Wachstum nach oben korrigieren
Inside London
Von Mike Young
Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum in 2002 sind nach wie vor sehr unsicher, aber es gibt klare Hinweise darauf, dass die Lagerbestände in einigen Marktsegmenten wieder aufgestockt werden. Dies hat die Ökonomen bei Goldman Sachs veranlasst, ihre Wachstumsprognosen zu erhöhen. Trotzdem glaube ich immer noch, dass die Gewinnerwartungen für den europäischen Aktienmarkt deutlich zu hoch sind und es in stark konjunkturabhängigen Bereichen des Marktes wie zum Beispiel dem Technologie- und Energiesektor zu einer deutlichen Abwärtsrevision der Gewinnerwartungen kommen kann. Angesichts dieses Risikos und unserer Einschätzung, dass der Markt um 20 bis 30 Prozent überbewertet ist, dürfte ein Anstieg des Kursniveaus schwer zu erreichen sein. Unserer Auffassung nach wird der Korridor, in dem sich die Aktien seit der ersten Septemberhälfte bewegen - 360 bis 385 Punkte beim FTSE Europe (Euro) und 1015 bis 1095 Punkte beim MSCI Europe -, bis weit ins erste Quartal hinein bestehen bleiben und möglicherweise nach unten durchbrochen werden.
Wegen des derzeitigen Trends, die Wirtschaftswachstumsprognosen nach oben zu revidieren, werde ich möglicherweise meine Gewinnprognosen für 2002 erhöhen müssen, und das Risiko möglicher Enttäuschungen könnte sich abschwächen. Den aktuellen Prognosen zufolge wird die Industrieproduktion in den OECD-Ländern - die wichtigste Konjunkturmaßzahl in meinen Gewinnmodellen - in 2002 um zirka ein Prozent zurückgehen. Davon ausgehend weisen meine Gewinnmodelle auf einen durchschnittlichen Rückgang der Gewinne je Aktie um sieben Prozent hin. Dem steht eine Konsenserwartung gegenüber, dass diese im Durchschnitt um 14 Prozent steigen werden. Bei einer Zunahme der Industrieproduktion um ein Prozent steigen die Gewinne normalerweise um zirka vier Prozent. Nach den Modellen müsste die Industrieproduktion um zirka vier Prozent steigen, damit die Gewinne auf das den Konsenserwartungen entsprechende Niveau steigen. Damit sie auf ihrem jetzigen Stand bleiben, müsste die Industrieproduktion um zirka ein Prozent erhöht werden. Legt man Schätzungen zum Produktionsrückgang in den letzten Monaten des vorigen Jahres zu Grunde, müsste die Produktion von Dezember 2001 bis Dezember 2002 um zirka sieben Prozent steigen, damit sich im Jahresvergleich eine Zunahme um ein Prozent ergibt.
Ich glaube, daß in den nächsten Wochen Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung und die Enttäuschung über deren Ausmaß und zeitlichen Verlauf die Anleger beschäftigen und für eine weiterhin sehr hohe Rotation zwischen den verschiedenen Sektoren sorgen werden. In meinem Modellportfolio sind die defensiven Marktsegmente tendenziell stärker gewichtet, aber die Branchenrotation könnte hoch sein, und die Anleger sind möglicherweise gezwungen, häufig Positionen einzugehen und wieder aufzulösen, um eine entsprechende Wertentwicklung zu erzielen. In diesem Zeitraum könnte sich der Schwerpunkt am Markt rasch zwischen Kurspotenzial, Wachstum und Gewinndynamik hin und her bewegen.
Ausgehend von unserer derzeitigen Erwartung, dass die von uns erwartete Abwärtsrevision der Gewinne bis dahin weitgehend abgeschlossen sein wird, glaube ich nicht, dass sich die Kurse bis weit über das erste Quartal hinaus in dem jetzt beobachteten Korridor bewegen werden. Angesichts rückläufiger Kurse habe ich damit begonnen, meine Engagements in konjunktursensitiven Sektoren zu erhöhen.
Dazu habe ich als Erstes die Gewichte der Grundstoffindustrie erhöht, wo wir in Bezug auf Kursniveau und die positiven Effekte des Lageraufbaus zuversichtlicher sind als bei anderen zyklischen Wirtschaftszweigen, die stärker vom Konsum und den Unternehmensinvestitionen abhängig sind. In der letzten Woche habe ich in unserem Modell das Gewicht der Bereiche Papier und Metall erhöht.
In den Sektoren Technologie, Medien und Telekommunikation halte ich zwar an einer Untergewichtung fest, habe aber begonnen, meine Positionen im Softwaresektor und dort, wo der Druck, bei den Kosten flexibel zu bleiben und die Produktivität ihrer IT-Investitionen zu erhöhen, die Unternehmen zu Investitionen veranlassen wird, aufzustocken.
In meinem Modellportfolio sind defensive Segmente -- insbesondere Getränke, Tabak und Pharma - weiterhin am deutlichsten übergewichtet. Am stärksten untergewichtet sind dagegen die Bereiche Energie und Technologieausrüstungen. Ich glaube, dass dies solange sinnvoll ist, bis die Gewinnerwartungen in den besonders konjunkturabhängigen Sektoren deutlich zurückgehen.
