US-Märkte warten auf die US-Zinssentscheidung
Am kommenden Dienstag ist es endlich so weit. Die Mitglieder der US-Notenbank sind aus dem Urlaub zurückgekehrt und werden auf ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause erneut eine Zinsentscheidung treffen.
Dabei wird der Offenmarktausschuss den jüngsten Konjunkturbericht, dem sogenannten "Beige Book", als eine Grundlage für seine Diskussionen nutzen. Dieses Beige Book kam zu der Schlussfolgerung, dass die US-Wirtschaft im Juni und Juli weiter träge geblieben sei. Gleichzeitig scheint die Inflation weiter unter Kontrolle, so fiel im Juli der Index für die Produzentenpreise.
Die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet dann auch, dass die US-Notenbank zum 7. Mal in diesem Jahr handelt und dieses Mal eine Zinssenkung um 25 Basispunkte bekannt gibt. Seit dem 3. Januar hat die Fed den Schlüsselzins bereits sechs Mal auf derzeit 3,75% gesenkt.
Bis zum 21. August werden die Märkte wohl keine großen Sprünge nach oben machen. Die Handelsvolumina sind derzeit ohnehin gering, der Nasdaq-Index rutschte in der vergangenen Woche wieder unter die wichtige Unterstützungslinie von 2 000 Punkten.
Ami-Konsumenten auf Schnäppchenjagd
Und wenn man sich die jüngsten Nachrichten aus dem Retail-Bereich anschaut, ist eine weitere Konjunkturspritze wohl zu begrüßen. Denn die konsumfreudigen Amerikaner wendeten sich im Juli vor allem Billig-Angeboten zu. Davon profitierte etwa Wal-Mart, der größte US-Einzelhändler. Die Umsätze in den Läden von Wal-Mart stiegen im Juli um 6%. Analysten hatten mit einem Wachstum im Vergleich zum Vorjahr zwischen 4 und 8 % gerechnet.
Auch für den laufenden Monat zeigt sich das Dow-Jones-Mitglied optimistisch. Der Umsatz soll ein weiteres Mal um maximal 6 % steigen. Dennoch, am Tag der Bekanntgabe sank die Aktie des Handelsriesen, da einige Konkurrenten aus derselben Branche einen eher verhaltenen Ausblick gaben. Zudem warnte Wal-Mart einige Tage später, dass der Gewinn im dritten Quartal am unteren Ende der Analystenerwartung liegen werde.
Läuft die Saison für Mode-Aktien aus?
Der Umsatz bei dem Bekleidungsverkäufer für junge Mode Abercrombie & Fitch ging in Juli um 14% zurück. Analysten hatten mit einem Rückgang von bis zu 6% erwartet. Zudem gab das Unternehmen zu Wochenanfang einen Gewinnanstieg für das zweite Quartal von 18% bekannt. Der Gewinn je Aktie sei auf $ 0,24 gestiegen. Dies erfüllte die Erwartungen der Analysten. Gleichzeitig bestätigte der Einzelhändler die auf Grund des schwierigen Marktumfeldes vorher reduzierte Prognose, im 3. und 4. Quartal den Gewinn je Aktie um jeweils 10% steigern zu wollen.
Auch Gap musste im Juli in seinen Stores einen Umsatzeinbruch von 12% hinnehmen. Aktienstrategen hatten hier mit einem Minus von maximal 9% gerechnet. Gap gab dann auch einen Abbau von knapp 800 Stellen bekannt. Weiteres werden Anleger am heutigen Donnerstag bei der Vorlage des Quartalsberichts erfahren. Analysten rechnen hier laut First Call mit einem Gewinn je Aktie von $ 0,13.
Die Luxus-Marke Saks kämpft ebenfalls mit einer abgeschwächten Konsumenten-Nachfrage. Das Unternehmen warnte davor, dass der Verlust je Aktie im 2. Quartal höher ausfallen werde als erwartet.
Halbleiter: Die Analysten sind sich uneinig
Über die Aussichten in der Halbleiter-Branche können sich die Analysten immer noch nicht einigen.
Am Wochenanfang schlugen sich die Analysten von Goldman Sachs auf die Bullen-Seite und stuften den US-Halbleitersektor auf "Overweight" hoch. Die Basisdaten für die Branche seien nicht mehr generell negativ, hieß es zur Begründung. Die Grundlagen für den Sektor würden sich im 4. Quartal verbessern, auch wenn dies nur auf die positivere Situation bei den Lagerbeständen zurückzuführen sei. Es könne jedoch von einem Wendepunkt gesprochen werden, so die Meinung von Goldman Sachs.
Danach sind nun auch die Aussichten von Intel wieder rosiger. Die renommierte US-Investmentbank stufte auch Intel herauf und setzte den Titel auf ihre "Recommended" Liste. Dabei hatte noch Tage zuvor das Researchhaus International Data einen negativen Report für die Branche veröffentlicht. Danach sollen die Umsätze für PC-Chiphersteller in diesem Jahr um 24% fallen.
Getrübte Aussichten für Software- und Hardwarehersteller
Am vergangenen Freitag reihte sich mal wieder Oracle in den Reigen der Negativ-Nachrichten ein. Der drittgrößte Software-Konzern der Welt wird nach eigenen Angaben die Umsatzprognosen für das erste Quartal verfehlen. Eine Erholung in den Vereinigten Staaten ließe auf sich warten. Zudem verlaufe die Nachfrage in Europa und Asien weiterhin schleppend, so die Begründung.
Statt einer Stabilisierung der Umsätze sei daher erneut mit einem Rückgang zu rechnen. Und obwohl Oracle weiterhin an den Gewinnprognosen für das laufende Geschäftsjahr festhielt, reduzierte Goldman Sachs seine Gewinn-Prognose für das Fiskaljahr um $ 0,02 auf $ 0,46 je Aktie.
Einen weiteren Einblick in die Computerbranche wird Hewlett-Packard am heutigen Donnerstag bei der Vorstellung der Quartalszahlen geben. Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie von $ 0,20.
Im Artikel erwähnte Firmen
Wal-Mart, Abercrombie & Fitch, Gap, Saks, Intel, Oracle, Hewlett-Packard