Die Lieblingsaktien von Warren Buffet sind optisch günstig - doch die Krise der US-Konsumklassiker ist nicht zu unterschätzen
von Michael Höfling
Happy Meal und Coke bei drei Grad? Den Aktionären der Unternehmen, die diese Produkte anbieten, dürfte der Klassiker der US-Küche zurzeit am allerwenigsten schmecken. Denn die tiefe Krise bei McDonald's und Coca-Cola hat zuletzt vielen Investoren die Performance verdorben, die ihr Depot mit den vermeintlich defensiven Konsumaktien hatten stabilisieren wollen. „Kaufe nur, was du verstehst", predigt Investorenlegende Warren Buffet seit jeher. Bei McDonald's, Coca-Cola und auch Gillette hat es dem „Orakel von Omaha" zuletzt wenig geholfen. Naht das Ende für die „starken Marken" - oder lohnt sich die Spekulation auf einen Turn-around?
„Allen drei Werten wurde lange Zeit ein „Premium" bei der Bewertung zugestanden", sagt John Hatherly, Head of Global Analysis bei der britischen Fondsgesellschaft M & G. „Doch die Unternehmen sind inzwischen an die Grenzen ihres Wachstums gestoßen." Kein Wunder: Es gab Zeiten, da eröffnete alle vier Stunden irgendwo auf der Welt ein neues McDonald's-Restaurant. Inzwischen leuchtet das rot-gelbe Logo über 30 000 Filialen in 121 Ländern hungrigen Fast-Food-Fans den Weg. Der neue Boss Jim Cantalupo bekräftigte am Donnerstag erneut, er habe kein Problem damit, nicht profitable Läden einfach dichtzumachen. „Expansion findet nun vermehrt über Zukäufe und neue Geschäftsfelder statt", sagt John Hatherly. Für diese erhöhten Risiken aber sei ein Aufschlag nicht mehr gerechtfertigt. „Die Aktien sind optisch billig, doch sie notieren mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 23 bis 25 für dieses Jahr deutlich höher als der Gesamtmarkt, der ein KGV von 20 hat. Für Enttäuschungen bleibt da keinerlei Spielraum."
Auch Leif Millarg ist für die Buffet-Lieblinge eher skeptisch gestimmt. „Alle drei Werte leiden natürlich mehr oder weniger stark unter dem nachlassenden Verbrauchervertrauen in den großen Industrieländern", sagt der Fondsmanager der HypoVereinsbank-Tochter Activest. „Speziell Coca-Cola und McDonald's aber haben zudem extrem mit dem Trend zu gesunder Ernährung zu kämpfen", sagt Millarg. „Beim Wasser sind die Margen nun mal geringer als bei Limonade, und ob McDonald's mit seinem jüngsten Ausflug in die Welt von Pizza, Hühnchen und Sandwiches Erfolg haben wird, bleibt auch abzuwarten."
Gleichwohl habe die Aktie des Burger-Bräters das Schlimmste womöglich schon hinter sich, die für kommenden Donnerstag erwartete Bekanntgabe des ersten Geschäftsjahres mit Verlust seit 1965 scheine eingepreist. „Hier können Investoren durchaus eine erste Position aufbauen", sagt Millarg. „Das Unternehmen bietet Restrukturierungsphantasie, und trotz nachlassendem Wachstum sind Markenname und Marktführerschaft natürlich immer noch viel wert." So kann der längere Atem gerade in Zeiten wie diesen, da sich die Burger-Ketten in den USA mit Buletten zu Dumpingpreisen gegenseitig bekriegen, von entscheidender Bedeutung sein.
In der Coke-Aktie dagegen sei noch immer viel von dem Geld „geparkt", das Investoren aus vermeintlich spekulativeren Anlagesegmenten abgezogen hätten. Und gerade in Finanzkreisen hat sich das Unternehmen aus Atlanta zuletzt eher keine Freunde gemacht: Offenbar auf Initiative von Warren Buffet selbst, über seine Investment-Holding Berkshire Hathaway, größter Einzelaktionär, hat Coca-Cola angekündigt, ab sofort keine Voraussagen mehr über die erwarteten Quartals- und Jahresgewinne abzugeben - fast so etwas wie eine Kampfansage an die Analysten.
Die Anleger aus dem Euroland hat der Absturz der Konsumklassiker aus den USA besonders hart getroffen. Denn die Kursverluste wurden durch den zuletzt rasanten Verfall des US-Dollars gegen den Euro noch verstärkt. Wer dafür jetzt ein Engagement in einem der Werte in Betracht zieht, profitiert nicht nur durch den überproportionalen Kursverfall von der starken europäischen Gemeinschaftswährung, sondern auch vom hohen Exportanteil der Global Player. „McDonald's macht weit mehr als die Hälfte seiner Umsätze außerhalb der USA", sagt Leif Millarg, „da ist ein schwacher Dollar eher nützlich."
