Warum der Telekomsektor attraktiv bleibt


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Warum der Telekomsektor attraktiv bleibt

 
15.01.03 02:22
Aus der FTD vom 15.1.2003 www.ftd.de/kapital
Das Kapital: Warum der Telekomsektor attraktiv bleibt

Jeder weiß es, aber keiner sagt es. Dass die Börse zeitweise einer verschworenen Gemeinschaft ähnelt, kommt momentan dem Telekomsektor zugute. Es vergeht kaum ein Tag, ohne dass der wiederentdeckte Liebling von einem Broker heraufgestuft oder die positive Einstufung zumindest bestätigt würde.

In der Tat spricht viel für die Branche, vor allem für die Exmonopolisten. Zwei Faktoren stechen hervor: das Makro-Umfeld und die Bewertung. Der erste Aspekt ist schnell abgehandelt. Während Ölpreis und Dollar dem Sektor kaum was anhaben können, profitieren die verschuldeten Betreiber von den niedrigen Zinsen, wobei zumindest ein weiterer EZB-Schritt ausgemacht ist. Da ein guter Teil der Einnahmen weit in der Zukunft gewähnt wird, untermauert schon das die Bewertung. Auch werden die Risikoprämien auf Telekomanleihen wohl weiter schrumpfen, womit die Betreiber Zinsen sparen und die Aktien umso attraktiver werden.

Noch verlockender indes scheint die absolute Bewertung - zumindest in Bezug auf die überschüssigen Mittelzuflüsse. Fast alle Broker sind sich einig, dass bei den Exmonopolisten 2003 nach Investitionen im Schnitt zehn Prozent des Börsenwerts in der Kasse hängen bleiben. Und das ist realistisch. Doch muss man sich das einmal vorstellen. Die Deutsche Telekom beispielsweise bedient einen Schuldenberg von - durchschnittlich etwa - 55 Mrd. Euro, zahlt Steuern, stopft die Voicestream-Löcher und tätigt zumindest die notwendigsten Investitionen. Und trotzdem bleiben rund 5 Mrd. Euro hängen, knapp ein Zehntel des Jahresumsatzes.


Als Wettbewerbshüter kann man da nur noch eins tun: die Nase rümpfen. Gut, vielleicht sollte man die Firmen für eine Weile gewähren lassen, nachdem sie für die UMTS-Lizenzen so geblutet haben. Dass viele Anbieter verschwunden sind und der Sektor weiter konsolidiert, darf den Regulator da doch wohl nicht stören. So ist die Erwartung groß, dass Mobilfunk- wie Festnetzpreise erst mit der massenhaften Verwendung von 3G-Netzen purzeln, wenn also die Kapazitäten für Sprachübertragung explodieren. Da das vor 2006 nicht der Fall ist und bis dahin die Datendienste einspringen, stehen den Betreibern fette Jahre bevor.


Um Telekom-Aktien kommt man daher wohl nicht herum. Nur steht das Fundament auf tönernen Füßen. Der Regulator ist eine Sache. Aber was wird die Telekom wohl machen, wenn sie am Ende des Jahres nur noch einen Buckel von 50 Mrd. Euro hat und wenn es gilt, im UMTS-Markt die Nase vorn zu haben? Investieren. Derweil wird sie - wie viele Konkurrenten - auf Jahre hin ihre Kreditgeber bevorzugen. Dass der Sektor wieder mit dem rund zweifachen Umsatz notiert, ficht die verschworene Börse indes nicht an. Jetzt wird eine Blase aufgepumpt, basta. Abstechen kann man sie zu gegebener Zeit immer noch. Jeder weiß es, aber keiner sagt es.



Alcatel

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Alcatel


Bei Alcatel jedenfalls ist der Weihnachtsmann da gewesen. Noch Mitte Dezember hatte der französische Telekomausrüster für das vierte Quartal einen Umsatz von rund 4,2 Mrd. Euro anvisiert. Das Ergebnis sollte ausgeglichen sein, wenn man von 150 Mio. Euro Abschreibungen auf Lagerbestände absieht. Jetzt sind es 4,5 Mrd. Euro geworden und eine echte schwarze Null; das erste positive Ergebnis seit Anfang 2001. Noch beindruckender ist die Prognose, 2003 wieder einen operativen Gewinn zu schreiben. Serge Tchuruk, dessen Chefsessel gewaltig am Wackeln war, strahlte am Dienstag wieder Zuversicht aus.


Um eine wahrhaftige Entwarnung für die Branche auszurufen, ist es dennoch zu früh. Alcatel scheint Rivalen wie Ericsson, Lucent und Nortel im europäischen Geschäft mit Breitband- und Mobilfunkanlagen Aufträge abgejagt zu haben. Außerdem ist das vierte Quartal immer saisonal stark. Und selbst Tchuruk erwartet, dass der Gesamtmarkt für Telekomausrüstungen dieses Jahr nochmals um 10 bis 15 Prozent schrumpft.


Aber wenigstens haben die Franzosen ihre Kosten im Griff. Der Stellenabbau von knapp 100.000 Mitarbeitern auf 60.000 bis Ende 2003 kommt voran, sodass sich die Kostenbasis von gut 6 Mrd. Euro pro Quartal fast halbiert. Die Reorganisation in drei neue Sparten dürfte einen größeren Fokus auf hoffentlich margenträchtigere Dienstleistungen wie Beratung nach sich ziehen, obwohl die Wettbewerber den gleichen Weg einschlagen. Und die Bilanz sieht immer besser aus. Dank des Nettoumlaufvermögens und des besseren Cash-Flows im vierten Quartal hat die Gruppe momentan gar keine Schulden mehr und wird - nach weiteren Restrukturierungskosten - bis Ende des Jahres wohl mit nur rund 1 Mrd. Euro in der Kreide stehen.


Nach dem Kurssprung vom Dienstag von 17,3 Prozent kostet Alcatel wieder mehr als den 0,5fachen Umsatz, was beileibe nicht billig ist. Aber der Konzern scheint sich wenigstens stabilisiert zu haben, und das muss die Konkurrenz erst einmal nachmachen.


kapital@ftd.de



© 2003 Financial Times Deutschland , © Illustration:  FTD
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