Vorsicht: Analysten


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Nassie:

Vorsicht: Analysten

7
02.09.06 18:33
Hören Sie lieber nicht auf Ihren Analysten
Sie firmieren als hoch bezahlte Experten. Und doch fischen Analysten mit ihren Kursprognosen oft im Trüben. Dies bestätigt eine Untersuchung von WELT.de.
Von Daniel Eckert

Berlin - Irgendein Spötter in Frankfurt soll Analysten mal "Gorillas im Nebel" genannt haben. Fest steht, dass die hoch bezahlten Fachleute am Kapitalmarkt - Jahresgehälter von 200 000 Euro sind für Spitzenkräfte keine Seltenheit - mit ihren Kursprognosen oft ebenso im Trüben fischen wie die Amateure.

Das bestätigt eine Analyse von WELT.de: Demnach wären Anleger diesen Sommer besser gefahren, auf die bei Analysten unbeliebtesten Dax-Aktien zu setzen. Mit den Darlings der Auguren hätten sie dagegen eine im Vergleich zum Index leicht unterdurchschnittliche Wertentwicklung erzielt.

"Eine Vielzahl von Kaufempfehlungen allein ist keine ausreichende Basis für eine Investmententscheidung", sagt Wolfgang Mayr, Lenker des Aktienfonds WM Aktien Global UI. Und Thiemo Lang, Fondsmanager bei der Schweizer Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch (LODH) ergänzt: "Sich bei Aktienkäufen und -verkäufen ohne weiteres Hinterfragen auf den Analystenkonsens zu verlassen, zahlt sich in der Regel nicht aus."

Gegen den Konsens zu handeln hätte sich gelohnt

Tatsächlich wären Anleger, die Ende Juni, also nach dem Ende der Marktturbulenzen, gegen den Konsens gehandelt und die zehn unbeliebtesten Werte im deutschen Börsenbarometer geordert hätten, mit einer Outperformance von 3,2 Prozent gegenüber dem Index belohnt worden. Wer sich indes an die Profis hielt, schnitt mit seinem Favoritendepot sogar etwas schlechter ab als der Index. Grundlage für den ermittelten "Beliebtheitsgrad" einer Aktie waren die vom Finanzinformationsdienst Bloomberg gesammelten Dax-Analystenempfehlungen zum 30. Juni 2006.


Konkret verzeichneten die zehn von Branchenexperten favorisierten Papiere des Index in den vergangenen zwei Monaten eine durchschnittliche Wertentwicklung von 3,1 Prozent. Die zehn "Außenseiter" der Auguren legten im Mittel 6,5 Prozent zu. Der Dax stieg im gleichen Zeitraum um 3,3 Prozent.

Irrtum mit der VW-Aktie

Besonders eklatantes Beispiel für eine Fehleinschätzung ist die Volkswagen-Aktie. Bei dem Autobauer-Papier konnten sich Ende Juni nur 36 Prozent der Profis zu einer "Kauf-Empfehlung" durchringen, ein gutes Fünftel votierte für "Verkaufen". Seither ist der VW-Kurs um 13,9 Prozent geklettert - stärker als jeder andere Dax-Titel außer FMC (mit 52 Prozent "Kauf-Empfehlungen"). Die größte Enttäuschung bescherte Anlegern dagegen die Siemens-Aktie. Sie hat seit Ende Juni 2,5 Prozent an Wert verloren - obwohl damals 80 Prozent der Experten zum "Kaufen" aufriefen. Auch bei der Commerzbank und Adidas wurde das Kurspotenzial deutlich überschätzt.

Beobachter führen für diesen Mangel an Mehrwert diverse Gründe an: "Viele Analysten sind Trendfolger. Sie empfehlen jene Werte zum Kauf, die gerade in sind", sagt Joachim Paech, Stratege bei Prime Asset Management. Je größer das allgemeine Lob für eine Firma und ihre Aktie, desto weniger seien die Profis geneigt, sich gegen die vorherrschende Meinung zu stellen.

Nicht frei von Interessenkonflikten

Zudem sind Analysten nicht immer frei von Interessenkonflikten. Wenn die Investmentbank, für die der Branchenexperte arbeitet, für das analysierte Unternehmen noch eine Anleihenplatzierung vornehmen oder eine Übernahme organisieren will, kann die Expertise schon einmal positiver ausfallen als eigentlich gerechtfertigt. Solche Interessenkonflikte müssen zwar seit einigen Jahren offengelegt werden, das verhindert aber nicht, dass sie weiter bestehen und Analystenempfehlungen beeinflussen.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Einschätzungen der Profis der tatsächlichen Situation in Unternehmen und Volkswirtschaft meist ein Stück hinterherhinken. "Wenn es die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass sich die Geschäftslage verschlechtert, haben Analysten einen Titel oft noch auf "Kaufen", gibt es doch keine offizielle Bestätigung des Managements für die Eintrübung", moniert Paech. Erst wenn ernüchternde Unternehmenszahlen herauskämen, würden die Analysten einen negativeren Kommentar veröffentlichen: "Bis dahin haben hellhörige Investoren das Papier längst schon abgestoßen und damit den Kurs auf Talfahrt geschickt - trotz der positiven Analystenvoten."

