US-Kongress verabschiedet Steuersenkungsprogramm


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Twinson_99:

US-Kongress verabschiedet Steuersenkungsprogramm

 
02.06.03 11:01
Zur Ankurbelung der Wirtschaft hat die US-Regierung ein Fiskalprogramm zur Stärkung des Privaten Konsums - dieser umfasst etwa 70% des Bruttoinlandsprodukts – aufgelegt. Der Wachstumsträger der US-Wirtschaft zeigt derzeit Schwächetendenzen und soll wieder „angekurbelt“ werden. Das Volumen der Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen beträgt zwar nicht wie ursprünglich vorgesehen ca. 725 Mrd. USD, sondern beschlossen wurden lediglich 350 Mrd. USD.
Dennoch kann dies als Erfolg der Regierung Bush gewertet werden. Von den nun vorerst auf drei bis fünf Jahre befristet geltenden Maßnahmen in Höhe von 350 Mrd. USD werden über 200 Mrd. USD innerhalb der nächsten 15 Monate wirksam und somit rechtzeitig vor den Präsidentschaftswahlen im November 2004. Ein Auslaufen der Steuererleichterungen ist u.E. aber unabhängig davon, welche Partei die Regierung stellt, nicht zu erwarten. Insofern belaufen sich unsere Schätzungen unter der Annahme, dass die jetzt verabschiedeten Maßnahmen bis zum Jahr 2013 verlängert werden, auf ein Volumen des Steuerpakets von bis zu 1 Bio. USD.

Zu den wesentlichen Punkten zählt das Vorziehen der Steuerreform von 2004 bzw. 2006. Rückwirkend zum 01.01.2003 gelten nunmehr niedrigere individuelle Steuersätze von 25%, 28% und 35% (vorher 27%, 30%, 35% und 38,6%). Durch die niedrigere Steuerquote wird das verfügbare Einkommen voraussichtlich ab dem dritten Quartal 2003 gesteigert.

Ein weiteres Highlight ist in der Senkung der Steuern auf Dividenden und Kursgewinne zu sehen. In Abhängigkeit von der Haltefrist einer Aktie werden Dividenden und Kursgewinne nun mit 15% bei einer Haltedauer von unter einem Jahr und mit 5% bei einer Haltedauer von über einem Jahr besteuert. Bisher unterlagen Dividendeneinkünfte dem persönlichen Steuersatz (in der Spitze bisher 38,6%) und Kursgewinne wurden je nach Haltedauer mit 20% (unter einem Jahr) bzw. 16% (über einem Jahr) besteuert. Die neuen Sätze gelten bereits für die im Jahr 2003 gutgeschriebenen Dividenden sowie für die nach dem 5. Mai 2003 realisierten Kursgewinne.

Von den für Bundesstaaten vorgesehenen Mitteln in Höhe von 20 Mrd. USD soll etwa die Hälfte, bzw. rd. 10 Mrd. USD dem öffentlichen Gesundheitsdienst für Bedürftige – gut 14% der US-Bevölkerung oder 41 Mio. Menschen sind nicht krankenversichert – zugute kommen. Darüber hinaus steht eine grundsätzliche Reform der staatlichen Gesundheitsfürsorge Medicare im Kongress noch an.

Durch das jetzt aufgelegte kreditfinanzierte Programm wird in den USA unter Berücksichtigung des Irak-Krieges das Haushaltsdefizit bereits im laufenden Jahr 2003 auf schätzungsweise 4,6% bis über 5% des BIP ansteigen. Das Sofortprogramm zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA dürfte bereits im laufenden Jahr zum Tragen kommen. Aller Voraussicht nach sollte der positive Effekt in 2003 auf das ganze Jahr hochgerechnet etwa 0,2%-Punkte beim BIP-Wachstum ausmachen, für 2004 rechnen wir mit einem zusätzlichen Impuls von rd. 0,75%-Punkten. Unsere derzeitigen recht konservativen Erwartungen im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum in USA – 2003: + 2,2%e, 2004: +3,0e% - bleiben jedoch unverändert, da die konjunkturellen Effekte des Programms bereits antizipiert wurden.

Neben den konjunkturellen Auswirkungen, die naturgemäß im Vordergrund stehen, sorgt die niedrigere Besteuerung der Dividenden für eine weitere Betonung des Dividendenthemas. Dieses hat ohnehin wegen anhaltend niedriger Wachstums- und Inflationsraten (dämpfende Wirkung auf Gewinnwachstum) an Bedeutung gewonnen, zumal die Erwartungen an Kursgewinne gegenüber den 90-er Jahren deutlich zurückgeschraubt wurden. Damit ist zweierlei verbunden:

Einerseits wird das steigende Anlegerinteresse an Aktien mit hoher Dividendenrendite weiter gestützt, was entsprechenden Papieren einen Vorteil verschafft. So legten im Zuge der Steuerentscheidung mit den US-Versorgern und den US-Telekommunikationsunternehmen zwei dividendenstarke Sektoren bereits kräftig zu.

Andererseits dürfte die Dividendenpolitik der US-Gesellschaften damit weiter in Richtung höherer Ausschüttungsquoten tendieren. Dass dieser Trend bereits im Gange war, führt das Beispiel Microsoft vor Augen. Das Technologieunternehmen hat im März 2003 erstmals eine Dividendenausschüttung vorgenommen.

Fazit:
Unstrittig ist, dass das kreditfinanzierte Programm die wirtschaftliche Entwicklung in den USA fördern kann: Mit einer Stärkung des Privaten Verbrauchs sollte die globale Konjunkturlokomotive Amerika wieder an Fahrt gewinnen. Zudem wird der Bedeutungsgewinn der Dividende für den Anleger und damit auch für die Unternehmenspolitik (Ausschüttungsquote) gestärkt. Ein weiterer Pluspunkt für den Aktienmarkt dürfte mit der geringeren Besteuerung von Kursgewinnen einhergehen. Klar ist jedoch auch: Entscheidend für den weiteren Trend am US-Aktienmarkt dürften andere Themen sein, ganz aktuell vor allem der weitere Konjunkturverlauf.

Quelle: Dresdner Bank

Bye, Twinson_99

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