Versicherer reduzieren Aktienquoten


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Versicherer reduzieren Aktienquoten

 
28.07.03 17:14
Helaba Trust

Die Kursrückgänge an den weltweiten Aktienmärkten in den letzten drei Jahren haben dazu geführt, dass Versicherer ihre Aktienquoten erheblich reduziert und dafür verstärkt in festverzinsliche Wertpapiere angelegt haben, berichtet der Analyst Karsten Keil von Helaba Trust.

Angesichts des historisch niedrigen Zinsniveaus dürften vermehrt die Kapitalanlagerisiken bei Anleihen in den Fokus der Investoren rücken, nachdem die Branche zuletzt von steigenden Aktienkursen profitiert habe. Gemäss IAS-Rechnungslegungsvorschriften würden unrealisierte Kursverluste sowohl bei Anleihen als auch bei Anteilsscheinen gegen das Eigenkapital gebucht. Ein Zinsanstieg führe dazu, dass die Notierungen der festverzinslichen Papiere fallen und damit auch der Wert der Kapitalanlagen, da diese zu Marktwerten bilanziert würden.

Aus ökonomischer Sicht sinke zwar bei steigenden Renditen der Wert der versicherungstechnischen Rückstellungen und zwar in höherem Maße als jener der Aktiva, da die Duration der Verbindlichkeiten im Versicherungsgeschäft üblicherweise höher sei als die der Kapitalanlagen. Diese Wertänderungen würden jedoch in den IAS-Bilanzen und auch in den nationalen Rechnungslegungsvorschriften nicht berücksichtigt. Somit habe eine Zinserhöhung einen Rückgang des IAS-Eigenkapitals zur Folge.

Zwar würden Versicherer aus langfristiger Sicht von steigenden Zinsen profitieren, da die Spanne zwischen Zinserträgen und den Auszahlungen an die Versicherungsnehmer zunehme. Kurzfristig gesehen stünden jedoch die negativen Auswirkungen auf die durch die schwache Börsenentwicklung ohnehin schon verringerte Kapitalausstattung der Branche im Vordergrund. Zwar würden von den beobachteten Konzernen nur Allianz, ZFS und Münchener Rück nach IAS bilanzieren. Allerdings wären auch die übrigen Konzernen bei steigenden Renditen von fallenden Bewertungsreserven betroffen, während die Rückstellungen gleich blieben.

Beachtet werden müsse jedoch, dass ein Teil der möglichen Kursverluste im Lebengeschäft auf die Versicherungsnehmer überwälzt werden könne. Man habe versucht, die Auswirkungen eines 1%igen Zinsanstiegs auf das Eigenkapital der Unternehmen zu quantifizieren. Man sei davon ausgegangen, dass die Duration der festverzinslichen Wertpapiere durchschnittlich 5 betrage. Dies bedeute, dass sich bei einem Zinsanstieg um einen Prozentpunkt Kursverluste von 5% bei Anleihen ergeben würden. Da die Anleiheportfolios das Eigenkapital um ein mehrfaches übersteigen würden, wirke sich dieser Rückgang überproportional auf das Eigenkapital aus. Prudential, Münchener Rück und Generali wären hiervon überdurchschnittlich betroffen.

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