Wie man mehrwertig anlegen kann

Dasselbe gilt auch umgekehrt: "Die beste Rendite erzielt man an der Börse oft mit Werten, bei denen man einsteigt, solange der Grundkonsens noch negativ ist, und dann abwartet, bis dieser nach und nach ins Positive dreht", weiß Lang. Die sukzessiven Heraufstufungen könnten die Notierungen dann beflügeln und dem Anleger eine Outperformance bescheren: "Nur wer erfolgreich vom Konsens abweicht, kann Mehrwert schaffen."

Das funktioniert freilich nur bei Konzernen, die keine strukturellen Probleme mit sich herumschleppen. Lang rät Anlegern, sich selbst ein Bild zu machen, indem sie nicht nur die Analystenreports studieren, sondern auch auf unabhängige Nachrichten aus der betreffenden Branche zurückzugreifen. Mayr legt Anlegern ans Herz, die Firmenanalysen in erster Linie als Quelle für Sachinformationen wie die Umsatz- und Gewinndynamik zu nutzen, ohne sich von Kauf- oder Verkaufsempfehlungen allzu sehr blenden zu lassen.

Artikel erschienen am Fr, 1. September 2006

Welt
Antworten
J.B.:

Genau, Meine Rede!! THX!! o. T.

 
02.09.06 18:37
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Nassie:

Der Bericht

 
02.09.06 18:44
deckt sich auch mit meinen Erfahrungen. Schade, daß nicht ausgeführt wurde welche Analysten besonders daneben lagen oder bewußt bestimmte Aktien gepuscht haben. Vermutlich würde
die Deutsche Bank dort unrühmlich abschneiden.
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J.B.:

Mir sind die Analysten egal!!

 
02.09.06 18:47
ich bin mein eigener Analyst und wenn ich in den Dreck greife, dann brauch ich keinem Anderem die Schuld geben, weil ich auf ihn gehört habe sondern weil ich die Sache falsch analysiert habe!!

mfg J.B.

PS: Ich bin ohne die Analysten sicher besser dran!!
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Anti Lemming:

Macht es denn niemanden stutzig

 
02.09.06 19:44
dass die Analysten für die US-Wirtschaft alle (noch) so positiv gestimmt sind, obwohl eine Rezession droht? Bei www.bigcharts.com (siehe dort) stehen bereits Tipps, wie man sein Aktien-Portfolio "recession-proof" ausrichtet. Die US-Bondmärkte haben mit der invertierten Zinskurve (unten) schon eine (Crash-bedingte?) Zinssenkung der Fed für Anfang 2007 eingepreist. Und in Moyas heutigem Beitrag (Steffens) steht zudem, dass die Märkte die Gefahren der sich zuspitzenden Iran-Krise kaum zur Kenntnis nehmen, geschweige denn einpreisen.

Liegt hier nicht der auch im Eingangsposting erwähnte Effekt vor, dass die Analysten wieder viel zu positiv sind, weil sie die Firmengewinne der Vergangenheit linear in die Zukunft hochrechnen - und erst wieder negativ werden, wenn es zu spät ist?. Übertrieben gesagt: Der Down-Grade des Gesamtmarktes kommt zwei Tage nach einem Oktober-Crash wie 1987...

Jedenfalls basiert das derzeit vom Konsens gesehene "Goldilock"-Szenario der "sanften Landung", die trotz des gerade implodierenden Housing-Markts samt Kreditkrise (siehe Doomsday Bären-Thread) kommen soll, wohl er auf Wunschdenken/banger Hoffnung denn auf gesundem Menschenverstand.

Alles in allem bin ich der Ansicht, dass zurzeit die bärische Sicht der Dinge die anti-zyklische - und damit realistischere - ist. Nach einem Crash werden sich vielleicht auch Viele den am Ende des Eingangsposting genannten Satz sagen: "Gegen den Konsens zu handeln hätte sich gelohnt."
Vorsicht: Analysten 55087
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J.B.:

So, so Anti!!

 
02.09.06 20:10
Gegen den Konsens zu handeln, würde aber heißen zu kaufen!! Immerhin sind noch mehr als 50% der Marktteilnehmer pessimistisch!! Und die Horrerszenarien, die manche hier, vorher prophezeien, glaub ich einfach nicht!! Gott sei Dank korregiert sich der Housingmarkt langsam und nicht auf einmal!! Un so schlecht steht die US Wirtschaft auch nicht da, genauers kann man aber erst nächsten Monat sehen und auch sagen!!

mfg J.B.

PS: Ich empfehle niemanden zu kaufen oder zu verkaufen, aber ich für meinen Teil weiß was ich zu tun habe!!  
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Anti Lemming:

Irrtum, J.B.

 
02.09.06 20:46
Der Konsens ist längst wieder bullisch. In USA ist die Zahl der Bären überraschend auf 25,84 % gesunken - auf den tiefsten Stand seit 10. Mai. Das war der Tag, an dem der letzte Ausverkauf begann...



