Ungebrochener Negativ-Trend


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Ungebrochener Negativ-Trend

 
06.02.02 10:43
manager-magazin.de, 06.02.2002, 09:41 Uhr

 www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/...8,180984,00.html
A R B E I T S L O S E N Z A H L E N

Ungebrochener Negativ-Trend

Offiziell ist jeder fünfte Ostdeutsche arbeitslos. Ist die Zahl in Wahrheit viel höher?

Nürnberg - Mit Spannung wird die Reaktion auf Mauschelei-Vorwürfe gegen deutsche Arbeitsämter vom Präsidenten des Bundesarbeitsamts, Bernhard Jagoda, erwartet, der heute auch die aktuellen Arbeitslosenzahlen präsentiert. Bundesarbeitsminister Walter Riester forderte bereits gestern die "lückenlose Aufklärung" der Fälle. Der Bundesrechnungshof hatte in einem Prüfbericht festgehalten, dass bei fünf Arbeitsämtern "rund 60 Prozent" aller Buchungen in den Ämtern fehlerhaft gewesen seien.

Zahlen-Salat bei den Arbeitsämtern

Dabei sei es augenscheinlich um das Erreichen einer höheren Vermittlungsquote mit nicht zulässigen Methoden gegangen. Dazu zählten:

- Verbuchen von Vermittlungen ohne dass der Bewerber tatsächlich eingestellt wurde.
- Vermittlungen "auf Vorschlag" werden verbucht - obwohl keine Vorschläge seitens der Arbeitsämter erfolgt waren.
- Arbeitgeber finden Bewerber durch eigene Initiative - das Arbeitsamt verbucht die Vermittlung für sich
- Arbeitnehmer finden eine neue Stelle durch eigene Initiative - das Arbeitsamt verbucht die Vermittlung für sich
- Vermittlungen über das Internet werden verbucht, obwohl dass Stellen tatsächlich besetzt wurden


Die aktuellen Arbeitsmarktdaten sind weiterhin düster. Der harte Winter und die unverändert schwache Konjunktur haben dem deutschem Arbeitsmarkt auch im Januar zugesetzt. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung stieg die Zahl der Arbeitslosen zum Jahresbeginn auf 4,29 Millionen. Damit waren rund 326.000 Menschen mehr ohne Arbeit als im Dezember. Dies ist die größte Zunahme innerhalb eines Monats seit Januar 1997.

Im Jahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit mit 197.000 erwerbslosen Männern und Frauen deutlich stärker als im Durchschnitt der Vormonate. Noch stärker war der jahresbezogene Anstieg der Arbeitslosen zuletzt im Dezember 1997 ausgefallen. Die Arbeitslosenquote lag im Januar 2002 bei 10,4 Prozent nach 9,6 Prozent im Dezember.

Hoher Zuwachs im Osten: Von 17,6 auf 19,1 Prozent

In den alten Bundesländern kletterte die die Zahl der Arbeitslosen zum Jahresbeginn 2002 binnen Monatsfrist um rund 207.000 auf 2,791 Millionen, in den neuen Bundesländern um rund 119.000 auf 1,499 Mio. zu. Im Westen betrug die Arbeitslosenquote jetzt 8,3 Prozent (Dezember: 7,7 Prozent) und im Osten 19,1 Prozent (Dezember: 17,6 Prozent).

Arbeitsmarkt-Experten führen den erneut kräftigen Anstieg der Stellungslosen in Deutschland überwiegend auf den Winter zurück. Zu diesem Saisoneffekt komme die konjunkturelle Talfahrt hinzu. Wie stark sich die Wirtschaftslage auf die Erwerbslosenzahl auswirke, sei allerdings nicht genau zu beziffern, hieß es.



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Knapp 4,29 Millionen Arbeitslose im Januar

 
06.02.02 10:59
Knapp 4,29 Millionen Arbeitslose im Januar

Mit 326.000 mehr Arbeitlosen als im Dezember ist dies die größte Zunahme der Arbeitslosigkeit innerhalb eines Monats seit Januar 1997. Riester gegen Soforthilfeprogramm
 
Immer mehr Menschen suchen nach einem neuen Arbeitsplatz Foto: dpa
Nürnberg - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit saisonbereinigt deutlich um 31.000 gegenüber Dezember gestiegen. Die unbereinigte Zahl der Arbeitslosen stieg binnen Monatsfrist um 326.000 auf rund 4,289 Millionen und lag damit ähnlich hoch wie vor zwei Jahren, wie die Bundesanstalt mitteilte.

