Es kommt zwar nur auf den Fett gedruckten Teil an, aber der Vollständigkeit halber der Ganze.
Derzeit bietet die Credit Suisse zusammen mit fünf Konkurrenten bei der zum Verkauf ausgeschriebenen BethmannMaffei-Bank mit. Die Tochter der HypoVereinsbank (Xetra:
802200.DE - Nachrichten - Forum) hat sich auf vermögende Kunden spezialisiert. Das ist zwar nicht der große Coup, den Grübel ansprach, eine frühzeitige Positionierung auf dem deutschen Markt würde aber durchaus Sinn (Xetra:
777300.DE - Nachrichten) machen. Ab 2005, wenn per EU-Gesetz die staatlichen Garantien für Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Landesbanken wegfallen, wird sich das margenschwache Filialgeschäft in Deutschland grundlegend verändern. Der Wettbewerbsvorteil der öffentlich-rechtlichen Institute fällt weg. "In den kommenden drei Jahren könnte es günstige Gelegenheiten für Übernahmen geben", spekuliert Grübel.
Als Kandidat Nummer 1 gilt die Commerzbank - vor allem wegen ihrer im Vergleich zur HypoVereinsbank einfachen Struktur der Anteilseigner ohne übermächtige Großaktionäre. Dazu kommt, dass die Aktionärs-Interessengruppe Cobra, die eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit außen stehenden Investoren jetzt zehn Prozent des Aktienkapitals der Commerzbank (Xetra: 803200.DE - Nachrichten - Forum) kontrolliert, an ihrem Ziel festhält, das Profil des Geldhauses grundlegend zu verändern. "Die Commerzbank wird es spätestens in zwei Jahren in ihrer heutigen Form nicht mehr geben", gibt sich Cobra-Sprecher Clemens Vedder kämpferisch. Und lobt die professionelle Zusammenarbeit mit dem neuen Bankchef Klaus-Peter Müller.
Ohne Störfeuer von Seiten Cobra kann es Müller gelingen, die Sanierung der Bank schneller voranzubringen als erwartet. Für das laufende dritte Quartal dämpfte er jedoch erst mal die Erwartungen. Müller rechnet erst gegen Jahresende mit einem Gewinnschub. Nach 300 Millionen Euro Verlust im Vorjahr verspricht er für 2003 unter dem Strich schwarze Zahlen.
Auch die Anleger sind optimistisch, die Commerzbank-Aktie gehörte zuletzt zu den stärksten Titeln im DAX (Xetra: ^GDAXI - Nachrichten) . Die Analysten der Bank Pictet erhöhten das Kursziel im Hinblick auf eine mögliche Übernahme durch die Credit Suisse von 14 auf 17 Euro.
Doch nicht alle Experten sind so zuversichtlich. "Die Credit Suisse muss erst einmal ihre Aktionäre davon überzeugen, dass sie die Fähigkeit besitzt, in einem der schwierigsten Bankenmärkte Europas besser zu sein als die Konkurrenz", glaubt Analyst Vasco Moreno von der britischen Investmentbank Fox Pitt Kelton. So kommen die deutschen Großbanken beim Kreditgeschäft hier zu Lande gerade mal auf einen Anteil von 19,3 Prozent - im Vergleich dazu halten die Großbanken in Großbritannien 35 Prozent des Kreditmarkts.Auch bei den Einlagen der Privatkunden erreichen Deutsche, Commerz- und HypoVereinsbank gerade mal einen Marktanteil von 15,6 Prozent. Und: "Credit Suisse hätte bei der Übernahme einer deutschen Großbank kein Einsparpotenzial, es gibt keine Synergien", gibt Pictet-Analyst Peter Thorne zu bedenken. Dennoch schließt er eine Offerte für die Commerzbank nicht aus.In der Zentrale der Credit Suisse spielte man die Kauflust inzwischen herunter: "Es gibt keine konkreten Akquisitionsziele", heißt es dort.
Auch ohne Übernahmephantasie sind Banken einen Blick wert, vor allem die Commerzbank, meint Deutsche-Bank-Analyst Alexander Hendricks. Gründe seien die Prognosen deutscher Wirtschaftsinstitute für 2004 sowie das Abebben der Pleitewelle im Mittelstand. Die Commerzbank, die wesentlich stärker als die HypoVereinsbank im Kreditgeschäft mit Mittelständlern verankert ist (siehe Tabelle rechts unten), wird von der Genesung des Mittelstands am schnellsten profitieren, meint Hendricks. Auch die Margen bei Krediten an mittelständische Firmen hätten sich spürbar verbessert, sagt der Analyst.
In den kommenden drei Jahren will die Commerzbank eigenen Aussagen zufolge 9000 mittelständische Kunden akquierieren, um ihr Engagement bei Unternehmen mit mehr als 250 Millionen Euro Umsatz von heute 39 Prozent auf 45 Prozent zu erhöhen. Bei der Risikovorsorge ist Bankchef Müller zuversichtlich, die Reserve in diesem Jahr auf eine Milliarde Euro zu begrenzen. 2004 will man dann deutlich darunter liegen. 2002 hatten Kreditausfälle in Höhe von 1,3 Milliarden Euro den Frankfurtern ein dickes Minus beschert.
