02. Oktober 2008 Auf dem großen Rettungspaket, das die amerikanische Regierung dem Kongress vorgelegt hat, steht ein Preisschild mit einer Zahl: 700 Milliarden Dollar. „Das entspricht ungefähr 7 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts“, sagt der Wirtschaftshistoriker Harold James von der Princeton University.
Die Staatshilfe in den achtziger Jahren, als die Einlagensicherung für mehr als tausend Spar- und Darlehenskassen (Savings & Loans) einspringen musste, kostete nach einer Studie des Internationalen Währungsfonds deutlich weniger, nämlich brutto 3,7 Prozent des BIP. „Wie hoch aber unter dem Strich die Kosten der aktuellen Rettungsaktion sein werden, lässt sich noch kaum ermessen.“
Dazu müsste man wissen, wie viel Geld der Staat später bei einer Reprivatisierung für die jetzt übernommenen Banken und Häuserkredite erzielen könnte. Optimisten verweisen auf das Beispiel Schweden, das 1992 von angeschlagenen Banken milliardenschwere Vermögenswerte übernahm, später aber sogar mit Gewinn wieder verkaufte. „Diesen Vergleich finde ich aber nicht treffend, weil es in Schweden hauptsächlich um Industrievermögen und Grundstücke von Unternehmen ging, nicht um eine Masse von privaten Wohnhäusern“, sagt Harold James.
„Was wäre die Alternative?“
Die Mehrheit der Amerikaner lehnt offenbar derzeit das Heraushauen („bail- out“) der Banken durch Übernahme der faulen Kredite ab. „Was wäre die Alternative?“, fragt James. „Wenn der Interbankenmarkt völlig austrocknet und es zu einer Kreditklemme kommt, dann wäre wohl eine schwere Rezession die Folge.“
Zum ThemaDas würde viele Unternehmen unter Druck setzen, Vermögenswerte zu verkaufen, um an Liquidität zu kommen. „Wir hätten dann ein großes Deflationsszenario“, sagt James. Die Arbeitslosenquote, die jüngst auf 6,1 Prozent gestiegen ist, könnte in den zweistelligen Bereich schnellen. Wie schwer könnte der Wirtschaftseinbruch werden? „Es gibt das kleine Risiko, dass es wirklich ziemlich unangenehm wird“, sagt James mit britischem Understatement.
Die Warnung vor einer neuen Großen Depression wie in den dreißiger Jahren, als die Arbeitslosenquote auf 25 Prozent stieg, hält er für Angstmacherei. „So schlimm wird es wohl nicht.“ Eher sei im Szenario von Kreditklemme und Rezession mit 2 bis 3 Prozent weniger Wirtschaftsleistung über mehrere Jahre zu rechnen. Verglichen damit, erscheinen die 7 Prozent vom BIP für die Rettungsaktion eher günstig - falls das Paket tatsächlich die Krise zu bereinigen hilft.
Welche Finanzkonzerne in der jüngsten Finanzkrise mit Staatshilfe aus der Krise geholt wurden und auf welche Arten das geschah, erfahren Sie in unserer Bildreportage.
Text: F.A.Z.