Von Ileana Grabitz, Hamburg
Die Spannungen zwischen Rupert Murdoch und Vivendi-Chef Jean-Marie Messier gewinnen an Schärfe, nachdem Messier offenbar die Fusion seiner italienischen Pay-TV-Tochter Telepiú mit Murdochs Konkurrenzunternehmen Stream platzen lassen will.
Erst am Dienstag hatten die italienischen Kartellbehörden die seit Monaten geplante Übernahme genehmigt, allerdings unter strengen Auflagen. Messier hatte daraufhin angedeutet, dass der weltweit zweitgrößten Medienkonzerns Vivendi sich aus dem Deal zurückziehen wolle. Dies werde Murdochs Mediengruppe News Corp. jedoch nicht akzeptieren, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Messiers Hinweis auf die zu strengen Auflagen sei keine hinreichende Begründung. Anfang der Woche hatte Murdoch bereits angedroht, Vivendi notfalls zu verklagen.
Damit geht das seit Monaten andauernde Kräftemessen zwischen den beiden Medienunternehmern in die nächste Runde. Der Chef des französischen Medien- und Mischkonzerns Messier hatte sich zuletzt im März den Zorn seines Rivalen zugezogen, als die Vivendi-Pay-TV-Sparte Canal Plus die britische Murdoch-Tochter NDS auf 1 Mrd. $ Schadensersatz verklagte. Messier hatte NDS beschuldigt, sich durch Raubkopien den Zugang zu kostenpflichtigen Programmen von Canal Plus verschafft zu haben. "Auch jetzt ist das Ende der Schachpartie zwischen Messier und Murdoch noch nicht erreicht", sagte Dennis Siemelink, Analyst bei Delta Lloyd Securities.
Taktisches Zögern
Dabei ist der Rückzug Messiers nach Meinung von Branchenkennern durchaus nicht überraschend. Das Zögern Messiers sei eine Taktik, um den Preis für Murdochs Pay-TV-Sender herunterzuhandeln - und damit seinen mit 32 Mrd. Euro hoch verschuldeten Konzern zu entlasten.
Andererseits könnten die strengen Auflagen der Kartellbehörden für Vivendi-Chef Messier ein guter Vorwand sein, seinen angeschlagenen Konzern in letzter Minute vor einem riskanten Geschäft zu bewahren. So müsste Vivendi im Falle einer Fusion auch 595 Mio. Euro Schulden von Stream übernehmen.
Erik Heinrich von der WGZ Bank hält es für unwahrscheinlich, dass Messier sich auf eine Übernahme von Stream einlässt. "Canal Plus selbst steckt in viel zu großen Schwierigkeiten. Es wäre unsinnig, sich in dieser Situation noch ein weiteres Problem ans Bein zu binden." Der Mitte der 80er Jahre gegründete, vormals gewinnträchtige französische Pay-TV-Sender war in den vergangenen Jahren zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Allein im vergangenen Jahr fiel bei einem Umsatz von 4,6 Mrd. Euro ein Verlust von 370 Mio. Euro an.
Telepiú verharrt in den roten Zahlen
Dabei ist nicht zuletzt die italienische Pay-TV-Tochter Telepiú für das Defizit von Canal Plus verantwortlich. Wie viele europäische Bezahlfernsehgesellschaften ist Telepiú seit seiner Gründung 1997 nicht aus den roten Zahlen herausgekommen. Der einzigen Konkurrenz auf dem italienischen Markt ging es nicht besser. Gemeinsam fuhren Telepiú und Stream jährlich 600 Mio. Euro Miese ein.
Die im Herbst vereinbarte Fusion der beiden Sender sollte schließlich helfen, gemeinsam den Kampf um die überteuerten Fußballübertragungsrechte und gegen die Flut von bis zu vier Millionen italienischen "Schwarzsehern" aufzunehmen. Bis zuletzt war dies jedoch an den italienischen Kartellbehörden gescheitert.
Hauptargument war, dass das aus der Fusion hervorgehende Unternehmen seine Monopolstellung besonders bei dem Erwerb von Übertragungsrechten großer Sportereignisse ausnutzen könnte. Die italienischen Kartellbehörden forderten die fusionierten Pay-TV-Sender auf, nur auf zwei Jahre befristete Verträge mit Fußballclubs einzugehen. Diese Auflage wird Vivendi jedoch nicht akzeptieren.
Dass eine Fusion der beiden angeschlagenen Sender erfolgreich sein könnte, ist angesichts des schwierigen Marktumfelds aber ohnehin unwahrscheinlich. "Abgesehen von Murdochs BSkyB ist in Europa bisher jeder Pay-TV-Betreiber auf die Nase gefallen", sagt WGZ-Medienanalyst Heinrich. Noch in der vergangenen Woche hatten sich die beiden spanischen Pay-TV-Sender Vía Digital und Canal Satélite Digital zusammengeschlossen, um der Pleite zu entgehen. Allein Murdochs BSkyB trotzt dem allgemeinen Abwärtstrend und konnte jüngst 33 Prozent Gewinnsteigerung verkünden.
