Minen in Afrika erleben Boom
Uran erlebt eine Renaissance
Der Rohstoff Uran ist nicht erst seit dem Streit um das iranische Atomprogramm wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.
Anfang des Jahres hatte bereits der Gasstreit der Ukraine und Russlands in Deutschland die Debatte um Atomkraft angefacht. Und auch das starke Interesse Chinas an günstigem Atomstrom deutet auf eine Renaissance des Urans hin. Dies wurde gerade erst auf der Klimakonferenz in Sydney deutlich. Im Preis hat sich das wachsende Interesse bereits niedergeschlagen. Noch im Jahr 2000 kostete ein britisches Pfund (454 Gramm) Uran nur acht Dollar, im November 2004 waren es bereits gut 20 Dollar und heute wird das Pfund am Kassamarkt für 36,50 Dollar gehandelt. Experten rechnen damit, dass die Uranpreise noch weiter anziehen werden.
Die Ursache für die Verteuerung liegt vor allem in der klaffenden Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Nach Einschätzung des Adig-Fondsmanagers Klaus Breil deckt die laufende Produktion nur zwei Drittel des Bedarfs. „Ein Drittel wird noch aus recycelten Militärbeständen gedeckt“, sagt er. Und der Bedarf steige weiter. Weltweit gebe es 120 bis 140 Projekte für neue Kernkraftanlagen, die in den nächsten zehn Jahren realisiert werden – über die Hälfte davon in China und Indien. „Die Uran-Bergbaukapazitäten müssen weiter ausgebaut werden“, sagt Breil. „Die höheren Preise finanzieren diese Investitionen.“
Einige Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich die Lücke schließen wird und etwa im Jahr 2009 ein leichter Angebotsüberschuss erreicht werden könnte. „Nach einer Periode von mehr als 15 Jahren, in der die Nachfrage das Angebot übertroffen hat, glauben wir, dass sich der Uran-Markt in die Balance zurückbewegt“, sagt etwa John Redstone von Desjardins Securities in Montreal. Doch bis es so weit ist, erwarten viele Experten steigende Preise. Mehrere Analysten haben ihre Prognosen bereits nach oben revidiert. Fraser Phillips von RBC Capital Markets rechnet für 2006 nun mit einem Durchschnittspreis von 40 (zuvor 32,50) Dollar. Die Analysten von UBS Invest Research hatten im November ihre Prognose von 27 auf 38 Dollar angehoben.
Fast die gesamte Uran-Produktion wird für Kernkraftwerke gebraucht. Der größte Lieferant des Brennstoffs für die weltweit 438 Atomreaktoren ist Kanada. Insgesamt 11 600 Tonnen – rund 30 Prozent der Weltproduktion – werden aus dem Boden des Athabasca-Beckens im Norden der Region Saskatchewan geholt. Mit einer Leistung von 8 000 Tonnen ist Cameco der Branchenführer. Wie die World Nuclear Association im Herbst 2005 in einer Studie berichtete, folgt an zweiter Stelle die französische Cogema mit 5 300 Tonnen, von denen ein großer Teil ebenfalls aus Saskatchewan kommt. Zu den wichtigsten Akteuren am Uran-Markt zählen zudem die zu Rio Tinto gehörende ERA, die australische BHP Billiton-Tochter WMC und die kasachische Kas Atomprom.
„Es ist zu erwarten, dass der enge Uran-Markt in den nächsten Jahren fortbesteht“, meint Redstone. Doch wächst die Nachfrage recht langsam, da der Bau neuer Atomkraftwerke einige Zeit benötigt. Bis 2012/2013 wird ein Anstieg der Nachfrage um 15 000 bis 20 000 Tonnen erwartet. Diesen Bedarf soll die Erweiterung bestehender oder der Produktionsbeginn neuer Minen decken. Dazu zählen vor allem die Mine „Cigar Lake“ von Cameco, „Olympic Dam“ von BHP Billiton und die „Rössing“-Mine von Rio Tinto. Darüber hinaus gebe es in Saskatchewan einen „Uranrausch“, hat Ellsworth Dickson, Herausgeber des Magazins Resource World, beobachtet. Die steigende Nachfrage habe dutzende Unternehmen veranlasst, nach Uran-Vorkommen zu suchen.
Südafrika, das über fast zehn Prozent der Weltreserven verfügt, hat Uran gerade zu einem „geschützten Rohstoff“ erklärt. Das Land würde von einem Ausbau der Förderung sowohl durch die Eigennutzung des Urans im Reaktor Koeberg bei Kapstadt profitieren als auch durch dessen Export. Einer der größten Produzenten am Kap ist neben dem Uranförderer Aflease das Goldunternehmen Anglogold Ashanti. Hier wird Uran als Nebenprodukt gewonnen.
