NEW YORK. Es ist die Mehrzahl der US-Großbanken, die die Finanzkrise an den Rand des Abgrundes oder sogar darüber hinaus geführt hat. Nur wenige haben widerstanden oder sogar gewonnen. Goldman Sachs ist so ein Fall. Wegen seiner Fähigkeit jeden mehr oder weniger freundschaftlich zu umschlingen, wird das Investmenthaus in den USA inzwischen als „Killerkrake“ bezeichnet. Anders steht JPMorgan da – eine der ältesten Banken der USA, scheint alles richtig gemacht zu haben.
Das riesige Finanzkonglomerat ist mit Macht zu Milliardengewinnen zurückgekehrt. Dem nach Börsenwert größten US-Institut ist es dabei gelungen, sein Image in der Öffentlichkeit intakt zu halten. Durch zwei – nicht ganz uneigennützige – Notfallübernahmen von Wettbewerbern gilt die Bank heute als Retter des Finanzsystems.
Dem Hauptverantwortlichen für den JP-Morgan-Erfolg, Bankchef Jamie Dimon, wurde dafür mitten in der Finanzkrise mit einer Biographie auch noch ein literarisches Denkmal gesetzt. „Er ist ein Held“, schrieb der angesehene Finanzjournalist Duff MacDonald in „Last Man Standing“ über Dimon. Das Institut mit seiner bis 1823 zurückgehenden Geschichte steigerte seinen Gewinn in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 70 Prozent auf 8,4 Mrd. Dollar, weil es vor der Krise mit Glück und Geschick Fehler der Konkurrenten vermied. Die Grundlage für den Erfolg legte Dimon nach Übernahme der Chefposition 2005 mit seiner Weigerung, die milliardenschwere Kriegskasse des Hauses mitten im Boom wie von Analysten gefordert für Zukäufe zu verwenden. „Wir glauben, dass man interessante Dinge tun kann, wenn man in schwierigen Zeiten stark ist“, sagte er damals.
Gleichzeitig gelang es JP Morgan Fehler der Konkurrenz nicht zu wiederholen. So zog sich die Bank 2006 aus komplexen Verbriefungen (synthetischen CDOs) zurück, eine der Wertpapiergattungen, die später Merrill Lynch das Genick brach. Allerdings hatte JP Morgans CDO-Ausstieg profane Gründe. Das Management sah sich in dem Geschäft von der Konkurrenz abgehängt. „Ich würde gerne behaupten, wir hätten die Probleme kommensehen, aber das wäre eine Lüge. Es war einfach so, dass wir die Rendite nicht hatten“, sagt Bill Winter, damals Leiter der Investmentbank des Instituts. Weitsicht führte dagegen dazu, dass JP Morgan sein Subprime-Portfolio verkaufte. Dimon, waren die Ausfallraten bei Darlehen an ärmere Bevölkerungsgruppen unheimlich geworden.
Auch wenn JP Morgan später Milliarden auf Kreditkarten und Hypotheken abschreiben musste, stand die Bank also zu Beginn der Krise besser da als die meisten Konkurrenten und konnte diese Stärke für günstige Übernahmen nutzen. So kaufte das Institut im März 2008 mit Hilfe von Garantien des Staates die kollabierende Investmentbank Bear Stearns. Mit einem Schlag katapultierte sich JP Morgan so in die allererste Liga der Wall Street. Ein halbes Jahr später wurde JP Morgan wieder zu Hilfe gerufen und erwarb mit Staatsunterstützung Washington Mutual, die größte Bank die jemals in den USA zusammengebrochen ist. Mit einem Schlag war JP Morgan damit das größte US-Einlageninstitut. Beide Akquisitionen bewahrten das Finanzsystem vor den Belastungen einer Bankinsolvenz.
Zum Siegerimage der Bank trägt auch bei, dass sich die Öffentlichkeit in ihrer Kritik an den „gierigen Bankern“ auf Wall-Street-Primus Goldman eingeschossen hat. JP Morgan, dessen Bonus-Pool sich auf weit mehr Angestellte verteilt und daher weniger Aufmerksamkeit erregt, segelt bislang im Windschatten der Erregung über die sich abzeichnenden Rekordboni bei Goldman. „Das hat sicher auch mit der Dankbarkeit in der Öffentlichkeit für die beiden Rettungsaktionen für Bear Stearns und Washington Mutual zu tun“, sagt ein Wall-Street-Baner. „Aber warten wir ab, wie lange die Dankbarkeit anhält.“
In der nächsten Folge lesen Sie: UK: Wie Barclays die Krise meistert
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Gruss Albay