Transparenz durch Bilanzkennzahlen oder: Ein bißch

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Transparenz durch Bilanzkennzahlen oder: Ein bißch sir charles

Transparenz durch Bilanzkennzahlen oder: Ein bißch

 
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Transparenz durch Bilanzkennzahlen oder: Ein bißchen was geht immer

Kreativität beim Definieren hilfreicher Meßwerte lassen Anleger meist als Verlierer dastehen.


Eigentlich wäre die Sache ganz einfach. Seitdem börsenotierte Unternehmen ihre Geschäftszahlen nach international vergleichbaren Richtlinien vorlegen müssen, können Anleger aus aller Welt die Leistungen eines Konzerns - egal wo er sitzt - klar nachvollziehen und mit auch mit den Ergebnissen anderer vergleichen. Sofern etwa nach IAS (International Accounting Standards) bilanziert wird.

In der Praxis funktioniert das auch weitgehend. So wird etwa von jedem börsenotierten Unternehmen ein "Ebit" ("Earnings before interest and taxes") ausgewiesen. Frei übersetzt: Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Dieser Wert ist für Anleger deshalb interessant, weil er damit eine international bestens vergleichbare Ertragszahl vor Augen hat. So bleiben die länderweise unterschiedlichen Steuersätze ebenso ausgeklammert wie die verschieden hohen Zinsniveaus.

Brenzlig wird es allerdings, wenn Konzerne bei Bilanzkennzahlen ihre Kreativität ausleben. So erfreut sich in der Telekom-Industrie das "Ebitdar" größter Beliebtheit. Dieses sieht - Zinskosten, Steuern, Abschreibungskosten und auch noch die Restrukturierungskosten werden nicht berücksichtigt - äußerst freundlich aus. Der Hakan dran: Wer lieber "Ebitdar" statt "Ebit" publiziert, weist unter dem Strich eines Geschäftsjahres meist ein dickes Minus aus. Und daraus zahlt sich bekanntlich noch lange keine Dividende.

Zyniker prophezeien bereits einer neuen Zahl, dem "Egok", eine blendende Zukunft. Das "Ergebnis ganz ohne Kosten" verzichtet schließlich zur Gänze auf lästige Aufwände und schaut dementsprechend gut aus. Das wäre etwas für jene Unternehmen, die Jahr für Jahr Rekordgewinne ausweisen, obwohl - streng gerechnet - die Personalkosten die Umsätze übersteigen. Als Paradebeispiel wären die ÖBB zu nennen.

Aber auch Verluste müssen nicht immer so tragisch sein, wie sie auf den ersten Blick wirken mögen. Beispiele dafür fanden sich zu Hauf in der "New Economy". So mußten zahlreiche Unternehmen, die in den Vorjahren Beteiligungen an Internetfirmen zu Höchstpreisen erworben hatten, diese nach dem Platzen der Spekulationsblase auf "null" abschreiben. Die als Aufwände verbuchten Abschreibungen rissen teilweise Rekord-Verluste auf, allerdings nur auf dem Papier.


Schlußendlich sollten sich Anleger vor allem darauf konzentrieren, in welche Richtung sich ein Unternehmen entwickelt. Das gilt vor allem bei Empfehlungen. Von "Kaufen" auf "Neutral" ist eine Verkaufsempfehlung, von "Underperform" auf "Neutral" wiederum eine Kaufempfehlung. Schneidet ein Konzern besser ab, als Analysten erwartet haben, steigt der Kurs üblicherweise an. Selbst, wenn das Ergebnis noch immer relativ schlecht ist. Gegenteilig gilt freilich, daß ein Rekordergebnis dann keine positiven Spuren im Kurs hinterläßt, wenn sich die Analysten vorher mehr erwartet haben.




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