Zu den Gewinnern der Uran-Renaissance zählt bereits die frühere deutsche Kolonie Namibia. Durch den starken Preisanstieg ist die Zukunft der Rössing-Mine, der größten offenen Uranmine der Welt, gesichert. Mitte Dezember hat der Rohstoffkonzern Rio Tinto beschlossen, ihre Lebensdauer bis 2016 zu verlängern. Dazu wird das Unternehmen 112 Mill. Dollar in die 65 km östlich der Küstenstadt Swakopmund gelegene Mine investieren. In den nächsten zwei Jahren will Rössing rund 4 000 Tonnen Uranoxid im Jahr abbauen. Daneben will das kleine australische Unternehmen Paladin Resources in Kürze in einer weiteren Uranmine in Namibia – am so genannten Langen Heinrich – mit dem Abbau beginnen. Sollte diese tatsächlich im September in Betrieb gehen, würde Namibia hinter Kanada und Australien zum drittgrößten Uranlieferanten der Welt aufsteigen.
Ursprung: Uran, chemische Bezeichnung U, ist ein radioaktives und chemisch giftiges Element. Bereits im Jahr 1789 wurde Uran von dem deutschen Chemie-Professor und Apotheker Martin Heinrich Klaproth aus dem Mineral Pechblende isoliert. Benannt wurde Uran nach dem Planeten Uranus.
Abbau: Uran kommt in der Natur nicht als reines Metall vor, sondern in Form von über 200 Uranmineralien, dazu zählt vor allem Uranpecherz. Reines Uran ist ein silberweiß glänzendes, relativ weiches und radioaktives Schwermetall.
Angebot: Insgesamt trifft am Uranmarkt aktuell ein Weltbedarf von 68 000 Tonnen auf ein Angebot von 58 500 Tonnen. Die Angebotslücke wird unter anderem durch wieder gewonnenes (recyceltes) Material gefüllt. Der Markt wird weltweit von einer kleinen Zahl an Anbietern dominiert. Allein die fünf größten Förderer kontrollieren mehr als zwei Drittel des Marktes. 80 bis 90 Prozent des Bedarfs werden durch mittel- oder langfristige Lieferverträge mit den Produzenten abgedeckt.
Verwendung: Uran und Urandioxid werden in angereicherter Form in Atomkraftwerken zur Energiegewinnung genutzt.
Quelle: HANDELSBLATT, Dienstag, 17. Januar 2006, 14:23 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter
Uran erlebt eine Renaissance
Der Rohstoff Uran ist nicht erst seit dem Streit um das iranische Atomprogramm wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.
Anfang des Jahres hatte bereits der Gasstreit der Ukraine und Russlands in Deutschland die Debatte um Atomkraft angefacht. Und auch das starke Interesse Chinas an günstigem Atomstrom deutet auf eine Renaissance des Urans hin. Dies wurde gerade erst auf der Klimakonferenz in Sydney deutlich. Im Preis hat sich das wachsende Interesse bereits niedergeschlagen. Noch im Jahr 2000 kostete ein britisches Pfund (454 Gramm) Uran nur acht Dollar, im November 2004 waren es bereits gut 20 Dollar und heute wird das Pfund am Kassamarkt für 36,50 Dollar gehandelt. Experten rechnen damit, dass die Uranpreise noch weiter anziehen werden.
Die Ursache für die Verteuerung liegt vor allem in der klaffenden Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Nach Einschätzung des Adig-Fondsmanagers Klaus Breil deckt die laufende Produktion nur zwei Drittel des Bedarfs. „Ein Drittel wird noch aus recycelten Militärbeständen gedeckt“, sagt er. Und der Bedarf steige weiter. Weltweit gebe es 120 bis 140 Projekte für neue Kernkraftanlagen, die in den nächsten zehn Jahren realisiert werden – über die Hälfte davon in China und Indien. „Die Uran-Bergbaukapazitäten müssen weiter ausgebaut werden“, sagt Breil. „Die höheren Preise finanzieren diese Investitionen.“
Einige Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich die Lücke schließen wird und etwa im Jahr 2009 ein leichter Angebotsüberschuss erreicht werden könnte. „Nach einer Periode von mehr als 15 Jahren, in der die Nachfrage das Angebot übertroffen hat, glauben wir, dass sich der Uran-Markt in die Balance zurückbewegt“, sagt etwa John Redstone von Desjardins Securities in Montreal. Doch bis es so weit ist, erwarten viele Experten steigende Preise. Mehrere Analysten haben ihre Prognosen bereits nach oben revidiert. Fraser Phillips von RBC Capital Markets rechnet für 2006 nun mit einem Durchschnittspreis von 40 (zuvor 32,50) Dollar. Die Analysten von UBS Invest Research hatten im November ihre Prognose von 27 auf 38 Dollar angehoben.
