Was die Deutschen glauben (Kaum zu glauben)


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vega2000:

Was die Deutschen glauben (Kaum zu glauben)

 
14.05.02 19:53

Die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist ernsthaft der Meinung, es sei allein Aufgabe "des Staates", für genügend Arbeitsplätze zu sorgen. Das ist schwer bedenklich.


Einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid zufolge ist die Hälfte aller Deutschen davon überzeugt, dass die aktuelle Forderung der IG Metall nach 6,5 Prozent mehr Lohn angemessen, wenn nicht gar bescheiden sei. Mehr als die Hälfte der Deutschen hält die Forderungen der Gewerkschaften gegenüber den Arbeitgebern für "in der Regel angemessen".

Gleichzeitig aber glauben nur 30 Prozent der Deutschen, "dass die Gewerkschaften im großen und ganzen die richtigen Rezepte haben, um die Arbeitsmarktlage zu verbessern". Laut Emnid glaubt allerdings gegenwärtig nur jeder fünfte, "dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland in den nächsten Monaten verbessern wird".

Dagegen behauptet mehr als ein Viertel der Befragten, dass sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland eher verschlechtern werde, und die Hälfte erwartet keine Veränderung.

Scheinbar widersprüchliche Umfrageergebnisse

Wie passen diese Umfrageergebnisse zusammen? Wie kann mindestens die Hälfte der Deutschen erwarten, dass sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland weiter verschlechtern oder zumindest nicht bessern wird – und gleichzeitig eine Lohnerhöhungsforderung von 6,5 Prozent für angemessen halten?

Wieso glaubt nur eine Minderheit der deutschen Bevölkerung daran, dass die Rezepte der Gewerkschaften geeignet seien, die Arbeitsmarktlage zu verbessern, während gleichzeitig die Mehrheit glaubt, die Forderungen der Gewerkschaften gegenüber den Arbeitgebern seien in der Regel angemessen?

Sieht nur eine Minderheit der Deutschen einen Zusammenhang zwischen Lohnerhöhungsspielräumen und wirtschaftlicher Lage, zwischen Arbeitsmarktsituation und Lohnniveau? Negieren die meisten Deutschen jeden Zusammenhang zwischen Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung und Lohnentwicklung?

Ein Volk von Kaufkrafttheoretikern?

Oder erkennen sie durchaus einen Zusammenhang, gehören aber in ihrer Mehrheit zum Lager der Kaufkrafttheoretiker unter den Ökonomiegelehrten, die glauben, dass mit Lohnsteigerungen die gesamtwirtschaftliche Kaufkraft steigt, was wiederum die Wirtschaft beflügeln soll?

Vielleicht glauben die Deutschen aber auch nur, es sei schon richtig, dass die Gewerkschaften auschließlich für ihre (beschäftigte) Klientel zuständig seien, während sie sich den Arbeitsmarkt, die Beschäftigung oder gar die Arbeitslosen nicht kümmern müssten.

Wie immer auch Meinungsumfragen dieser Art und ihre Ergebnisse zu interpretieren sind – ermutigend ist es nicht gerade, wenn die Mehrheit der Deutschen offenbar allenfalls einen zu vernachlässigenden Zusammenhang sieht zwischen der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bzw. der Höhe der Arbeitslosenzahl und den Lohnforderungen der Gewerkschaften.

Noch viel bedenklicher: Die meisten Deutschen erkennen offenbar nicht, dass Gewerkschaften und eben auch die Beschäftigten selbst eine Mitverantwortung für die Beschäftigungsentwicklung haben. Diese Haltung – soll man sie Ignoranz nennen? – wird unterstrichen durch ein weiteres sehr bedenkenswertes Ergebnis einer Meinungsumfrage: Die Hälfte der Deutschen ist ernsthaft der Meinung, es sei allein Aufgabe "des Staates", für genügend Arbeitsplätze zu sorgen – unabhängig von wirtschaftlichen Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten.

"Staatlichfürsorgliche" Omnipotenz-Fantasien

Der Fairness halber sei gesagt: Wirklich verwundern kann die durch "Volkes Stimme" dokumentierte Ignoranz gegenüber dem Bewußtsein für Eigenverantwortung jedoch nicht - führt man sich vor Augen, von welch "staatlichfürsorglichen" Omnipräsenz- und Omnipotenz-Fantasien die Denk- und Geisteshaltungen deutscher Politiker geprägt sind.

Man erinnere sich beispielsweise an Kanzler Schröders vollmundiges Wahlversprechen aus dem Jahr 1998: Die Senkung der Arbeitslosenzahl deutlich unter 3,5 Millionen als Maßstab für seine Wiederwahl hielt er damals für angemessen.

Merke: Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient – aber auch jede Regierung hat das Volk, das sie verdient.

Quelle:manage-magazin
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C.Webb4:

Mal wieder deutlich gezeigt,

 
14.05.02 20:08
dass der gemeine Bürger selten grosse Ahnung hat...
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Tradingman:

Das macht es für Politiker einfach

 
14.05.02 20:38
Sie können dem Volk kurzfristige Versprechungen machen, anstatt ihre Politik so zu gestalten, das sie auch mal über eine Legislaturperiode hinaus reicht.

Es ist somit einfach, diesem Volk auf komplexe Probleme mit einfachem Parolen zu antworten, um wiedergewählt zu werden.

Langfristige Reformen, die Deutschland dringend braucht, werden so leider verhindert.
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zombi17:

Ich für meinen Teil , habe schon lange....

 
14.05.02 20:39
...gemerkt , das der gemeine Deutsche , Weltmeister im Mitleid heucheln ist.
Bei Arbeitskämpfen , wo es um Arbeitsplätze geht  , denkt jeder nur , ich war doch eigentlich der bessere Mann , zuerst muß es den und den und den erwischen.
Das habe ich schon öfters erlebt.
Denn plötzlich kämpfen die Leute, die gerettet sind, nicht mehr mit.
Wenn es um die eigene Hose geht , gibt es keine Solidarität.
Solange alle die gleiche Angst haben , mag es die noch geben , aber dann trennt sich die Spreu vom Weizen. "Puh überlebt".
Ich finde es durchaus legitim , aber diese Sprüche der Überlebenden sind teilweise echt gut, da ist der Fantasie keine Grenze gesetzt.
E gibt schon lange keine Gemeinschaft mehr ( Vielleicht wenige Ausnahmen).
Gruß Zombi
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