Bleibt die Frage: Wie geht's weiter mit der Währung? „Kurzfristig wird die Entwicklung beträchtlich von den Ereignissen an der Kriegsfront bestimmt werden", glaubt Ulrich Beckmann, Leiter Global Market Research bei der Deutschen Bank. „Unsere Untersuchung der Kaufkraftparitäten ergibt jedoch eine deutliche Unterbewertung des Euro, so dass wir diese Währung zum Jahresende bei 1,10 sehen." Grundsätzlich aber sollten Anleger primär auf fundamentale Unternehmensdaten schauen. Und da sind sich die Fonds-Experten Hatherly und Millarg einig: „Es gibt Sektoren, die deutlich interessanter sind als der Konsum."
von Michael Höfling
Happy Meal und Coke bei drei Grad? Den Aktionären der Unternehmen, die diese Produkte anbieten, dürfte der Klassiker der US-Küche zurzeit am allerwenigsten schmecken. Denn die tiefe Krise bei McDonald's und Coca-Cola hat zuletzt vielen Investoren die Performance verdorben, die ihr Depot mit den vermeintlich defensiven Konsumaktien hatten stabilisieren wollen. „Kaufe nur, was du verstehst", predigt Investorenlegende Warren Buffet seit jeher. Bei McDonald's, Coca-Cola und auch Gillette hat es dem „Orakel von Omaha" zuletzt wenig geholfen. Naht das Ende für die „starken Marken" - oder lohnt sich die Spekulation auf einen Turn-around?
„Allen drei Werten wurde lange Zeit ein „Premium" bei der Bewertung zugestanden", sagt John Hatherly, Head of Global Analysis bei der britischen Fondsgesellschaft M & G. „Doch die Unternehmen sind inzwischen an die Grenzen ihres Wachstums gestoßen." Kein Wunder: Es gab Zeiten, da eröffnete alle vier Stunden irgendwo auf der Welt ein neues McDonald's-Restaurant. Inzwischen leuchtet das rot-gelbe Logo über 30 000 Filialen in 121 Ländern hungrigen Fast-Food-Fans den Weg. Der neue Boss Jim Cantalupo bekräftigte am Donnerstag erneut, er habe kein Problem damit, nicht profitable Läden einfach dichtzumachen. „Expansion findet nun vermehrt über Zukäufe und neue Geschäftsfelder statt", sagt John Hatherly. Für diese erhöhten Risiken aber sei ein Aufschlag nicht mehr gerechtfertigt. „Die Aktien sind optisch billig, doch sie notieren mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 23 bis 25 für dieses Jahr deutlich höher als der Gesamtmarkt, der ein KGV von 20 hat. Für Enttäuschungen bleibt da keinerlei Spielraum."
Auch Leif Millarg ist für die Buffet-Lieblinge eher skeptisch gestimmt. „Alle drei Werte leiden natürlich mehr oder weniger stark unter dem nachlassenden Verbrauchervertrauen in den großen Industrieländern", sagt der Fondsmanager der HypoVereinsbank-Tochter Activest. „Speziell Coca-Cola und McDonald's aber haben zudem extrem mit dem Trend zu gesunder Ernährung zu kämpfen", sagt Millarg. „Beim Wasser sind die Margen nun mal geringer als bei Limonade, und ob McDonald's mit seinem jüngsten Ausflug in die Welt von Pizza, Hühnchen und Sandwiches Erfolg haben wird, bleibt auch abzuwarten."
Gleichwohl habe die Aktie des Burger-Bräters das Schlimmste womöglich schon hinter sich, die für kommenden Donnerstag erwartete Bekanntgabe des ersten Geschäftsjahres mit Verlust seit 1965 scheine eingepreist. „Hier können Investoren durchaus eine erste Position aufbauen", sagt Millarg. „Das Unternehmen bietet Restrukturierungsphantasie, und trotz nachlassendem Wachstum sind Markenname und Marktführerschaft natürlich immer noch viel wert." So kann der längere Atem gerade in Zeiten wie diesen, da sich die Burger-Ketten in den USA mit Buletten zu Dumpingpreisen gegenseitig bekriegen, von entscheidender Bedeutung sein.
In der Coke-Aktie dagegen sei noch immer viel von dem Geld „geparkt", das Investoren aus vermeintlich spekulativeren Anlagesegmenten abgezogen hätten. Und gerade in Finanzkreisen hat sich das Unternehmen aus Atlanta zuletzt eher keine Freunde gemacht: Offenbar auf Initiative von Warren Buffet selbst, über seine Investment-Holding Berkshire Hathaway, größter Einzelaktionär, hat Coca-Cola angekündigt, ab sofort keine Voraussagen mehr über die erwarteten Quartals- und Jahresgewinne abzugeben - fast so etwas wie eine Kampfansage an die Analysten.
Die Anleger aus dem Euroland hat der Absturz der Konsumklassiker aus den USA besonders hart getroffen. Denn die Kursverluste wurden durch den zuletzt rasanten Verfall des US-Dollars gegen den Euro noch verstärkt. Wer dafür jetzt ein Engagement in einem der Werte in Betracht zieht, profitiert nicht nur durch den überproportionalen Kursverfall von der starken europäischen Gemeinschaftswährung, sondern auch vom hohen Exportanteil der Global Player. „McDonald's macht weit mehr als die Hälfte seiner Umsätze außerhalb der USA", sagt Leif Millarg, „da ist ein schwacher Dollar eher nützlich."
Bleibt die Frage: Wie geht's weiter mit der Währung? „Kurzfristig wird die Entwicklung beträchtlich von den Ereignissen an der Kriegsfront bestimmt werden", glaubt Ulrich Beckmann, Leiter Global Market Research bei der Deutschen Bank. „Unsere Untersuchung der Kaufkraftparitäten ergibt jedoch eine deutliche Unterbewertung des Euro, so dass wir diese Währung zum Jahresende bei 1,10 sehen." Grundsätzlich aber sollten Anleger primär auf fundamentale Unternehmensdaten schauen. Und da sind sich die Fonds-Experten Hatherly und Millarg einig: „Es gibt Sektoren, die deutlich interessanter sind als der Konsum."