Analysten hatten im Schnitt zwar nur einen Anstieg der saisonbereinigten Zahl um 21.000 erwartet, nannten in ersten Reaktionen den Anstieg allerdings nicht überraschend. Sie führten die Zunahme vor allem auf das kalte Winterwetter bis in den Januar hinein und auf die Kon-junkturflaute zurück.

Der saisonbereinigte Anstieg betrug nach den offiziellen Angaben zufolge in Westdeutschland im Januar 28.000 (Dezember revidiert plus 14.000) und im Osten 3000 (Dezember minus 5000). Die unbe-reinigte Arbeitslosenzahl stieg im Vergleich zum Januar 2001 um knapp 197.000 auf 4,29 Millionen. Dies entspreche einer Arbeitslo-senquote von 10,4 Prozent nach 9,6 Prozent im Dezember und 10,0 Prozent im Januar 2001.

Trotz des offenbar erneuten Anstiegs sprach sich Arbeitsminister Walter Riester (SPD) gegen ein Arbeitsmarkt-Sofortprogramm aus. „Ich wüsste nicht, wie ein Sofortprogramm jetzt helfen könnte.“ dpa, rtr
www.welt.de/daten/2002/02/06/0206wi312639.htx
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"Es einfach mal drauf ankommen lassen"

 
06.02.02 11:16
Freitag, 11. Januar 2002

Lothar Späth

"Es einfach mal drauf ankommen lassen"  


n-tv.de: Welche Schritte könnten aus Ihrer Sicht kurzfristig einen Effekt in der Beschäftigungspolitik haben?

Späth: Die Grundprobleme sind selbstverständlich langfristiger und struktureller Natur, das haben wir jetzt oft genug kritisiert. Wenn man jetzt fragt, was kann man schnell tun, dann sind das einfache Lösungen, die man einmal probeweise einführen muss und das endet alles bei irgendeiner Form von Kombilohn. Das heißt, man muss den Niedriglohn-Sektor verstärkt einsetzen und dann eben, wo die Löhne nicht reichen, mit öffentlichen Mitteln aufbessern. Aber alle Modelle, die ich jetzt höre, sind viel zu kompliziert. Das einfachste Kombilohn-Modell wäre zu sagen, Mitarbeiter mit einem Lohn von 1.000 DM im Monat, brauchen nur bis zu diesem Betrag anzumelden, dass sie angestellt sind, dann zahlt der Arbeitgeber brutto für netto. Der Kombilohn-Beitrag besteht darin, dass die öffentliche Hand über die Arbeitsverwaltung den Sozialversicherungsbeitrag bezahlt. Steuern fallen sowieso keine an, das wäre eine Sache, die viele Arbeitgeber sofort machen würden.

n-tv.de: Im Grundsatz heißen Sie aber auch als Unternehmer Kombilohn-Modelle, die ja nun auch von der Bundesregierung forciert werden, gut?

Späth: Ja, es geht doch ganz einfach darum, dass beide Seiten erst mal einen Arbeitsvertrag abschließen. Und wenn ich jetzt als Unternehmer vielleicht den einen oder anderen Arbeitsplatz hätte, aber noch nicht so richtig weiß, ob ich ihn besetzen soll oder nicht und ich gucke mir die jetzt geltenden Vorschriften an, welche Langzeitgarantien ich da einhalten muss und die Bürokratie dazu, dann lasse ich das lieber bleiben. Wenn ich aber wüsste, mein Personalchef kann Leute einstellen, beispielsweise Teilzeitbeschäftigte mit bestimmten Aufgaben für eine bestimmte Zeit ohne besonderen Kündigungsschutz , dann stellt sich oft heraus, dass der Arbeiter wirklich brauchbar ist. Dann bleibt er auch da und dann wird daraus ein ordentliches Arbeitsverhältnis. Das ist der Beitrag, den der Unternehmer leisten kann.

n-tv.de: Sie plädieren also für das Ausprobieren nach dem System Versuch und Irrtum?

Späth: Was verändert sich denn in der deutschen Arbeits- und Geschäftswelt, in der deutschen Gesellschaft, wenn man mal für ein, zwei Jahre sagt, die Steuergrenze ist bei 18.000 DM im Jahr. In diesen Fällen werden Arbeitslosenkosten eingespart, die werden für die Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge ausgegeben, zumindest teilweise. Das wird von der Arbeitsverwaltung pauschal erledigt oder von einer anderen öffentlichen Behörde. Das kann man doch mal machen und nach zwei Jahren Bilanz ziehen. Alle wollen jetzt schnell vor den Wahlen noch etwas machen, also kann man es doch mit einem solchen einfachen Verfahren einmal drauf ankommen lassen. Das, was da in den öffentlichen Haushalten passiert, ist alles übersehbar. Wenn es dann eine Erfolgsgeschichte wird, dann macht man sie, und wenn es keine wird, dann muss man sich was anderes einfallen lassen.

n-tv.de: Welche Rahmenbedingungen müssen langfristig geändert werden?

