Viertes Baissejahr in Folge nicht ausgeschlossen


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tom68:

Viertes Baissejahr in Folge nicht ausgeschlossen

 
22.12.02 15:22
Frankfurt (vwd) - Das Jahr 2002 hat die Aktienexperten vorsichtig gemacht. Um 120 Prozent hatten sie im Schnitt die Gewinne der US-Unternehmen für 2002 zu hoch geschätzt. Fast alle Kursprognosen waren viel zu optimistisch. Nach dem dritten Jahr der Baisse mögen viele jetzt nicht ausschließen, dass der schlimmste Bärenmarkt seit den vierziger Jahren noch nicht vorbei ist. "Ich habe keine Ahnung, wie das kommende Jahr sein wird", sagt der legendäre Stratege Barton Biggs von Morgan Stanley. Man müsse im kommende Jahr wendig sein: "Sei offen, die Meinung und die Anlageverteilung zu ändern", rät er.

Wie außergewöhnlich die Lage ist, zeigt ein Blick zurück: Seit 1800 gab es nur drei Phasen, in denen der US-Aktienmarkt drei Jahre hintereinander eine negative Rendite brachte. Vier Verlustjahre hintereinander hat es am US-Markt nur von 1929 bis 1933 gegeben. In Japan fielen die Aktien nach dem Zweiten Weltkrieg zwar vier Jahre lang. Aber selbst in der jetzigen langen Baisse hat der japanische Markt allenfalls drei aufeinanderfolgende Jahre mit Kursrückgängen erlebt. Fazit: Ein Minus über vier Jahre ist überaus selten.

Die Geschichte zeigt aber auch weniger Beruhigendes. Als die Märkte in den vierziger und siebizger Jahren ihren Boden fanden, war das Kurs-Gewinn-Verhältnis nur halb so hoch wie heute. Berücksichtigt man die höhere Inflation, sind Aktien im Bärenmarkt 1973/74 noch weitaus stärker gefallen als in den vergangenen drei Jahren. Allerdings kam es anschließend zu einer Erholung um rund 50 Prozent. Diese Erfahrung macht Analysten zurückhaltend. Die Bewertungen haben sich normalisiert, als richtig billig schätzt aber dennoch kaum einer von ihnen Aktien ein.


Niedrige Zinsen sprechen für Aktien

Mehrere Punkte sprechen dagegen, dass es 2003 noch ein viertes Jahr mit zurückgehenden Kursen geben wird. Aktien sehen angesichts des derzeitigen langfristigen niedrigen Zinsniveaus unterbewertet aus. Auch gegenüber Anleihen sei der Aktienmarkt mittlerweile attraktiv, sagen die Analysten von Lehman Brothers. In Europa habe der Aktienmarkt bereits ein "double dip" hinter sich - das zweite Abtauchen habe die reale Wirtschaft jedoch nicht nachvollzogen.

Das Wachstum werde zwar schwach sein, aber nicht so schwach, wie es der Aktienmarkt mittlerweile einpreise. Zudem seien viele Anleger unterinvestiert. Die Analysten rechnen für das Jahr 2003 mit einer Rendite von 18 Prozent an den europäischen Aktienmärkten. Für den deutschen Markt sind die meisten Beobachter noch optimistischer: Im Schnitt sehen einer Presse-Umfrage unter 30 Instituten zufolge Experten den DAX am Jahresende bei gut 4.000 Punkten, also rund ein Drittel höher als heute.


Risiken werden stärker betont

Doch die Risiken, dass es auch ganz anders kommen könnte, werden stärker betont als noch vor einem Jahr. Den Fehler von 2001 - mit viel zu hohen Erwartungen in das Jahr zu starten - möchte niemand wiederholen. Sollten die Hoffnungen auf eine Wirtschaftserholung ein weiteres Mal enttäuscht werden, sei das Rückschlagpotzenzial an den Börsen erheblich, warnen zum Beispiel die Analysten von M.M. Warburg.

Ein Risiko wird von den meisten Beobachtern besonders hervorgehoben: Dass ein langanhaltender Krieg im Nahen Osten mit hohen Verlusten die Weltwirtschaft in die Rezession treibt. Das ist nicht das wahrscheinlichste Szenario. Aussschließen mag es aber auch niemand. Ein zweiter Grund zur Sorge ist, dass die Erholung der US-Wirtschaft auf wackeligen Beinen steht. Der private Konsum dort, an dem die gesamte Weltwirtschaft hängt, ist zwar stabil, aber niemand weiß, für wie lange noch. Denn die Haushalte sind hoch verschuldet, die Arbeitsmarktsituation verschlechtert sich weiter.

Ein Problem sehen Skeptiker auch in den hohen Immobilienpreisen in den USA und in Großbritannien. Sollten die hohen Preise fallen, wird der Konsum belastet. Weitere Ungewißheit kommt durch die Pensionsrückstellungen der Unternehmen. Nach der Baisse gibt es hohe Lücken vor allem in den USA. Sie könnten die Gewinne der Unternehmen erheblich drücken. Diese Unsicherheiten werden nicht schnell verschwinden. Sie machen einen neuen Bullenmarkt unwahrscheinlich. Neue Tiefkurse sind aber nur zu erwarten, wenn sich die Sorgen wegen einer langwierigen Auseinandersetzung im Irak auch bewahrheiten.


