Wahl? Andere Faktoren sind entscheidend!


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daxbunny:

Wahl? Andere Faktoren sind entscheidend!

 
19.09.05 18:46

Wahl? Andere Faktoren sind entscheidend!

von Jochen Steffens

Nach der Wahl: Alle denkbaren Varianten/Koalitionen werden von der ein oder anderen Seite abgelehnt. Das würde für mich bedeuten: Neuwahl. Nur, das wird von allen Parteien ausgeschlossen. "Und jetzt?", fragt sich der verwunderte Börsianer?

Genauso reagiert die Börse, erst einmal der mickrige Panikverkauf am Morgen und dann, viel zu früh, der optimistische Anstieg. "Hallo?", möchte man da fragen, "es ist noch nichts entschieden!" Große Unsicherheit ist alles, was übrig geblieben ist.

Ich tippe auf Neuwahlen ...

Und wen interessiert's?

Kann es sein, dass die Börse einfach keine Lust hat, sich an diesem politischen Hickhack zu beteiligen? Frei nach dem Motto: "Aktien in Deutschland sind billig, irgendwie werden die schon weiterregieren, wie auch immer – bis dahin kaufen wir, bis nichts mehr da ist?" Man muss auch das natürlich als ein bullishes Zeichen werten. Trotz allem, obwohl ich weiß, dass ich immer darauf hingewiesen habe, dass der Ausgang der Wahl wenig Auswirkungen auf die Börsen hat, kann ich nicht leugnen, dass ich doch ein wenig überrascht bin, wie mickrig die Reaktion auf dieses seltsames Wahlergebnis ausgefallen ist – bisher.

Politische Börsen mögen zwar kurze Beine haben, aber so lange hier keine Klarheit herrscht, kann noch die ein oder andere Nachricht die Kurse erschüttern. Allerdings ist die Börse für Ereignisse, die in der Vergangenheit liegen, wenig zu begeistern. Die Wahl ist nun gelaufen, hier können kaum noch Überraschungen auf uns zukommen. Und ganz ehrlich, die Blicke der Investoren sind wie eh und je auf die Amis gerichtet – hier wird letztlich entschieden, wie die Märkte weitergehen.

Der Blick geht in die USA

Denn abseits aller Innenpolitik, die makroökonomischen Entwicklungen werden in den USA entschieden, das ist so und das wird auch noch eine Weile so bleiben, der Rest sind Nuancen.

Und in den USA hat sich am Freitag Erfreuliches gezeigt. Nach dem Verfall zogen die Märkte zum Handelsschluss hin an. Zum einen werden Shorties ihre Positionen zurückgekauft haben, zum anderen sind aber sicherlich auch erste Zocker eingestiegen.

Das kann ein sehr positives Zeichen sein, dazu bedarf es aber noch einer Bestätigung. Wie ich bereits letzte Woche sagte, die heutige Woche wird entscheiden. Morgen wird die Fed über einen weiteren Zinsschritt entscheiden. Der Kommentar hierzu wird sehr wichtig werden. Insgesamt erkenne ich jedoch zunehmend bullishe Signale in den USA.

Nur noch ein Konfliktfaktor bleibt übrig:

Eine Nachricht, die hier in Deutschland im allgemeine Wahlchaos untergegangen ist: Nordkorea ist neuesten Meldungen zufolge bereit, auf sein Atomprogramm zu verzichten und wieder dem Atomwaffensperrvertrag beizutreten. Im Gegenzug erhält das Land umfangreiche Sicherheitsgarantien und Öllieferungen.

Damit ist einer der großen möglichen weltweiten Konfliktpotentiale bereinigt. Nun bleiben nur noch zwei: Iran und Taiwan. Dabei fällt Taiwan, wie schon berichtet, im Moment auch erst einmal aus: Zum einen aufgrund der Olympischen Spiele in Peking 2008, zum anderen hatte China angekündigt, den Ausbau der strategischen Öl-Reserven auszusetzen. Beides spricht nicht dafür, dass hier bald etwas passiert. Also bleibt noch der Iran:

Hier soll der Konflikt nun vor dem UN-Sicherheitsrat landen. Das bleibt damit der zurzeit einzig relevante Konfliktfaktor, der das theoretische Potential hat, in einem Krieg zu münden. Nach den letzten Äußerungen des Irans belastet dies die Börsen noch. Wenn der Iran-Faktor auch noch wegfällt, dann ist der Weg für schnell steigende Börsen frei. Vielleicht werden Sie sich fragen, was diese potentiellen Konflikte mit der Börse zu tun haben? Nun, offenbar wird es mal wieder Zeit für das Steffensche Nähkästchen:

Geldwerter Nähkästchentipp:

Viele Investoren achten nur auf die kursrelevanten kurzfristigen Nachrichten an den Börsen. Um die größeren Zusammenhänge zu verstehen, sollten Sie allerdings auf ganz einfache geopolitische Faktoren achten. Wenige Investoren wissen, dass die Börsen auf mögliche internationale Konflikte viel stärker reagieren, als auf nationale, politische Kapriolen, Naturkatastrophen, Unternehmensgewinne, Verluste, Zinsen, Devisen etc.

Aus makroökonomischer Sicht kann man, um es mal sehr zu vereinfachen, sagen: Droht ein Konflikt, nehmen die geopolitischen Unsicherheiten zu, dann fallen die Börsen, sehen wir friedlichen Zeiten entgegen, dann steigen die Börsen.

Erfahrungen aus der Vergangenheit aus einem ganz anderen Blickwinkel

Ein Beispiel dazu: Nach der Übertreibung im 2000 konsolidierte die Börse (ich nehme nun einmal wieder den Dow als Beispiel) ganz normal in einer abwärtsgerichteten Bewegung, die durchaus eine bullishe Flagge hätte werden können.

Durch den Anschlag am 11. September 2001 rutschte der Kurs direkt auf das normale "bullishe" Korrekturpotential, auf das 61,8 Fibonacci-Retracement, wenn man den Anstieg im Dow seit 1994 betrachtet (ungefähr ein Drittel des bisherigen Aufwärtstrends) . Bis dahin war die Welt noch in Ordnung – charttechnisch und geopolitisch. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte man tatsächlich davon ausgehen müssen, dass der Dow sein 2000er Hoch überwinden wird. Und so stieg die Börse nach dem Anschlag auch zunächst dramatisch an. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum sie danach wieder so gefallen ist?

Als deutlich wurde, dass ein Afghanistan-Krieg anstand und dann auch noch ein Irak-Krieg drohte, reagierte die Börse auf diese Unsicherheiten. Wer will denn in solchen Fällen sein Geld in der Börse haben? Man sichert sich lieber anderweitig ab.

Erst als der Irak-Krieg anfing, das Ereignis also eintrat, über das die Börsen "gefallen" waren, stiegen die Kurse wieder. Nach dem Irak-Krieg schien die geopolitische Welt erst einmal in Ordnung, soweit, schließlich war es zu keinem Flächenbrand gekommen, die umliegenden Länder hatten still gehalten, der Ölpreis normalisierte sich, etc.

Als dann jedoch der Konflikt mit Nordkorea zunahm und sich der Atomkonflikt mit dem Iran abzeichnete, reagierten die amerikanischen Börsen auch mit einer vielleicht sorgenvollen Seitwärtsbewegung, nicht jedoch mit einem besorgten Abverkauf.

Wenn nun noch die Probleme im Iran gelöst würden, dann müssten wir davon ausgehen, dass die Börsen einfach wieder weiter steigen. Und zwar so lange, bis neue geopolitische Unsicherheiten sich abzeichnen.

Einfach, aber funktional

Sie meinen, das sei zu einfach gedacht, ein zu einfaches Modell von der Börse? Dann machen Sie sich doch einmal die Mühe und überprüfen diese These im historischen Kontext, Ihnen werden Kronleuchter aufgehen.

Man muss also eigentlich den Satz: "Kaufe, wenn die Bomben fallen!" erweitern, um das wirkliche Spektrum zu verstehen: "Verkaufe drohende geopolitische Unsicherheiten, und kaufe die Hoffnung auf geopolitische Sicherheit."

Natürlich spielen vielen andere Faktoren (z.B. Ölpreis) auch wichtige Rollen, aber um eine grundsätzliche Ausrichtung der Börsen zu analysieren, ist dies ist ein sehr verlässlicher Indikator.

Antworten
nordex:

Aber bitte nicht mit Angi...... o. T.

 
19.09.05 18:49
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