Späth: Langfristig müsste man endlich mal entbürokratisieren. Die Fehler dieser Regierung bestehen darin, dass sie ein paar vernünftige Reformansätze hat, dann aber muss sie den Gewerkschaften und anderen Organisationen wieder Zugeständnisse machen, wie beim Betriebsverfassungsgesetz. Im Grunde braucht man einfach mehr Freiheit, die Tarifbindungen oben aufheben und die Betriebsräte unten mit ihren Unternehmern verhandeln lassen. Langfristig müssen wir erkennen, dass ein Unternehmer und seine Betriebsräte durchaus vernünftige Tarifabmachungen treffen können. Interessant ist, dass auch niemand mehr an das Bündnis für Arbeit glaubt, weil da genau die Leute sitzen, die in der Vergangenheit jede Lösung bürokratisiert haben.

n-tv.de: Sie klingen bei all dem noch immer optimistisch. Sind nicht in der derzeitigen Konjunkturlage alle Ideen auf dem Arbeitsmarkt zum Scheitern verurteilt?

Späth: Ein großer Wurf gelingt natürlich erst über lange Fristen, wir werden in den nächsten Jahren - egal wer regiert - diese Strukturprobleme haben, weil unsere Sozialversicherungskollektive nicht mehr funktionieren werden. Sie können alle vier Wochen eine Rentenreform und alle sechs Wochen eine Gesundheitsreform machen, wenn sie das System nicht ändern, wird die Lage in zwei Jahren noch schwieriger sein, und dann werden die Parteien gewählt, die wirklich was ändern wollen. Bisher hat man immer gehofft, mit einer guten Konjunktur könnte man den alten Krampf weiter machen und jetzt entdeckt man, dass das nicht geht. Die selben Parteien, die noch vor wenigen Monaten gesagt haben, wir bleiben ganz ruhig, merken, dass die Wähler das nicht mehr glauben. Das ganze Gerede vom 11. September und der Konjunktur kann nicht überdecken, dass wir eine Menge typisch deutscher hausgemachter Probleme haben. Das ist unser langfristiges Problem.

n-tv.de: Der Bundesregierung ist vorgeworfen worden, zu langsam und unentschlossen zu handeln, nun unternimmt sie etwas. Inwieweit sind auch die Unternehmer aufgefordert, in der derzeit schwierigen Lage innovativ zu agieren und Verantwortung zu übernehmen?

Späth: Was soll die Wirtschaft machen? Die macht dasselbe wie die Leute, wenn sie Geld gewinnt, macht sie was, wenn sie Geld verliert, macht sie nichts. Man kann davon ausgehen, dass jeder Unternehmer alles unternimmt, um sein Unternehmen voranzubringen. Das kann er aber nur, wenn er seine Kosten decken kann, wenn er flexible Systeme hat, das heißt, die Stimmung des Unternehmers wächst, wenn die öffentliche Hand Luft zum Handeln schafft. Der Unternehmer wird investieren, wenn er das Geld günstig bekommt und die Investition Ertrag verspricht.

Das Gespräch führte Solveig Bach
www.n-tv.de/2895771.html
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Jagoda: Arbeitslosigkeit könnte Febr weiter zunehm

 
06.02.02 11:32
Jagoda: Arbeitslosigkeit könnte Februar weiter zunehmen
 
Nürnberg (vwd) - Die Zahl der Arbeitslosen könnte nach dem deutlichen
Anstieg über die Marke von vier Millionen im Januar im laufenden Monat
weiter ansteigen. Eine "marginale Erhöhung im Februar kann nicht
ausgeschlossen werden", sagte der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit,
Bernhard Jagoda, am Mittwoch in Nürnberg. Erfahrungsgemäß nehme die
Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten um 500.000 zu. Er zeigte sich jedoch
optimistisch, dass mit der üblichen Frühjahrsbelebung auch die Zahl der
Erwerbslosen wieder deutlich abnehmen werde.
(mehr/vwd/mas/nob)


06.02.2002 - 11:10 Uhr  
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Skandal? o.T.

 
06.02.02 14:15
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