Für die Coba-Aktie spreche außerdem die im Vergleich zu HypoVereinsbank mit acht Prozent hohe Kernkapitalquote. Sie ist ein Kriterium für die Bonität. Nach Einschätzung von Hendricks liegt die HVB derzeit unter 6,5 Prozent. Durch die Abspaltung der Immobilientocher Real Estate Holding (siehe Kasten) werde die Quote weiter verwässert, meint Hendricks.
Die Deutsche Bank hat derzeit andere Probleme. Josef Ackermann, der die Führungsstrukturen beim mächtigsten Geldinstitut des Landes auf seine Person zugeschnitten hat, muss spätestens Anfang 2004 im Mannesmann/Vodafone (London: VOD.L - Nachrichten) -Prozess antreten. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wirft dem Bankboss und seinen Mitangeklagten Untreue in Zusammenhang mit Abfindungszahlungen an ehemalige Mannesmann-Vorstände vor. Sollte Ackermann rechtskräftig verurteilt werden, würde er seine Banklizenz verlieren.
Am Finanzplatz London wird der anstehende Prozess im Saal L 111 des Düsseldorfer Landgerichts als Zeichen für "typisch deutsche Überregulierung" gedeutet. Dennoch berge der Prozess Risiken: "Wenn Ackermann für schuldig befunden wird, sitzen noch weitere Manager im selben Boot. Das könnte der Auslöser für eine Krise werden", kommentiert Michael Hughes, Chef-Stratege bei Barings Asset Management.
Ackermann selbst, der in der Nähe der Düsseldorfer Filiale der Deutschen Bank (Xetra:
514000.DE - Nachrichten - Forum) bereits ein Büro für seine Tage vor Gericht angemietet hat, gibt sich betont gelassen. "Ich habe nicht die Absicht, die Geschäfte vorübergehend ruhen zu lassen oder zurückzutreten", verkündete der Schweizer unlängst. Experten gehen davon aus, dass Ackermann durchschnittlich zwei Tage die Woche vor Gericht anwesend sein muss. Die vergleichsweise stabile Verfassung der Aktie weist darauf hin, dass die Börsianer keine negativen Auswirkungen auf das Tagesgeschäft erwarten. "Schließlich hat Deutschland selbst genug Probleme, auf die Beine zu kommen. Der Staat kann sich eine gelähmte Deutsche Bank gar nicht leisten", meint ein Analyst.
Im Tagesgeschäft treibt Ackermann, wie angekündigt, die Steigerung der Effizienz mit hohem Tempo voran. So verhandelt das Institut derzeit über den Verkauf von Immobilien im Wert von einer Milliarde Euro. Zusätzlich spart man Milliarden durch eine erweiterte Auslagerung von IT-Dienstleistungen sowie die künftige Abwicklung des Zahlungsverkehrs über die Plattform der Postbank. Und es gibt schließlich auch eine Erfolgsmeldung von der Juristenfront. Die kam aus dem Büro des New Yorker Staatsanwalts Elliot Spitzer. Die E-Mails, die im Rahmen der Analystenskandale an der Wall Street untersucht wurden, enthielten kein Belastungsmaterial gegen die Deutsche Bank.
HYPO REAL ESTATE Münchener Rück verkauftSeit Freitag hat jeder HypoVereinsbank-Aktionär für jedes seiner HVB-Papiere vier zusätzliche Aktien der Tochter Hypo Real Estate (HRE) im Depot. HVB-Chef Dieter Rampl hat damit den heiklen Part der Bank-Sanierung abgeschlossen - den Börsengang der Gesellschaft für gewerbliche Immobilienfinanzierungen.
Am Montag können die Papiere zum ersten Mal an der Börse gehandelt werden, gleichzeitig gibt es den entsprechenden Kursabschlag bei der HVB-Aktie. Experten rechnen eher mit einem schwachen Start des HRE-Papiers. Das Geschäft mit Gewerbeimmobilien wird weiterhin als risikoreich eingestuft. Zudem gibt es bessere Alternativen, die Aareal Bank (Xetra: 540811.DE - Nachrichten - Forum) zum Beispiel. "Für viele HVB-Investoren passen die Aktien nicht zu ihrer Strategie. Sie werden verkaufen", meint Sal.-Oppenheim-Händler Stefan Müller. HVB-Großaktionär Münchener Rück hat das bereits getan und seine Anteile (25,7 Prozent) an Hypo Real Estate an Goldman Sachs (NYSE: GS - Nachrichten) veräußert. Der Erlös wird auf mindestens 335 Millionen Euro beziffert. Auch die ERGO (Xetra:
841852.DE - Nachrichten) -Versicherung stieß ihre Papiere vorzeitig ab. Privatanleger sollten es ihnen gleichtun. Am grauen Markt notierten die Papiere am Freitag zwischen 9,50 und 10,75 Euro.