Fast die gesamte Uran-Produktion wird für Kernkraftwerke gebraucht. Der größte Lieferant des Brennstoffs für die weltweit 438 Atomreaktoren ist Kanada. Insgesamt 11 600 Tonnen – rund 30 Prozent der Weltproduktion – werden aus dem Boden des Athabasca-Beckens im Norden der Region Saskatchewan geholt. Mit einer Leistung von 8 000 Tonnen ist Cameco der Branchenführer. Wie die World Nuclear Association im Herbst 2005 in einer Studie berichtete, folgt an zweiter Stelle die französische Cogema mit 5 300 Tonnen, von denen ein großer Teil ebenfalls aus Saskatchewan kommt. Zu den wichtigsten Akteuren am Uran-Markt zählen zudem die zu Rio Tinto gehörende ERA, die australische BHP Billiton-Tochter WMC und die kasachische Kas Atomprom.
„Es ist zu erwarten, dass der enge Uran-Markt in den nächsten Jahren fortbesteht“, meint Redstone. Doch wächst die Nachfrage recht langsam, da der Bau neuer Atomkraftwerke einige Zeit benötigt. Bis 2012/2013 wird ein Anstieg der Nachfrage um 15 000 bis 20 000 Tonnen erwartet. Diesen Bedarf soll die Erweiterung bestehender oder der Produktionsbeginn neuer Minen decken. Dazu zählen vor allem die Mine „Cigar Lake“ von Cameco, „Olympic Dam“ von BHP Billiton und die „Rössing“-Mine von Rio Tinto. Darüber hinaus gebe es in Saskatchewan einen „Uranrausch“, hat Ellsworth Dickson, Herausgeber des Magazins Resource World, beobachtet. Die steigende Nachfrage habe dutzende Unternehmen veranlasst, nach Uran-Vorkommen zu suchen.
Südafrika, das über fast zehn Prozent der Weltreserven verfügt, hat Uran gerade zu einem „geschützten Rohstoff“ erklärt. Das Land würde von einem Ausbau der Förderung sowohl durch die Eigennutzung des Urans im Reaktor Koeberg bei Kapstadt profitieren als auch durch dessen Export. Einer der größten Produzenten am Kap ist neben dem Uranförderer Aflease das Goldunternehmen Anglogold Ashanti. Hier wird Uran als Nebenprodukt gewonnen.
Zu den Gewinnern der Uran-Renaissance zählt bereits die frühere deutsche Kolonie Namibia. Durch den starken Preisanstieg ist die Zukunft der Rössing-Mine, der größten offenen Uranmine der Welt, gesichert. Mitte Dezember hat der Rohstoffkonzern Rio Tinto beschlossen, ihre Lebensdauer bis 2016 zu verlängern. Dazu wird das Unternehmen 112 Mill. Dollar in die 65 km östlich der Küstenstadt Swakopmund gelegene Mine investieren. In den nächsten zwei Jahren will Rössing rund 4 000 Tonnen Uranoxid im Jahr abbauen. Daneben will das kleine australische Unternehmen Paladin Resources in Kürze in einer weiteren Uranmine in Namibia – am so genannten Langen Heinrich – mit dem Abbau beginnen. Sollte diese tatsächlich im September in Betrieb gehen, würde Namibia hinter Kanada und Australien zum drittgrößten Uranlieferanten der Welt aufsteigen.
Ursprung: Uran, chemische Bezeichnung U, ist ein radioaktives und chemisch giftiges Element. Bereits im Jahr 1789 wurde Uran von dem deutschen Chemie-Professor und Apotheker Martin Heinrich Klaproth aus dem Mineral Pechblende isoliert. Benannt wurde Uran nach dem Planeten Uranus.
Abbau: Uran kommt in der Natur nicht als reines Metall vor, sondern in Form von über 200 Uranmineralien, dazu zählt vor allem Uranpecherz. Reines Uran ist ein silberweiß glänzendes, relativ weiches und radioaktives Schwermetall.
Angebot: Insgesamt trifft am Uranmarkt aktuell ein Weltbedarf von 68 000 Tonnen auf ein Angebot von 58 500 Tonnen. Die Angebotslücke wird unter anderem durch wieder gewonnenes (recyceltes) Material gefüllt. Der Markt wird weltweit von einer kleinen Zahl an Anbietern dominiert. Allein die fünf größten Förderer kontrollieren mehr als zwei Drittel des Marktes. 80 bis 90 Prozent des Bedarfs werden durch mittel- oder langfristige Lieferverträge mit den Produzenten abgedeckt.
Verwendung: Uran und Urandioxid werden in angereicherter Form in Atomkraftwerken zur Energiegewinnung genutzt.
Quelle: HANDELSBLATT, Dienstag, 17. Januar 2006, 14:23 Uhr
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Der Einsame Samariter