Vertrauen in Lebensversicherungen schwindet
Hälfte der Versicherungsnehmer macht sich ernsthaft Sorgen / Trotzdem mehr Neugeschäft
sfu. FRANKFURT, 10. Januar. Das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit deutscher Lebensversicherungsgesellschaften ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Nach einer aktuellen Umfrage des Kölner Marktforschungsinstituts Psychonomics unter 2500 Versicherungsnehmern machen sich 53 Prozent ernsthaft Sorgen über die Zukunft ihres Kapital-Lebensversicherungsvertrages. Nur 31 Prozent der Befragten sind noch zuversichtlich, daß ihr Lebensversicherer in zehn Jahren noch existiert. Solche Zahlen machen deutlich, daß die jüngsten Diskussionen um die Finanzkraft der Versicherer und sinkende Überschußbeteiligungen nicht spurlos an der Kundschaft vorbeigegangen sind.
Tatsächlich befindet sich die Branche in einer schwierigen Situation, die sich unmittelbar auf die einzelnen Verträge auswirkt. So beträgt etwa nach einer Erhebung des Branchendienstes map-report die durchschnittliche Verzinsung in diesem Jahr nur noch 4,79 Prozent, nach 6,13 Prozent im Vorjahr und 7,25 Prozent im Jahr 2001. Doch die niedrigere Verzinsung und die schlechte Stimmung schlagen sich nicht unmittelbar in den absoluten Absatzzahlen nieder. Im Gegenteil, einzelne große Gesellschaften wie Marktführer Allianz Leben und unabhängige Versicherungsmakler verzeichnen ein reges Neugeschäft. Die meisten Anbieter haben sich auf das veränderte Umfeld eingestellt und fahren bei der Beratung zweigleisig. Verunsicherte Altkunden müssen derzeit anders angesprochen werden als interessierte Neukunden.
Altkunden, auf die sich auch die Psychonomics-Daten beziehen, wollen vor allem wissen, welche Auswirkungen die aktuellen Schwierigkeiten auf ihre laufenden Verträge haben. Grundsätzlich gilt dabei die Regel, daß Verträge mit kurzen Restlaufzeiten stärker von der jüngsten Absenkungsrunde bei der Überschußbeteiligung betroffen sind als Neuverträge. Da die ersten Prämienzahlungen normalerweise direkt als Vertriebskosten abgezogen werden, ist hierbei die Verzinsung von nachrangigem Interesse, weil es noch kein Guthaben gibt. Wenn später jedoch ein ordentliches Guthaben zusammengekommen ist, schlägt eine niedrigere Überschußbeteiligung unmittelbar und wegen des Zinseszinseffektes schmerzhaft auf die Auszahlungssumme durch.
Das macht eine Beispielsrechnung von Cor Deutschland, einem Anbieter von Versicherungssoftware, deutlich. Diese Rechnung geht von einer kapitalbildenden Lebensversicherung für einen Mann aus, der bei Vertragsabschluß 30 Jahre alt ist. Die vereinbarte Laufzeit beträgt 30 Jahre bei einer Versicherungssumme von 50 000 Euro. Bei einer durchgehenden Gesamtverzinsung von 6,75 Prozent werden dem Versicherten am Ende der Laufzeit 99 938 Euro ausgezahlt. Wird nun angenommen, daß fünf Jahre lang nur noch 5 Prozent Überschußbeteiligung gezahlt werden, tritt ein interessanter Effekt ein. Fällt diese Niedrigzinsperiode in das erste Drittel der Vertragslaufzeit, so verringert sich die Auszahlungssumme um 4748 Euro auf 95 190 Euro. Fallen die fünf Jahre Niedrigzins jedoch in das letzte Drittel, sinkt die Auszahlungssumme sogar um 7593 Euro auf 92 345 Euro.
Entscheidend für die Verlustbegrenzung ist allerdings auch die aktuelle Leistungskraft der Gesellschaft. Ausreißer wie die Mannheimer Leben mit einer Verzinsung von nur noch 3,25 Prozent bergen mit Blick auf die spätere Auszahlungssumme ein höheres Enttäuschungspotential als etwa der Marktführer Allianz Leben mit einer Überschußbeteiligung von 5,3 Prozent.
Neukunden werden unterdessen mit dem Argument gelockt, daß die Rendite einer Kapital-Lebensversicherung angesichts der fortgesetzten Börsenbaisse derzeit alternativlos sei. Dies erklärt zum Teil auch den Widerspruch, daß trotz der schlechten Stimmung und sinkender Überschußbeteiligungen einzelne Versicherungen und unabhängige Makler im vergangenen Jahr einen Anstieg ihres Neugeschäfts verzeichneten. Um das verlorengegangene Vertrauen zurückzugewinnen, müsse die Branche nach Ansicht eines Sprechers der Volksfürsorge künftig verstärkt deutlich machen, daß Lebensversicherer bei der Garantie von Kapitalzahlungen ein Hort der Zuverlässigkeit seien.