+++ Richard Breum


vwd/22.12.2002/rib/hru/mc






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tom68:

US-Wirtschaft 2003: Perspektiven ungewiß

 
22.12.02 15:32

- von vwd Korrespondent Peter Trautmann -



Frankfurt (vwd) - Die US-Konjunktur hat dieses Jahr eine erstaunlich robuste Entwicklung hingelegt. Nach dem Horrorjahr 2001, mit den Terroranschlägen vom 11. September, war dies nicht selbstverständlich. Dennoch dürfte die größte Volkswirtschaft der Welt bis zum Jahresende mit einer durchschnittlichen Rate von rund 2,5 Prozent gewachsen sein nach nur 0,3 Prozent Expansion 2001. Für 2002 liegt dies deutlich über dem Durchschnitt der Industrieländer von etwa 1,5 Prozent, aber auch unter dem US-Potenzial von drei Prozent. Innerhalb der G-7 wird nur Kanada in diesem Jahr eine dynamischere Entwicklung aufweisen.



Der US-Wirtschaft haben dabei 2002 vor allem ein starker Konsum in Verbindung mit dem boomenden Häusermarkt geholfen. Im ersten Quartal war es darüber hinaus die starke Aufstockung der Lagerbestände, die für den Aufschwung sorgte. Auf der anderen Seite gab es jedoch auch einige bedenkliche Entwicklungen. So fielen die Investitionen angesichts der hohen Überkapazitäten in der US-Industrie drei Quartale in Folge, lediglich im Schlussquartal dürften sie einen Zuwachs aufweisen. Zusammen mit der trägen Investitionsentwicklung verzeichnete auch die Industrieproduktion über das Jahr eine fallende Entwicklung.



Trotz der vermeintlichen Aufwärtsbewegung der US-Konjunktur herrschen für 2003 große Fragezeichen, die Unsicherheit über die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung hat wieder zugenommen. So betonen auch die meisten volkswirtschaftlichen Analysten, dass vor allem auf kurze Frist die Abwärtsrisiken dominieren. Dabei wird nicht nur auf einen drohenden militärischen Konflikt in Irak hingewiesen, auch die schon seit langem bekannten Ungleichgewichte in der US-Wirtschaft machen den Experten Sorge.



Dies gilt vor allem für den privaten Konsum, der in diesem Jahr in den USA mit einer Rate von rund drei Prozent gewachsen ist. Diese Entwicklung (zusammen mit der starken privaten Häusernachfrage) hat allerdings eine anhaltende Zunahme der privaten Verschuldung mit sich gebracht; die Schuldenlast der US-Haushalte liegt nahe historischer Hochs. Da die Verbraucher seit 2000 zudem kräftige Vermögensverluste in ihren Aktienportfolios erfahren haben, müsste künftig die Ersparnis wieder steigen, um einerseits die Schuldenlast zu tragen und andererseits die Aktienverluste wieder auszugleichen. Dies bedingt jedoch Konsumverzicht.



Hinzu kommt, dass die Verschuldung der Unternehmen hoch ist und mit den Pensionsverpflichtungen in Zukunft womöglich noch ungeahnte Belastungen drohen. Vor dem Hintergrund eher mäßiger Gewinnaussichten stehen damit die Chancen für eine kräftige und nachhaltige Wende bei den Investitionen nicht besonders gut. Die Ökonomen der OECD etwa erwarten ein durchschnittliches Investitionswachstum von zwei Prozent, zu wenig, um der Konjunktur einen kräftigen Kick zu geben, oder um eine mögliche Verlangsamung des Konsums, der zwei Drittel zum US-BIP beiträgt, auszugleichen.



Trotz der Betonung dieser Risikofaktoren erwarten die meisten Ökonomen, dass die US-Wirtschaft 2003 mit einer Rate von gut zwei Prozent, vielleicht sogar 2,5 Prozent wachsen wird, wobei die Arbeitslosenquote allerdings weiterhin um die sechs Prozent gesehen wird. Damit ist ein deflationäres Szenario, wie es derzeit gerne in vielen Medien bemüht wird, für die meisten Experten kein Thema. Tatsächlich weist auch die Preisentwicklung in den USA nicht auf solch einen Prozess hin, die jahresdurchschnittliche Inflation 2002 dürfte sich oberhalb von 1,5 Prozent einpendeln und für 2003 wird sogar eine Teuerung von über zwei Prozent erwartet.



Die US-Notenbank hat die genannten Konjunkturrisiken bereits realisiert und im November - das erste Mal im Jahr 2002 - wieder die Leitzinsen gesenkt. Der Zielsatz für die Fed Funds Rate steht damit bei 1,25 Prozent, Anfang 2001 hatte er noch bei 6,50 Prozent notiert. Auch wenn es sich empirisch schwer bestimmen lässt, ohne diese massive Zinssenkung durch die Fed wäre das relativ gute Konjunkturjahr 2002 nicht zu Stande gekommen. Im Rahmen der relativ optimistischen Prognoseszenarien der meisten Volkswirte werden für das kommende Jahr keine weiteren Zinssenkungen erwartet, einige Experten sehen im zweiten Halbjahr bereits Zinserhöhungen.



Ohne Zweifel wird der expansive geldpolitische Kurs die US-Konjunktur im kommenden Jahr stützen. Dies dürfte auch für die Finanzpolitik der Regierung Bush gelten, die es nach ihrem überwältigenden Erfolg bei den Kongresswahlen leichter haben wird, weitere Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen durchzusetzen. Risiken drohen allerdings auch von dieser Seite, wenn die Verschuldung und damit auch die langfristigen Zinsen zu stark steigen sollten. Im Moment sieht es danach aber nicht aus bei Renditen von zehnjährigen Treasurys um die vier Prozent, nicht zuletzt auch, weil von der Inflationsseite keine Gefahren drohen.


vwd/22.12.2002/ptr/cv



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