© 2002 Financial Times Deutschland
Die Spannungen zwischen Rupert Murdoch und Vivendi-Chef Jean-Marie Messier gewinnen an Schärfe, nachdem Messier offenbar die Fusion seiner italienischen Pay-TV-Tochter Telepiú mit Murdochs Konkurrenzunternehmen Stream platzen lassen will.
Erst am Dienstag hatten die italienischen Kartellbehörden die seit Monaten geplante Übernahme genehmigt, allerdings unter strengen Auflagen. Messier hatte daraufhin angedeutet, dass der weltweit zweitgrößten Medienkonzerns Vivendi sich aus dem Deal zurückziehen wolle. Dies werde Murdochs Mediengruppe News Corp. jedoch nicht akzeptieren, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Messiers Hinweis auf die zu strengen Auflagen sei keine hinreichende Begründung. Anfang der Woche hatte Murdoch bereits angedroht, Vivendi notfalls zu verklagen.
Damit geht das seit Monaten andauernde Kräftemessen zwischen den beiden Medienunternehmern in die nächste Runde. Der Chef des französischen Medien- und Mischkonzerns Messier hatte sich zuletzt im März den Zorn seines Rivalen zugezogen, als die Vivendi-Pay-TV-Sparte Canal Plus die britische Murdoch-Tochter NDS auf 1 Mrd. $ Schadensersatz verklagte. Messier hatte NDS beschuldigt, sich durch Raubkopien den Zugang zu kostenpflichtigen Programmen von Canal Plus verschafft zu haben. "Auch jetzt ist das Ende der Schachpartie zwischen Messier und Murdoch noch nicht erreicht", sagte Dennis Siemelink, Analyst bei Delta Lloyd Securities.
Taktisches Zögern
Dabei ist der Rückzug Messiers nach Meinung von Branchenkennern durchaus nicht überraschend. Das Zögern Messiers sei eine Taktik, um den Preis für Murdochs Pay-TV-Sender herunterzuhandeln - und damit seinen mit 32 Mrd. Euro hoch verschuldeten Konzern zu entlasten.
Andererseits könnten die strengen Auflagen der Kartellbehörden für Vivendi-Chef Messier ein guter Vorwand sein, seinen angeschlagenen Konzern in letzter Minute vor einem riskanten Geschäft zu bewahren. So müsste Vivendi im Falle einer Fusion auch 595 Mio. Euro Schulden von Stream übernehmen.
Erik Heinrich von der WGZ Bank hält es für unwahrscheinlich, dass Messier sich auf eine Übernahme von Stream einlässt. "Canal Plus selbst steckt in viel zu großen Schwierigkeiten. Es wäre unsinnig, sich in dieser Situation noch ein weiteres Problem ans Bein zu binden." Der Mitte der 80er Jahre gegründete, vormals gewinnträchtige französische Pay-TV-Sender war in den vergangenen Jahren zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Allein im vergangenen Jahr fiel bei einem Umsatz von 4,6 Mrd. Euro ein Verlust von 370 Mio. Euro an.
Telepiú verharrt in den roten Zahlen
Dabei ist nicht zuletzt die italienische Pay-TV-Tochter Telepiú für das Defizit von Canal Plus verantwortlich. Wie viele europäische Bezahlfernsehgesellschaften ist Telepiú seit seiner Gründung 1997 nicht aus den roten Zahlen herausgekommen. Der einzigen Konkurrenz auf dem italienischen Markt ging es nicht besser. Gemeinsam fuhren Telepiú und Stream jährlich 600 Mio. Euro Miese ein.
Die im Herbst vereinbarte Fusion der beiden Sender sollte schließlich helfen, gemeinsam den Kampf um die überteuerten Fußballübertragungsrechte und gegen die Flut von bis zu vier Millionen italienischen "Schwarzsehern" aufzunehmen. Bis zuletzt war dies jedoch an den italienischen Kartellbehörden gescheitert.
Hauptargument war, dass das aus der Fusion hervorgehende Unternehmen seine Monopolstellung besonders bei dem Erwerb von Übertragungsrechten großer Sportereignisse ausnutzen könnte. Die italienischen Kartellbehörden forderten die fusionierten Pay-TV-Sender auf, nur auf zwei Jahre befristete Verträge mit Fußballclubs einzugehen. Diese Auflage wird Vivendi jedoch nicht akzeptieren.
Dass eine Fusion der beiden angeschlagenen Sender erfolgreich sein könnte, ist angesichts des schwierigen Marktumfelds aber ohnehin unwahrscheinlich. "Abgesehen von Murdochs BSkyB ist in Europa bisher jeder Pay-TV-Betreiber auf die Nase gefallen", sagt WGZ-Medienanalyst Heinrich. Noch in der vergangenen Woche hatten sich die beiden spanischen Pay-TV-Sender Vía Digital und Canal Satélite Digital zusammengeschlossen, um der Pleite zu entgehen. Allein Murdochs BSkyB trotzt dem allgemeinen Abwärtstrend und konnte jüngst 33 Prozent Gewinnsteigerung verkünden.
© 2002 Financial Times Deutschland