Mike Young, Goldman Sachs International
Inside London
Von Mike Young
Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum in 2002 sind nach wie vor sehr unsicher, aber es gibt klare Hinweise darauf, dass die Lagerbestände in einigen Marktsegmenten wieder aufgestockt werden. Dies hat die Ökonomen bei Goldman Sachs veranlasst, ihre Wachstumsprognosen zu erhöhen. Trotzdem glaube ich immer noch, dass die Gewinnerwartungen für den europäischen Aktienmarkt deutlich zu hoch sind und es in stark konjunkturabhängigen Bereichen des Marktes wie zum Beispiel dem Technologie- und Energiesektor zu einer deutlichen Abwärtsrevision der Gewinnerwartungen kommen kann. Angesichts dieses Risikos und unserer Einschätzung, dass der Markt um 20 bis 30 Prozent überbewertet ist, dürfte ein Anstieg des Kursniveaus schwer zu erreichen sein. Unserer Auffassung nach wird der Korridor, in dem sich die Aktien seit der ersten Septemberhälfte bewegen - 360 bis 385 Punkte beim FTSE Europe (Euro) und 1015 bis 1095 Punkte beim MSCI Europe -, bis weit ins erste Quartal hinein bestehen bleiben und möglicherweise nach unten durchbrochen werden.
Wegen des derzeitigen Trends, die Wirtschaftswachstumsprognosen nach oben zu revidieren, werde ich möglicherweise meine Gewinnprognosen für 2002 erhöhen müssen, und das Risiko möglicher Enttäuschungen könnte sich abschwächen. Den aktuellen Prognosen zufolge wird die Industrieproduktion in den OECD-Ländern - die wichtigste Konjunkturmaßzahl in meinen Gewinnmodellen - in 2002 um zirka ein Prozent zurückgehen. Davon ausgehend weisen meine Gewinnmodelle auf einen durchschnittlichen Rückgang der Gewinne je Aktie um sieben Prozent hin. Dem steht eine Konsenserwartung gegenüber, dass diese im Durchschnitt um 14 Prozent steigen werden. Bei einer Zunahme der Industrieproduktion um ein Prozent steigen die Gewinne normalerweise um zirka vier Prozent. Nach den Modellen müsste die Industrieproduktion um zirka vier Prozent steigen, damit die Gewinne auf das den Konsenserwartungen entsprechende Niveau steigen. Damit sie auf ihrem jetzigen Stand bleiben, müsste die Industrieproduktion um zirka ein Prozent erhöht werden. Legt man Schätzungen zum Produktionsrückgang in den letzten Monaten des vorigen Jahres zu Grunde, müsste die Produktion von Dezember 2001 bis Dezember 2002 um zirka sieben Prozent steigen, damit sich im Jahresvergleich eine Zunahme um ein Prozent ergibt.
Ich glaube, daß in den nächsten Wochen Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung und die Enttäuschung über deren Ausmaß und zeitlichen Verlauf die Anleger beschäftigen und für eine weiterhin sehr hohe Rotation zwischen den verschiedenen Sektoren sorgen werden. In meinem Modellportfolio sind die defensiven Marktsegmente tendenziell stärker gewichtet, aber die Branchenrotation könnte hoch sein, und die Anleger sind möglicherweise gezwungen, häufig Positionen einzugehen und wieder aufzulösen, um eine entsprechende Wertentwicklung zu erzielen. In diesem Zeitraum könnte sich der Schwerpunkt am Markt rasch zwischen Kurspotenzial, Wachstum und Gewinndynamik hin und her bewegen.
Ausgehend von unserer derzeitigen Erwartung, dass die von uns erwartete Abwärtsrevision der Gewinne bis dahin weitgehend abgeschlossen sein wird, glaube ich nicht, dass sich die Kurse bis weit über das erste Quartal hinaus in dem jetzt beobachteten Korridor bewegen werden. Angesichts rückläufiger Kurse habe ich damit begonnen, meine Engagements in konjunktursensitiven Sektoren zu erhöhen.
Dazu habe ich als Erstes die Gewichte der Grundstoffindustrie erhöht, wo wir in Bezug auf Kursniveau und die positiven Effekte des Lageraufbaus zuversichtlicher sind als bei anderen zyklischen Wirtschaftszweigen, die stärker vom Konsum und den Unternehmensinvestitionen abhängig sind. In der letzten Woche habe ich in unserem Modell das Gewicht der Bereiche Papier und Metall erhöht.
In den Sektoren Technologie, Medien und Telekommunikation halte ich zwar an einer Untergewichtung fest, habe aber begonnen, meine Positionen im Softwaresektor und dort, wo der Druck, bei den Kosten flexibel zu bleiben und die Produktivität ihrer IT-Investitionen zu erhöhen, die Unternehmen zu Investitionen veranlassen wird, aufzustocken.
In meinem Modellportfolio sind defensive Segmente -- insbesondere Getränke, Tabak und Pharma - weiterhin am deutlichsten übergewichtet. Am stärksten untergewichtet sind dagegen die Bereiche Energie und Technologieausrüstungen. Ich glaube, dass dies solange sinnvoll ist, bis die Gewinnerwartungen in den besonders konjunkturabhängigen Sektoren deutlich zurückgehen.
Mike Young, Goldman Sachs International