwartet keinen L-förmigen Verlauf, wonach die Konjunktur nach steilem Fall lange Zeit seitwärts läuft. Aber auch die V-Formation scheide aus. Sein wahrscheinlichstes Szenario ist das U. Wir bewegten uns gegenwärtig im linken Teil der unteren Rundung. Der aufstrebende Teil der Formation sei noch etwas entfernt. „An einen starken Rebound im zweiten Halbjahr glaube ich nicht.“
Historische Vergleiche, wie sie Hickey vorträgt, sind stets mit Vorsicht zu benießen. Jede Börsensituation ist anders, jede wirtschaftliche Situation hat ihre Besonderheiten. Überbewertungen sind aber zweifellos auch auf dem reduzierten Kursniveau noch vorhanden, die dann zum Problem werden, wenn Wachstumserwartungen sich als nicht realistisch herausstellen.
Autor: Klaus Singer, 09:54 18.03.01
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Meine Meinung: Stark übertrieben
Konjunktur-Verlauf: Der Streit um L, V oder U
Der Herausgeber des sehr pessimistischen High-Tech-Strategist-Newsletter, Fred Hickey, nennt seine Kursziele: Dow Jones bei 5.000, NASDAQ bei 1.000, S&P-500 bei 600 Punkten, also noch rundgerechnet jeweils eine Halbierung.
Der NASDAQ bei 1.000 ergäbe ein KGV von ungefähr 50, bezogen auf die letzten 12 Monate. Bei einem Dow-Stand von 5.000 läge das KGV bei ungefähr 10. Das sei aber möglicherweise immer noch nicht alles. Denn diese Gewinn-Vielfachen lägen noch über dem Niveau einiger früherer Bärenmärkte.
Hickey hatte bereits einige Male Treffsicherheit mit seinen düsteren Prognosen bewiesen. So hatte er vor einiger Zeit auf Lagerprobleme aufmerksam gemacht und im Spätjahr für die Computerindustrie die Devise ausgegeben „Nichts wird sie retten“.
Niemand könne heute sagen, ob wir eine Rezession bekommen. „Ich glaube aber sicher, dass wir uns in diese Richtung bewegen. Am Ende wird alles davon abhängen, wo wir auf der Skala zwischen Rezession und Depression herauskommen. Wir werden uns aber in jedem Falle eine sehr lange Zeit in einem solchen Rahmen aufhalten.“
Micron Technology sei noch rund mit dem Faktor vier des Umsatzes bewertet. Im Abschwung von 1995 hätte das Vielfache bei eins gelegen. Auch der Wert des Anbieters von Chip-Equipment Applied Materials notiere noch beim etwa vierfachen des Umsatzes. Damit hier die Relationen auf die Verhältnisse von 1995 zurecht gerückt würden, müsste sich der Aktienkurs dritteln. General Electric sei ebenfalls weit weg von den Bezugsgrößen: In der Depression von 1995 wurde das Unternehmen mit dem Umsatz-Vielfachen von 2 bewertet, in der letzten Rezession von 1990/1991 war die Börsenbewertung Faktor eins des Umsatzes. Heute beträgt die Marktkapitalisierung etwa das sechsfache des Umsatzes. Boeing sähe hingegen mit einem Vielfachen von knapp eins schon recht gut aus. 1995 hatte es bei 0,8 gelegen, 1990/1991 bei 0,5.
Hickey verneint die Möglichkeit einer V-Kontur des weiteren Konjunktur-Verlaufs. „Ein V gäbe es nur bei einer reinen Lagerbereinigung.“ Davon könne keine Rede sein. Heute platzten Investmentblasen, die stets zur Vernichtung von Wohlstand führten. „Je länger sich die Kapitulation vor allem der kleineren Investoren hinzieht, je schwieriger wird eine Erholung.“ Für Hickey gibt es nur eine Antwort auf die Formations-Frage: Das „L“ für einen weiter steil nach unten zeigenden Trend mit anschließender Seitwärtsbewegung.
UBS Asset Management Stratege Jeffrey Diermeier weist auf die Entwicklung an der volkswirtschaftlichen Basis hin: „In einer Situation mit zurückgehenden Investitionen dauert eine Erholung länger als wenn die Leute nur mal eben für einige Monate keine Coke kaufen.“ Auch die Zinssenkungen werden den Sinkflug der Unternehmensgewinne nicht vor Ablauf des dritten Quartals stoppen können. Seine Studien führen zu dem Ergebnis, dass Unternehmen und TK-Serviceprovider über mehr Ausrüstung verfügten als sie gegenwärtig benötigten. Die Angst, beim Internet- und eCommerce-Boom zu spät zu kommen, habe Überkapazitäten geschaffen. Dieses Argument wird auch von anderen Beobachtern angeführt .
Diermeier erwartet keinen L-förmigen Verlauf, wonach die Konjunktur nach steilem Fall lange Zeit seitwärts läuft. Aber auch die V-Formation scheide aus. Sein wahrscheinlichstes Szenario ist das U. Wir bewegten uns gegenwärtig im linken Teil der unteren Rundung. Der aufstrebende Teil der Formation sei noch etwas entfernt. „An einen starken Rebound im zweiten Halbjahr glaube ich nicht.“
Historische Vergleiche, wie sie Hickey vorträgt, sind stets mit Vorsicht zu benießen. Jede Börsensituation ist anders, jede wirtschaftliche Situation hat ihre Besonderheiten. Überbewertungen sind aber zweifellos auch auf dem reduzierten Kursniveau noch vorhanden, die dann zum Problem werden, wenn Wachstumserwartungen sich als nicht realistisch herausstellen.
Autor: Klaus Singer, 09:54 18.03.01