Übern Abgrund kommt man nicht in kleinen Schritten


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JoBar:

Übern Abgrund kommt man nicht in kleinen Schritten

 
17.10.02 21:52
Besser weiterlesen statt nochmal ein "Die anderen sind schuld"-Posting abzusondern  :-)

J.

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"Über den Abgrund kommt man nicht in kleinen Schritten"



McKinsey-Deutschland-Chef Jürgen Kluge fordert tiefe Einschnitte, mehr Bildung und ein Hartz-II-Konzept



Nur mit weitreichenden und tief einschneidenden Reformen ist im "Sanierungsfall Deutschland" die Wende zu schaffen, meint Jürgen Kluge, Deutschland-Chef der Unternehmensberatungs-Gruppe McKinsey & Company. "Über einen Abgrund kommt man nicht in kleinen Schritten", sagte er vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf. Seit der berühmten "Ruck-Rede" des Alt-Bundespräsidenten Roman Herzog werde zwar von notwendigen Reformen geredet, doch es sei seither nichts passiert. "Die Menschen im Lande ahnen längst, daß es so nicht weitergeht. Es glaubt auch niemand mehr, daß die künftigen Renten sicher sind."


Kluge mahnt zu hohem Tempo. Das Zeitfenster schließe sich, denn vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung seien die Empfänger von Transferleistungen bald in der Mehrheit. Wenn Bundeskanzler Schröder die Chance haben wolle, in vier Jahren wiedergewählt zu werden, müsse er sich trauen, die Reformen sofort anzugehen, denn vom konjunkturellen Umfeld habe er absehbar keine Hilfe zu erwarten. Er plädiert im übrigen dafür, die Wahltermine in Bund und Ländern zu bündeln, damit nicht ständig irgendwo Wahlkampf betrieben wird.


Kluge hat im wesentlichen vier Handlungsfelder ausgemacht: die Bildungspolitik, den Arbeitsmarkt, die sozialen Sicherungssysteme und die Abgabenbelastung. Das Bildungssystem hält er trotz der vergleichsweise hohen Kosten im internationalen Vergleich in so gut wie jeder Hinsicht für unterdurchschnittlich. Die jungen Menschen seien für den Arbeitsmarkt nicht angemessen qualifiziert, obwohl die Nachfrage nach gut ausgebildeten Kräften steige. Auch sei die vor dreißig Jahren einmal angestrebte Chancengleichheit nicht gegeben. Eher sei das Gegenteil der Fall. "Dabei können wir es uns nicht leisten, auch nur ein einziges Talent zu vergeuden." Bildung müsse als Investition verstanden werden, wobei nach seiner Ansicht die frühkindliche Prägung besonders wichtig ist. Daher müsse das Berufsbild der Erzieherinnen dringend aufgewertet werden. Er fordert einen TÜV für Schulen und Lehrer sowie die Abschaffung des Beamtenstatus. Studiengebühren und Ausbildungsdarlehen hält er für leistungsfördernd.


Um den Arbeitsmarkt anzukurbeln, müssen nach seiner Ansicht die Einstellungshürden gesenkt, die Effizienz in der Vermittlung erhöht und die Lohnnebenkosten gesenkt werden. Die sogenannten Hartz-Vorschläge sollten umgehend realisiert werden. "Es ist besser, schnell eine 80-Prozent-Lösung zu haben, als lange auf 100 Prozent zu warten." Der Arbeitsmarkt benötige allerdings einen "Hartz II" mit deutlich tieferen Einschnitten, meint Kluge auch mit Verweis auf die mit Raten von mehr als 5 Prozent wachsende Schwarzarbeit.


Was die sozialen Sicherungssysteme anbelangt, fordert der McKinsey-Chef weit mehr Eigeninitiativen in der Alterssicherung. Die vor allem für die unteren Einkommensgruppen gedachte Riester-Rente hält er für viel zu kompliziert. Auch in der Krankenversicherung dringt er auf mehr Eigenverantwortung. Schließlich akzeptiere auch jeder die breiten Wahlmöglichkeiten in der Autoversicherung. Das Risiko der Arbeitslosigkeit könnte nach seiner Ansicht privat versichert werden. Die Abgabenbelastung hält er für leistungshemmend, weitere Steuererhöhungen für groben Unfug. Die Sanierung der Staatsfinanzen sei nur mit Kostensenkungsprogrammen zu schaffen, wie sie auch in der Industrie üblich seien.


ADINTY-Press ®, 42. Woche 2002

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JoBar:

up o.T.

 
21.10.02 16:27
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