AUSBLICK/Die Fed könnte ihre Zinskampagne noch verlängern
VWD
FRANKFURT (Dow Jones)--Die US-Notenbank Federal Reserve wird am heutigen Dienstag das Leitzinsniveau zum zwölften Mal in Folge um einen Viertel-Prozentpunkt auf dann 4,00% anheben - soviel ist sicher. Wie sich die Fed Funds Rate danach weiterentwickeln wird, ist unter Beobachtern allerdings umstritten. Auslöser der Unsicherheit waren Stimmen aus der Fed, die die neu aufkommenden Inflationssorgen in den Fokus rückten. Zudem wird über mögliche Auswirkungen des Stabwechsels an den neuen Fed-Chairman Ben Bernanke spekuliert, der am 28. März erstmals die Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) des Fed leiten wird.
Im Zentrum des Interesses wird vor diesem Hintergrund das Statement im Anschluss an den Zinsbeschluss stehen. Die Wortwahl sollte weitere Hinweise liefern, welche Optionen sich die Fed offen hält und wie lange die Straffung der Geldpolitik noch fortgesetzt wird. Einige Beobachter wollen in den Äußerungen von Fed-Verantwortlichen der vergangenen Wochen bereits das Signal erkennen, dass die Notenbank das Leitzinsniveau im Lichte energieinduzierter Inflationsgefahren stärker anheben wird, als bislang weithin angenommen.
Die Inflationserwartungen liegen gegenwärtig auf Sicht eines Jahres vergleichsweise hoch, wie es inflationsindexierte Staatsanleihen und die Verbraucherumfrage der Universität Michigan erkennen lassen. Patrick Franke von der Commerzbank etwa meint, dass die Fed die Risiken zunehmend auf der Seite einer zu hohen Teuerung sehe, auch wenn die Risikoeinschätzung im Kommunique unverändert auf neutral steht. Bedenklich seien unter anderem die besorgniserregenden Daten auf der Erzeugerpreisebene. Daher sei ein baldiges Ende des Zinserhöhungszyklus weniger wahrscheinlich geworden, zumal der FOMC nicht an einem weiter überschäumenden Immobilienmarkt interessiert sein könne.
Spannend wird in diesem Zusammenhang auch sein, ob die Fed ihre Einschätzung beibehält, die langfristigen Inflationserwartungen seien "eingedämmt". Die HVB Group vermutet, dass diese Passage geändert oder gar ganz weggelassen werden könnte. "Höhere Inflationsrisiken könnten die Fed zu einem restriktiveren Kurs zwingen, als er auf Basis der Wirtschaftsentwicklung nötig gewesen wäre", heißt es hier. Für diese Sicht spricht nicht zuletzt auch das überraschend robuste Wirtschaftswachstum im dritten Quartal, das sich mit einem Plus von 3,8% kaum beeinflusst von den Belastungen der Hurrikans "Katrina" und "Rita" zeigte.
Angesichts aufkommender Anzeichen für stärkeren Inflationsdruck und eines Wirtschaftswachstums jenseits der Trendrate stellt sich somit die Frage, wann die aktuelle Zinskampagne ihren Höhepunkt erreicht. Letzterer wird von einzelnen Beobachtern bereits bei 4,75% gesehen. Damit läge der Leitzins überdies kaum jenseits des Mittelwerts der seitens der Fed kommunizierten Spanne für ein neutrales Zinsniveau, das bei 3,5% bis 5,5% gesehen wird.
Der designierte Chairman Ben Bernanke dürfte in den kommenden Monaten dagegen noch keine außergewöhnlichen Akzente setzen, sondern sich vielmehr der bei seiner Nominierung gelobten Kontinuität der Politik und Strategie der Greenspan-Ära verpflichtet fühlen. Während bereits spekuliert wird, Bernanke werde es schwer fallen, seine Amtszeit nach einer denkbaren Zinserhöhung Ende Januar mit einer Zinspause zu beginnen, darf man wohl getrost hoffen, dass der neue Mann an der Spitze der Fed über genug Statur verfügt, um nicht in solcherart symobolische Gestik zu verfallen.
-Von Christian Vits, Dow Jones Newswires, ++49 (0) 69 / 29 725-313,
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