Tokios Börse am gleichen Punkt wie 1983


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Kabler:

Tokios Börse am gleichen Punkt wie 1983

 
08.10.02 09:13
In Tokio schlägt die Furcht vor einer harten Landung des schwer angeschlagenen Finanzsektors voll auf die Börse durch. Die Bankentitel wurden am Montag erneut gebeutelt, nachdem der neue Chef der japanischen Finanzaufsicht, Heizo Takenaka, am Sonntag angekündigt hatte, dass die Regierung im Zuge einer beschleunigten Sanierung des Finanzsektors auch Grosskonkurse nicht ausschliesse. Die Aktien der vier grössten japanischen Bankengruppen fielen im Schnitt um rund 8%, nachdem sie schon in den letzten vier Handelstagen mehr als 20% eingebüsst hatten.

Die Talfahrt in Tokio beschränkt sich allerdings nicht auf die Bankaktien, sondern war durch das gesamte Bord zu beobachten. So notierte der Nikkei-225 Index um 3.7% tiefer auf 8688 Zählern, dem tiefsten Stand seit dem 16.6.1983. Der breiter gefasste Topix schloss auf 860.4 Punkten was ebenfalls einem Rekordtief in den letzten 18 Jahren gleichkam. Der Sturzflug in Tokio ist dabei nur teilweise auf die globale Börsenbaisse zurückzuführen. Diesmal sind wieder alte, hausgemachte Probleme der Auslöser.

Dabei mehren sich die Anzeichen, dass die Regierung von Ministerpräsident Junichiro Koizumi den Berg an Problemkrediten im Bankensektor beschleunigt abschreiben will. Kurzfristig wird es für Japan sicher nocheinmal schmerzhaft, bevor die Gesundung beginnt, erklärt John Wilson von der HSBC Asset Management in Tokio. wilson ist überzeugt, dass der Nikkei noch unter 8500 Zahler sinken wird, solange die konkrete Strategie der Regierung zum Bankenproblem nicht bekannt ist.

Derzeit bestimmen nämlich nur Gerüchte und mögliche Szenarien für die Bankensanierung den Gang des Marktes. Die Ausgangslage ist allerdins so prekär geworden, dass die Regierung diesmal die Krise kaum mit der Strategie des Durchwursteln überstehen wird. Mit der Ernennung von Takenaka als obersten Finanzzar gab Tokio nämlich indirekt zu, dass die Problemkredite im Bankensektor etwa um das Dreifache der bisherigen Schätzung von 43000 MRD YEN (530 MRD. Fr.) betragen. Geht die Regierung von faulen Krediten bis zu 1500 MRD. Fr. aus, dann ist klar, dass ein paar grosse Schuldner bald in den Konkurs geschickt werden, falls der Staat eine neue Runder der Rekapitalisierung starten sollte.

Aktien von bedrohten Unternehmen wie dem Supermarktbetreiber Daiei, den Bauunternehmen Kumagai Gumi und Maeda, die alle unter einem Riesenberg von Schulden begraben liegen, fielen am Montag bis zu 30%. Allein der Konkurs des Supermarktbetreibers Daiei, der rund 25 Mrd. Schulden angehäuft hat, könnte im schlimmsten Fall 100'000 Stellen kosten. Daiei ist eines von 30 grossen Unternehmen, die schon seit vergangenem Jahr als die dreckigen dreissig bekannt sind und für rund zwei Drittel aller Problemekredite im japanischen Finanzsektor verantwortlich sind. In den Augen von Reformern sollten diese Firmen sogleich in den Konkurs geschickt werden. Skeptischer sind dagegen soziologen und Arbeitsmarktexperten, die schätzen, dass mit dem Untergang dieser Firmen auf einen Schlag über 1.2 Mio. Stellen bedroht wären. Lasst euch diese Zahlen jetzt mal auf der Zunge zergehen, unglaublich!!

Das Szenario der harten Landung wäre der Anfang. Für die Rekapitalisierung des Banksektors sind mindestens nach einmal rund 500 Mrd. notwendig, damit die Problemkredite wie angekündigt bis zum Jahre 2005 abgeschrieben werden können. Und damit sich die Infusion von Steuergeldern in die Banken auch positiv auf die Konjunktur auswirkt, müsste die Zentralbank den Geldhahn weit aufdrehen und die Deflation bekämpfen. Tokio benötigt eine genau koordinierte Aktion, und die kann der Markt momentan noch nicht erkennen.

Und da wär dänn ja auch noch Brasilien mit 230 Mrd. Verschuldung...Momentan sieht es wirklich ganz düster aus.  
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