EM-TV: Neues von der Hauptversammlung
Der neue EM.TV Boss Werner Klatten kündigte auf der Hauptversammlung in München einen harten Sanierungskurs an und versprach den Aktionären schwarze Zahlen bis 2003.
Dies waren die wesentlichsten Neuigkeiten die Finance Online bei der turbulenten Veranstaltung wahrnehmen konnte. Im übrigen hörte man, mehr oder weniger, bereits bekanntes von und über EM-TV.
Das angeschlagene Medienunternehmen soll nach dem Willen seines neuen Vorstandschefs Werner Klatten in erster Linie über den Verkauf weiterer Beteiligungen saniert werden. Er glaube an das Potenzial des Unternehmens, betonte Klatten vor 3.000 Aktionären. EM.TV sei aber aus heutiger Sicht überdimensioniert und habe sich vom Kerngeschäft entfernt.
Die Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats wurde mit rund 97% der Stimmern auf die nächste Hauptversammlung vertagt. EM.TV-Aufsichtsratschef Bernd Thiemann hatte betont, dass darüber erst abgestimmt werden könne, sobald die Neustrukturierungsmaßnahmen gegriffen hätten. Ein Antrag der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auf eine Sonderprüfung wurde zur Abstimmung nicht zugelassen. Die Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt hatte darauf hingewiesen, dass nur eine Sonderprüfung eine Vertagung der Entlastung des Vorstands rechtfertigen könne.
Nach Klattens Worten soll das Unternehmen in einem akzeptablen Zeitraum von zwölf Monaten neu aufgestellt werden. Mit den aus Beteiligungsverkäufen zufließenden Mitteln könnten unterbewertete Medientitel erworben werden. Dem Vorstand sei bereits eine Vielzahl von Angeboten unterbreitet worden, sagte Klatten, der das Vorstandsamt spätestens Anfang nächsten Jahres übernehmen will.
Die Formel-1-Beteiligung von EM.TV soll verkauft werden, weil einerseits die Überlappung mit anderen Geschäftsfeldern groß zu sei und sich andererseits ein "signifikanter Erlöszufluss" ergeben würde. Auch die 45-prozentige Beteiligung an der TeleMünchen Gruppe (TMG) sei eine "wertvolle Unterbeteiligung", sagte Klatten.
Klatten wehrte sich zugleich gegen Vermutungen, er sei nur ein Strohmann. "Ich stehe für mich allein, ohne strategischen Investor und damit ohne Kirch", sagte er. EM.TV werde unabhängig seinen Weg gehen. Zuvor war gemunkelt worden, Klatten sei der Strohmann der KirchGruppe. Daniela Bergdolt von der DSW warnte indes davor, zu glauben, dass das Überleben von EM.TV bereits gesichert sei, während Klaus Schneider von der SdK die Strategie Klattens als "nicht sehr erhellend" bezeichnete.
Nach Angaben von Finanzvorstand Rolf Rickmeyer belaufen sich die aktuellen Bankschulden des Unternehmens auf rund 195 Mio.DM. Auch im laufenden Geschäftsjahr rechnet Rickmeyer mit einem Verlust. Ferner teilte er mit, dass zum jetzigen Zeitpunkt 50 Klagen von 190 Aktionären gegen EM.TV vorlägen. Die Schadenersatzforderungen summierten sich auf 7 Mio.DM, wobei er jedoch von einer Klageabweisung ausgehe. –KMR-