Sentiment Makes a Surprising Shift
By Helene Meisler
TheStreet.com
9/1/2006 9:00 AM EDT

The American Association of Individual Investors (AAII) reported Thursday that there are now only 25.84% bears, down from a peak of 57.8% on July 19.

This reading surprised me, because I was under the impression there were many bears around. We last had such a low percentage of bears May 10 and April 5.

I'm sure I don't need to reiterate that May 10 was the peak in the market...



Den Beitrag hab ich am 1. Sept. im Doomsday-Bären-Tread gepostet. Dort steht auch, dass der Housing-Markt zurzeit förmlich KOLLABIERT,...

http://www.ariva.de/board/245194?pnr=2765926#jump2765926

...und dass es sich im Grunde um eine Kredit-Krise handelt, die US-Hypothekenbanken bereits jetzt stark zusetzt (siehe Chart des US-Banken-Index BKX bei www.bigcharts.com). Eine ähnliche Bankenkrise gab es in USA 1991, damals wegen leerstehender Büroimmobilien.

Antworten
J.B.:

Ok, Anti, hab ich nicht gelesen!!

 
02.09.06 21:07
Wieso aber gibt es jetzt so wenig Bären?? Ist es weil die Hälfte der Bären eingesehen haben dass es dieses Jahr langfristig nur nach Norden geht??? Und wenn es wirklich soviele Bullen gibt, dann wird es noch eine Zeit nach Norden gehen!! Hoffentlich!!

Was den Housingmarkt angeht, müssten aber die Verkäufe bestehnder Häuser stark ansteigen dass man von einem Kollaps sprechen könnte!! Oder irre ich mich da??

Was die Hybothekenbanken angeht, eine Krise kann man bewältigen!!

Grundlegend muss man sagen, manchmal müssen die Sachen etwas runterkommen, damit sie wieder weiter steigen können!!


mfg J.B.
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Anti Lemming:

Entweder, oder - J.B.

 
03.09.06 12:34
In P. 6 hast Du die (angeblich) hohe Zahl der Bären als Kontraindikator gewertet. Der Gedanke dahinter war/ist, dass Märkte steigen, wenn die Mehrheit falsch (in diesem Fall "short") positioniert ist.

Die Zahlen in meinem P. 7 belegen aber, dass die Zahl der Bären de facto stark gesunken ist seit dem Tief im Juli.

Dieses zur Kenntnis nehmend, HOFFST Du in P. 9 nun ("hoffentlich!"), dass die hohe Zahl der Bullen NUN DOCH KEIN Kontraindikator sein soll, obwohl sich das Argument aus P. 6 auch umkehren lässt: Wenn die Mehrheit falsch (nun also "long") positioniert ist, sollten die Märkt fallen.

Du musst also Farbe bekennen: Ist die Positionierung/Stimmung der Mehrheit bzw. des "Konsens" ein Kontraindikator oder nicht? (womit wir wieder beim Eingangsposting wären)

Ich tippe: Ja, es ist einer - und folglich werden die Märkte nun fallen.



Zu Deiner US-Hypotheken-These:

Die Haus-Preise fallen bislang nur in Boom-Gegenden wie New York und Kalifornien. Im US-Mittel blieben die Haus-Preise bislang konstant. In 2005 sind sie aber noch zweistellig gestiegen. Die Krise äußerst sich zurzeit darin, dass angebotene Häuser sehr viel länger auf dem Markt bleiben, bis sie verkauft werden, als noch vor einem Jahr. Käufer überlegen inzwischen offenbar zweimal, ob sie das Wagnis eines überteuertes Immobilienkaufs wagen sollen - wenn die Anstiegs-Dynamik aus dem Markt verschwunden ist.

Erst wenn die Preise auch in der Provinz bröckeln, wird die Abwärtsspirale - der von Dir genannte Kollaps - voll in Gang kommen. Schon jetzt haben 10 % aller Hauskäufer aus 2005 "negative equity" - sie schulden der Bank mehr, als das Haus noch wert ist. Da 43 % der Käufe in 2005 OHNE EIGENKAPITAL erfolgen, wird schon ein leichtes Fallen der Hauspreise zur Folge haben, dass viele Käufer von ihren Banken zu Zwangsversteigerungen genötigt werden. Dies drückt weiter auf die Preise und treibt die Spirale weiter abwärts. Dann wird auf die positive Preis-Dynamik der letzten Jahre (= Gier) eine negative Abwärts-Dynamik (= Angst) folgen.

Wir sind, was die Haus-Blase betrifft, also sozusagen am oberen Tot-Punkt der Anstiegskurve angelangt. Es gibt ein zunehmendes Überangebot an Häusern, dem immer weniger Nachfrage gegenübersteht. Und es wäre das erste Mal in der Geschichte der Blasen, dass solch ein Überangebot NICHT zu radikalen Preissenkungen führt.

(Details: neueste Postings im Doomsday Bären-Thread)
Antworten
Nassie:

Nach Ablauf von zwei

 
02.01.09 16:07
Jahren, bestätigt sich alles aus dem Eingangsartikel. Nur das diese Versager jatzt auch noch Bonuszahlungen reklamieren schlägt dem Fass den Boden aus.
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