Hälfte der Versicherungsnehmer macht sich ernsthaft Sorgen / Trotzdem mehr Neugeschäft
sfu. FRANKFURT, 10. Januar. Das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit deutscher Lebensversicherungsgesellschaften ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Nach einer aktuellen Umfrage des Kölner Marktforschungsinstituts Psychonomics unter 2500 Versicherungsnehmern machen sich 53 Prozent ernsthaft Sorgen über die Zukunft ihres Kapital-Lebensversicherungsvertrages. Nur 31 Prozent der Befragten sind noch zuversichtlich, daß ihr Lebensversicherer in zehn Jahren noch existiert. Solche Zahlen machen deutlich, daß die jüngsten Diskussionen um die Finanzkraft der Versicherer und sinkende Überschußbeteiligungen nicht spurlos an der Kundschaft vorbeigegangen sind.
Tatsächlich befindet sich die Branche in einer schwierigen Situation, die sich unmittelbar auf die einzelnen Verträge auswirkt. So beträgt etwa nach einer Erhebung des Branchendienstes map-report die durchschnittliche Verzinsung in diesem Jahr nur noch 4,79 Prozent, nach 6,13 Prozent im Vorjahr und 7,25 Prozent im Jahr 2001. Doch die niedrigere Verzinsung und die schlechte Stimmung schlagen sich nicht unmittelbar in den absoluten Absatzzahlen nieder. Im Gegenteil, einzelne große Gesellschaften wie Marktführer Allianz Leben und unabhängige Versicherungsmakler verzeichnen ein reges Neugeschäft. Die meisten Anbieter haben sich auf das veränderte Umfeld eingestellt und fahren bei der Beratung zweigleisig. Verunsicherte Altkunden müssen derzeit anders angesprochen werden als interessierte Neukunden.
Altkunden, auf die sich auch die Psychonomics-Daten beziehen, wollen vor allem wissen, welche Auswirkungen die aktuellen Schwierigkeiten auf ihre laufenden Verträge haben. Grundsätzlich gilt dabei die Regel, daß Verträge mit kurzen Restlaufzeiten stärker von der jüngsten Absenkungsrunde bei der Überschußbeteiligung betroffen sind als Neuverträge. Da die ersten Prämienzahlungen normalerweise direkt als Vertriebskosten abgezogen werden, ist hierbei die Verzinsung von nachrangigem Interesse, weil es noch kein Guthaben gibt. Wenn später jedoch ein ordentliches Guthaben zusammengekommen ist, schlägt eine niedrigere Überschußbeteiligung unmittelbar und wegen des Zinseszinseffektes schmerzhaft auf die Auszahlungssumme durch.
Das macht eine Beispielsrechnung von Cor Deutschland, einem Anbieter von Versicherungssoftware, deutlich. Diese Rechnung geht von einer kapitalbildenden Lebensversicherung für einen Mann aus, der bei Vertragsabschluß 30 Jahre alt ist. Die vereinbarte Laufzeit beträgt 30 Jahre bei einer Versicherungssumme von 50 000 Euro. Bei einer durchgehenden Gesamtverzinsung von 6,75 Prozent werden dem Versicherten am Ende der Laufzeit 99 938 Euro ausgezahlt. Wird nun angenommen, daß fünf Jahre lang nur noch 5 Prozent Überschußbeteiligung gezahlt werden, tritt ein interessanter Effekt ein. Fällt diese Niedrigzinsperiode in das erste Drittel der Vertragslaufzeit, so verringert sich die Auszahlungssumme um 4748 Euro auf 95 190 Euro. Fallen die fünf Jahre Niedrigzins jedoch in das letzte Drittel, sinkt die Auszahlungssumme sogar um 7593 Euro auf 92 345 Euro.
Entscheidend für die Verlustbegrenzung ist allerdings auch die aktuelle Leistungskraft der Gesellschaft. Ausreißer wie die Mannheimer Leben mit einer Verzinsung von nur noch 3,25 Prozent bergen mit Blick auf die spätere Auszahlungssumme ein höheres Enttäuschungspotential als etwa der Marktführer Allianz Leben mit einer Überschußbeteiligung von 5,3 Prozent.
Neukunden werden unterdessen mit dem Argument gelockt, daß die Rendite einer Kapital-Lebensversicherung angesichts der fortgesetzten Börsenbaisse derzeit alternativlos sei. Dies erklärt zum Teil auch den Widerspruch, daß trotz der schlechten Stimmung und sinkender Überschußbeteiligungen einzelne Versicherungen und unabhängige Makler im vergangenen Jahr einen Anstieg ihres Neugeschäfts verzeichneten. Um das verlorengegangene Vertrauen zurückzugewinnen, müsse die Branche nach Ansicht eines Sprechers der Volksfürsorge künftig verstärkt deutlich machen, daß Lebensversicherer bei der Garantie von Kapitalzahlungen ein Hort der Zuverlässigkeit seien.